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 Betreff des Beitrags: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 20. Okt 2020, 06:45 

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Hallo!

Geht es euch auch manchmal so, dass ihr ein schlechtes Gewissen habt - weil ihr nicht mehr zur Arbeit geht!?

Ich bin krank geschrieben - jetzt seit 5 Wochen und vermutlich noch länger. Da ich schon lange erschöpft bin und unter Depressionen leide, bin ich jetzt froh, dass ich diesen Schritt getan habe ... und ich merke auch, dass es mir gut geht, aus dem Arbeitstrott raus zu sein (dazu leide ich unter Reizdarm und Reizblase, da ist man zuhause natürlich auch am besten aufgehoben). Andererseits kommt das natürlich in der Firma nicht gut - Kollegin ist sauer, dass ich sie "hängenlasse" und Chef sowieso. Außerdem weiß ich, wie über solche Krankheiten gelästert/gespottet wird ... also nicht nur über Depressionen sondern über alles, irgendwie wird da jeder mit Krankschreibung eher als Simulant hingestellt und wenn, dann muss es schon was "richtiges" sein ... Krebs oder Arm ab oder so.

Naja, und dann geht es mir natürlich nicht durchgängig schlecht ... und wenn das Citalopram wirkt, wird es mir ja hoffentlich noch besser gehen. Das ist ja schön - einerseits - andererseits denke ich dann "ja, eigentlich könntest du doch wieder los!? Warum bist du eigentlich noch hier!?" ... aber ich weiß natürlich auch, dass meine Depressionen und Erschöpfung und Ängste langfristig nicht besser werden, wenn ich wieder arbeite und dann alles wieder von vorn los geht.

Könnt ihr das verstehen? Geht es euch manchmal auch so?
Wie geht ihr damit um?

LG - Greta

_________________
Liebe Grüße von ..... Greta


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 20. Okt 2020, 07:49 

Registriert: 17. Mai 2020, 04:49
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Hallo Greta,

selbst bei kurzen Krankschreibungen kenne ich dieses Problem. Wie bei dir, wird auch bei uns in der Firma viel gelästert und das verstärkt den Druck. Ich kann es also total verstehen.

Ich finde es aber super, dass du dich trotzdem krankschreiben lassen hast und es auch vermutlich verlängern wirst. Wenn du merkst, dass es dir damit besser geht, dann bist du doch aktuell auf einem guten Weg.

Wie man am besten damit umgeht, kann ich dir leider nicht so richtig beantworten. Vielleicht versuchen an der eigenen Einstellung zu arbeiten. Wichtig ist, dass es dir besser geht, nicht was die anderen denken. Bist du in Therapie? Wenn ja, was sagt denn dein Therapeut dazu? Hat er evtl noch Hilfestellungen?

Ich wünsche dir alles Gute!
Liebe Grüße


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 20. Okt 2020, 08:35 

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Hallo Greta,

das kenne ich auch!
Das schlechte Gewissen kann ich nicht ablegen und ich weiß, wie manche Kollegen über Erkrankungen wie Depression und ähnliches sprechen.
Ich war immer stolz darauf, daß ich sehr wenige Fehltage hatte und deshalb mußte ich sehr oft mit Kollegen zusammenarbeiten die sehr hohe Fehlzeiten hatten (in einem Jahr hatte ich zusätzlich zu den ca. 16 Wochen Urlaubs- und Gleitzeitvertretungen noch ca. 22 Wochen Krankheitsvertretungen). Mein Arbeitsgebiet wurde diesem Umstand natürlich nicht angepasst. Ich habe halt immer funktioniert.

Am Montag Vormittag letzter Woche mußte ich 3 Telefonate führen (normalerweise kein Problem für mich) und habe danach geheult und der restliche Tag war gelaufen. In solchen Momenten weiß ich dann, warum ich krankgeschrieben bin.
Hast Du einen Partner zu Hause?
Wenn mein schlechtes Gewissen zu stark wird, weist mich mein Mann ganz vorsichtig darauf hin, was in den letzten Tagen alles nicht geklappt hat und fragt mich dann, ob ich wirklich meine, arbeiten zu können. :-). Da bringt er mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ich hoffe hier noch einige Antworten zu lesen, die auch mir weiterhelfen.

Viele Grüße
Suchende


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 20. Okt 2020, 10:36 

Registriert: 5. Okt 2020, 10:50
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Liebe Greta,

oh, ja, auch ich weiß, wovon du sprichtst. Genau wie du hatte ich aber selbst erkannt, dass ich nicht mehr kann und mich AU schreiben lassen. Lass du dir bitte kein schlechtes Gewissen einreden. Nicht die anderen brauchen Unterstützung, sondern du selbst. Du hast Gut daran getan, auf die Signale zu achten und dich dem Umfeld zu entziehen, welches dir nicht gut tut.

Achtsamkeit ist ein wichtiges Denken und Handeln für sich selbst. Bleibe bitte dabei und verliere dich nicht aus den Augen sondern nimm dir die Zeit, für dich zu sorgen, für dich selbst da zu sein. Sollte es dir eines Tages wieder besser gehen, kannst du immer noch entscheiden, in den Beruf wiedre einzusteigen.

Ich drücke dir von Herzen die Daumen, alles Gute und liebe Grüße

Elbkind


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 20. Okt 2020, 16:57 

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Beiträge: 9088
 
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Hallo Greta,

ich selbst hatte kein gutes Gefühl, nicht mehr arbeitsfähig zu sein, obwohl es auch jeden treffen kann. Aber schlimmer noch war für mich, dass meine Sm jahrelang versuchte, mir ein schlechtes Gewissen einzureden, weil ich berentet war. Sowas kann man nicht noch gebrauchen, wenns einem schon schlecht geht, auch wenn es nicht immer angesehen wird...
Wie ich damit umgegangen war. Habe versucht, das klarzustellen, was aber nichts brachte. Also ging ich weiter meinen Weg und machte Therapie, versuchte durchzuhalten, auch wenns Rückschläge gab und war wieder aufgestanden.

Alles Gute für dich, Kraft und Durchhaltevermögen
LG Katerle


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 20. Okt 2020, 17:39 

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Hallo Greta,

du bist nunmal krank und nicht arbeitsfähig.
Hättest du eigentlich auch ein schlechtes Gewissen, wenn du wegen einer Rücken-OP lange ausfallen würdest oder dein Diabetes neu eingestellt werden müsste?
Seit mir das bewusst gemacht wurde, hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen.

Nicht du lässt deine Arbeitskollegin hängen, sondern es ist Aufgabe des Chefs die Arbeit zu verteilen und bei einer längerfristigen Erkrankung auch umzuverteilen.geplanter Urlaub und kurzfristige Erkrankungen sind halt was anderes als jemanden für längere Zeit zu vertreten. Hinzu kommt, dass deine Kollegin zum Chef gehen sollte, wenn ihr das alles zuviel wird. Aber das auf die kranke Kollegin zu schieben ist natürlich einfacher.
Meine Kollegin geht da auch relativ rigoros dran, was sie nicht schafft, schafft sie nicht und wenn es keine stud. Aushilfe gibt, dann bleiben gewisse Sachen stehen. Ich mache es inzwischen ähnlich.
In Sachen Krankschreibung gibt es bei mir vor allem einen jungen Kollegen, der da sehr gerne lästert. Vor allem wenn sich Kollegen direkt nach dem Urlaub krank melden. Da wird das schnell zum zusätzlichen Urlaub. Und wer hat sich letztens an seinem letzten Urlaubstag krank gemeldet? - Genau, der lästernde Kollege.... Beim Rest hält sich das Lästern über Krankentage/Krankheiten sehr in Grenzen und auch die Chefs sind da relativ entspannt.
Die alte Firma hat versucht Druck aufzubauen, aber da hab ich mir irgendwann ein "Gehen-Angebot" machen lassen.
Seit mir die ersten beiden Abschnitte bewusst geworden sind, sehe ich das viel entspannter.
Hinzu kommt noch: der Chef bezahlt für deine volle Arbeitskraft/-leistung. Wenn du dich trotz vermindeter Leistungsfähigkeit normal zur Arbeit( und deinen Job nicht erledigen kannst) schleppst, ist es auch der Firma gegenüber nicht fair.

Ich weiß nicht, ob das bei dir geht..Eine Mitpatientin hatte die Verabredung mit ihrem Chef, dass sie 1Tag/Woche Homeoffice macht und wenn sie sich nicht so gut fühlt, auch spontan weitere Tage Homeoffice machen darf. Sie kam damit gut klar.

Alles Gute für dich,
Monchen


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 25. Okt 2020, 09:20 

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Hallo ihr Lieben,

ich schreibe das mal an die Allgemeinheit, weil so viele was dazu zu sagen hatten. Ich kann zum Großteil verhindern, dass die Depression meine Anwesenheit auf der Arbeit verhindert. Allerdings gibts hinsichtlich Konzentration und Leistungsfähigkeit starke Unterschiede bei mir. Das fällt den Kollegen natürlich auf, wie auch immer die das wahrnehmen.

Was ich eigentlich dazu sagen wollte ist, dass die Menschen sich auf der Arbeit nochmal ein ganzes Stück schäbiger verhalten, als sie es privat tun würden. Gerade wenn Kollegen sich zusammenrotten, weil sie gerade ncihts besseres zu tun haben oder selbst gefrustet sind, ist so etwas eine sehr willkommene Gelegenheit, um von deren eigenen Frust abzulenken. Natürlich gibts auch da Ausnahmen, aber ich konnte dieses Herdenphänom jetzt schon öfter beobachten. Da ich leider auch noch hochsensibel bin, bekomme ich wirklich viele Kleinigkeiten mit. Gerade die, bei denen die Kollegen meinen, sie hätten sich gerade ein geschicktes Plätzchen zum Plauschen gesucht.

Ich bin mittlerweile an dem Punkt, dass ich mich nicht gut damit fühle, aber mich einzuschätzen weiss. Wenn ich etwas einfach nicht kann, sei es nun auf der Arbeit oder auch Privat, dann muss ich mich deswegen nicht fertig machen. Ich weiss gut genug, dass ich da nichts vortäusche oder vielleicht auch nur "zu faul" bin. Da habe ich allerdings lange für gebraucht. Man muss lernen, auf sich selber zu hören und andere Schwachköpfe reden zu lassen.
Ich hatte letztes Jahr den Fuß gebrochen, mit OP und allem Pipapo. Selbst da haben sich die Kollegen das Maul zerrissen. Also sage ich: Was solls und scheiß drauf. Wenn ich das mal so sagen darf.

Liebe Grüße von meinem wochenendlichen Depressionssofa

Helen in the Tardis

_________________
Well, I love what he´s done with the place

- Richie Tozier, Loser´s Club


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 25. Okt 2020, 09:51 

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Da man noch lange arbeiten muss, finde ich es legitim sich zwischendurch auch einmal eine AU zu holen. Schließlich wurde man ja auch jahrelang verschlissen auf der Arbeit.


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 25. Okt 2020, 12:04 

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Zitat:
Da man noch lange arbeiten muss, finde ich es legitim sich zwischendurch auch einmal eine AU zu holen. Schließlich wurde man ja auch jahrelang verschlissen auf der Arbeit.


Hm :( , Tochter hatte ja u.a. durch ihren Job und dann auch noch "Privatstress" die Depression. In der Klinik wurde dann geschaut und die meinten, der Betrieb geht gar nicht :shock: . Sie muss ihre Grenzen besser aufzeigen lernen.

Jedenfalls bin ich voll stolz auf sie, dass sie in ihrem jetzigen Job zumindest schon mal sagen konnte, dass sie leider kündigen muss, wenn nicht mehr Personal aufgenommen wird. Seither kommt Chef sich sogar bedanken :) , wenn mehr arbeit war.

Mittlerweile bleibt sie trotzdem länger, weil ihr der Backstubenleiter (ich vermute Burnout) leid tut, wenn alle heimgehen wenn die Arbeitszeit um ist und er alleine da steht. Aber dann ist sie wieder verärgert, weil er nicht zum Chef geht und sagt, dass sie mehr Personal brauchen. Aber, der kann es wohl auch nicht besser :?

Bei mir, hm, ich hab vor 2 Jahren letztlich realisiert, dass ich so wohl nicht weiter machen kann.

Hätte es zuvor noch mit mehr Training probiert, aber die Regenerationszeit nicht mit eingeplant :roll: , also mehr trainieren um mehr arbeiten zu können klappt nicht. Mein Geschäftspartner ist Workaholic, definiert(e) sich sehr stark über Leistung und er brauchts wohl, dass er ähnlich mir mal fett auf die Schnauze fällt damit. Da hilft reden nicht recht viel.
Die 3 Wochen Lockdown und dann 5 Wochen nur etwas ToGo waren da super. Hatte er auch mal bemerkt, dass es ihm eigentlich gut gehn könnte....und er wollte dann gar nicht mehr arbeiten :D .

Bei mir vermute ich, dass da nicht recht jemand da sein wird (außer Familie, was ich nicht möchte), den das kümmert wie es mir geht und ob ich für mich sorgen kann....und das macht mir etwas Angst.
Also wars mir lieber Geschäftspartner hat ohne mich in der Firma Angst um sein Verhalten vielleicht doch noch zu ändern (was er mittlerweile auch tut), als ich hab Zukunftsangst.


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 25. Okt 2020, 12:33 

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Heuer, Sommer hab ich wegen Corona wieder mehr gearbeitet. Kein Urlaub, kein Freizeitvergnügen, nur minimal Tanzstudio....bin eh nicht die Einzige, der das nicht gut getan hat, jammern viele, dass sie heuer keine Entspannung haben. War nicht so gut für mich....

Meine Thera meinte dann Anfangs September ich hätte nur Yang (Aktivität) , soll mein Yin stärken durch z.B. einfach "nur" spazieren gehen.
https://www.tcm-lorenz.at/yin_naehren.html


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Schlechtes Gewissen!?
BeitragVerfasst: 27. Okt 2020, 21:18 

Registriert: 21. Nov 2019, 17:27
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Vielleicht liegt es an meinem Arbeitgeber oder aber an meiner eigenen Einstellung diesbezüglich aber verinnerliche dir folgende Worte.

"Jeder ist ersetzbar"

Und damit meine ich nicht deine Festanstellung bei Firma XY sondern einfach nur die Tatsache, dass der Betrieb auch ohne dich weiterlaufen wird. Ganz egal ob du 3 Tage oder 6 Wochen nicht da bist. Und auf das Geläster etc. brauchst du gar nichts geben, du bist hier diejenige die Stärke gezeigt hat, offen mit ihrer Krankheit umgeht.


 
 
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