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 Betreff des Beitrags: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 27. Feb 2021, 18:23 

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Erst einmal möchte ich euch bitten, nichts zu zitieren, vielleicht lösche ich einige Teile wieder (bin ein bisschen paranoid, erkannt zu werden, wenn ich so viel schreibe :? )

Ich hab neulich mit großem Interesse den Thread von der Philosophin und auch den Beitragen dazu von DerNeuen gelesen. Auch den "Austherapiert" Thread. Ich habe es leider nicht geschafft, mich selbst einzubringen, weil ich ins Berufsleben gestartet bin, und nicht die Zeit hatte, so viel zu schreiben.

Gerne möchte ich hier in diesem Thread über Genesung, auch nach dem Stempel "austherapiert" mich unterhalten. Bitte sachlich und respektvoll, dankeschön!

Kurz zu mir, ich bin Anfang 30, leide nicht nur unter Depressionen, sondern auch manischen und psychotischen Phasen (oder alles zusammen). Die ersten Suizidgedanken hatte ich, da war ich 9 Jahre alt. Bereits im Jugendalter war ich in psychiatrischer Behandlung. Trotzdem schaffte ich irgendwie mein Abitur (ohne dafür lernen zu können), und begann mein Wunschstudium. Leider wurde ich dann so krank, dass ich dieses abbrechen musste. Es begann eine Odysee aus Klinik, Therapie, einem erneuten Studium und mit 26 Jahren erhielt ich den Rat meines Psychiaters, die Rente zu beantragen. Ich wurde als austherapiert aus der Klinik entlassen und sollte in ein Heim ziehen.

Gsd - trotz vieler Schwierigkeiten auch mit ihnen - standen meine Eltern hinter mir und nahmen mich wieder bei sich auf. Es kam für sie nicht in Frage, mich psychiatrischen Institutionen zu "überlassen". Ich war natürlich völlig am Boden. Auch hatte ich aufgrund der Erkankung kaum noch Kontakt zu Freunden und Bekannten. Ich war alleine, nur meine Schwestern, beide jünger, standen zu mir.

Nach einer Phase der Regression und Resignation habe ich von selbst beschlossen, wieder ein bisschen mich zu engagieren (freiwillig). Mit der Zeit -viel Zeit - ging es mir besser. Ich erhielt dort den Rat, doch noch einmal zu studieren, etwas soziales.

Währendessen machte ich Therapie. Und oft hatte ich den Eindruck, gar nicht voran zu kommen.

Sollte ich es wagen, noch einmal zu studieren? Fast alle rieten mir ab. Zu anstrengend, ich wäre nicht stabil genug... doch ich setzte mich durch. Ich wollte es probieren. Ein Experiment.

Wie ist dieses Experiment ausgegangen? Ich stehe inzwischen kurz vor meiner Masterarbeit, habe viele Fortbildungen gemacht, nebenberuflich gearbeitet, habe die Genesungsbegleiterausbildung absolviert und arbeite jetzt in meinem ersten richtigen Job mit psychisch erkrankten Menschen.

War also alles toll? Nein, sehr oft ging es mir schlecht, Suizidgedanken plagten mich, einmal kam ich mit der Polizei wieder ins Klinikum. Trotzdem habe ich auch viel erlebt, ich habe wieder gelebt und am Leben teilgenommen. Ich fand Freunde in meinem neuen Studium, Menschen, die mich verstanden trotz meiner Krisen. Ich bin Zuhause ausgezogen, auch wenn mich mein Papa manchmal noch betüdelt. Ich habe meinen Freund gefunden und nach einer gescheiterten Beziehung (die mich in eine schwere Krise gestürzt hat), neuen Lebensmut gefunden.

Nicht alles ist perfekt, ich arbeite an mir, meine psychische Behinderung zu akzeptieren. Ich muss auf mich achten, lege mich öfters hin. Greife immer mal wieder zu oft zur Schokolade- aber ich muss keine Modelfigur mehr erreichen und mein Freund findet mich gut, so wie ich bin. Manchmal bin ich unsicher, schaff ich das alles, kann ich mir wirklich eine Zukunft aubbauen? Was ist mit dem Sommer, meiner schlimmsten Jahreszeit, muss ich wieder in die Klinik? Fragen über Fragen, aber ich versuche, stück für Stück damit umzugehen und hoffe, dass mein Hilfenetzwerk greift.

Ich hatte diese Woche auch Zweifel, darf ich überhaupt noch Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ich jetzt auf der anderen Seite stehe? Aber ich habe darüber mit meiner Therapeutin geredet, und sie ist der Meinung, auch die "Professionellen" dürfen Hilfe in Anspruch nehmen, dies sei ein Zeichen von Stärke. Also bleibe ich in Behandlung bei meinem Psychiater, Psychotherapeutin und Ergotherapeutin. Und nehme weiter meine Medikamente.

Ich bin und werde immer auf dem Weg sein, Recovery ist ein Prozess, ein lebenslanger. Ich bin vulnerabler als viele, aber ich versuche meine Schwächen zu Stärken zu machen.
Ich hoffe, ich kann es auch akzeptieren, wenn es mir wieder einmal schlechter geht und mir dann die nötige Hilfe zu suchen.

Ich würde mich sehr über einen Austausch mit euch freuen, bedenkt bitte, jede und jeder ist auf seinem eigenen Weg und macht seine eigenen Schritte, egal wie klein oder nichtig die sein mögen. Jede und jeder hat sein eigenens Tempo.

Und zum Schluß noch ein Buchtipp: "Hoffnung Macht Sinn: Schizophrene Psychosen in neuem Licht" von Michaela Amering. Das Geschriebene lässt sich sicher auch auf Depressionen übertragen.


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 27. Feb 2021, 20:20 

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Unglaublich stark, belladonna! Danke für diesen wertvollen und Mut machenden Beitrag! Es freut mich sehr, dass du dich nochmal an ein Studium gewagt hast und nun so weit gekommen bist. Ich hoffe, dass mir das auch noch gelingen wird. Im September startet meine Ausbildung. Es ist eine riesige Herausforderung für mich, aber auch eine große Chance. Deine Worte stimmen mich hoffnungsvoll.

Mein Eindruck ist, dass dieses Forum eher von Erkrankten angeführt wird, die einen solchen Weg aufgegeben haben und ihre vielen Einschränkungen akzeptieren. Deshalb stoßen solche Beiträge immer wieder auf viel Gegenwehr und scheinen hier allgemein wenig erwünscht zu sein. Ich freue mich trotzdem, dass du dich getraut hast, einen solchen Thread zu eröffnen. Überlege dir nur gut, ob du wirklich Kraft in das Schreiben hier reinstecken möchtest. Jemand hat mir mal den Link zu einem Depressions-Forum geschickt, das eher unseren Weg verfolgt. Bei Gelegenheit werde ich dir diesen per PN weiterleiten, wenn du magst.

Liebe Grüße
Philosophin


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 27. Feb 2021, 21:35 

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Guten Abend zusammen,

@Belladonna: du kannst unglaublich stolz auf dich sein. Es ist schön zu lesen, was du erreicht hast.

Es tut mir leid, dass dein Thread nun der nächste zu sein scheint, der für hitzige Debatten sorgt und die Sachlichkeit bleibt auf der Strecke.

Dennoch pflichte ich Saneu bei und danke dir, liebe Saneu für deine Worte. Hoffentlich bewirken sie etwas.

Liebe Grüße
Tara


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 27. Feb 2021, 23:45 

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Hallo Belladonna,

Respekt für deinen Lebensweg!

Hilfe als professioneller Helfer anzunehmen, ist wirklich sehr schwer - und ein Zeichen von Stärke. Sich selbst seine Hilfsbedürftigkeit einzugestehen, in der Arbeit stark und präsent zu sein und gleichzeitig zu spüren, dass die eigene berufliche Kompetenz bei einem selbst nicht (mehr) greift, das ist unglaublich schwer zu managen.

Ich spreche ungern von "Genesung". Ich wollte nie ins Alte zurück. Bei mir ist es eher ein lebenslanges Wachsen zu mehr Freiheit, Freude und Lebendigkeit. Leider immer wieder mit Einbrüchen.

Viel Erfolg für deinen weiteren Lebensweg und viele Grüße, Sul


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 27. Feb 2021, 23:59 

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Philosophin hat geschrieben:
Mein Eindruck ist, dass dieses Forum eher von Erkrankten angeführt wird, die einen solchen Weg aufgegeben haben und ihre vielen Einschränkungen akzeptieren. Deshalb stoßen solche Beiträge immer wieder auf viel Gegenwehr und scheinen hier allgemein wenig erwünscht zu sein.


Ich nehme das Forum hier ganz anders wahr. Sehr gemischt, sehr offen, tolerant, viele verschiedene Wege aufzeigend. Und etwas anzunehmen und zu akzeptieren bedeutet doch nicht die Hoffnung aufzugeben und eigene Bemühungen einzustellen.

Belladonna beschreibt es auch recht gut: "Ich bin vulnerabler als viele, aber ich versuche meine Schwächen zu Stärken zu machen."


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 28. Feb 2021, 00:13 

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Hallo Belladonna,

Glückwunsch und mein Respekt zu deiner Leistung.

Mein ganzer langer Text ist leider im Nirwana verschwunden, aber hauptsächlich ging es darum, was ist eigentlich Gesundheit? Das wurde in meiner Ausbildung zum Genesungsbegleiter besprochen.
Ist Gesundheit die Abwesenheit von Krankheit? Oder das Erreichen einer befriedigenden Lebensqualität auch mit einer oder mehreren Erkrankungen?

Ich habe mich für die Lebensqualität entschieden. Durch die Depression und eine körperliche Erkrankung , die nicht heilbar ist, ist dieser Weg der einzig für mich gangbare. Und es geht mir gut damit, mich trotz und mit meinen Erkrankungen dem Leben zu stellen und es so zu leben, wie es für mich möglich ist und passt.

Ich glaube du bist auf einem guten Weg eine ähnliche positive Einstellung zu finden, ohne dein Erkrankung vor dir selbst zu verleugnen.
Ich wünsche dir dazu allen Mut, Kraft und liebe Menschen.

Liebe Grüße, jojoma

PS: Ich habe auch in der Psychiatrie gearbeitet, und habe Hilfe in Anspruch genommen, wenn es nötig war. Gerade das hat vielen Patienten Mut gemacht.


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 28. Feb 2021, 14:16 

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Erst einmal danke, für all eure Antworten! :)

Es freut mich natürlich, wenn ihr mich beglückwünscht, aber das war gar nicht die Intention dieses Threads ;) ich wünsche mir Austausch, egal, wo man steht.

Philosophin, ich lese schon länger im Forum mit und habe auch deine Geschichte mit deiner alten, toxischen Therapeutin verfolgt. Schau, damals ging es dir auch noch ganz anders, und manchmal braucht man auch ein bisschen Glück, um auf die Menschen zu treffen, die einem weiterhelfen können.

Ich plädiere auch immer dafür, etwas zu versuchen und auch ungewöhnliche Wege zu gehen, aber manchmal funktioniert das nicht. Zum Beispiel beim Schreiben von Arbeiten steht mir meine Antriebslosigkeit oft im Weg. Manchmal hilft tatsächlich auch achtsames Zuwarten, ohne Druck und Selbstvorwürfe, damit man ein Stück von seinem Weg weiterkommt.

Für mich begann 2020 katastrophal, und ich dachte, ich falle wieder in ganz alte Muster zurück. Mit viel Trotz und auch Glück habe ich dann meinen Freund kennengelernt, der mir so gut tut und unsere schöne Beziehung stabilisiert mich auch. Das ist natürlich eine Gnade. Auch die Kontaktbeschränkungen ermöglichen mir ein viel mehr zu mir und meiner Erkrankung passendes Leben als ohne. Aber es kann ja nicht immer Lockdown sein ;)

Ich habe große Angst wieder spätestens im Sommer zu erkranken und habe auch dieses "ich muss es jetzt schaffen" Denken, davon muss ich mich noch versuchen, zu lösen... Habt ihr da Tipps?

Momadome, ja es geht mehr um Lebensqualität als um vollständige Gesundheit. Wer ist denn schon zu 100% gesund? Aber ich wünsche mir natürlich, dass ich nicht mehr in diese existentiellen Krisen gerate, das ist ja auch immer eine große Belastung für mein Umfeld.

Ich würde mich sehr über weitere Beiträge von euch freuen :)


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 28. Feb 2021, 15:48 

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Zitat:
Ich spreche ungern von "Genesung". Ich wollte nie ins Alte zurück. Bei mir ist es eher ein lebenslanges Wachsen zu mehr Freiheit, Freude und Lebendigkeit. Leider immer wieder mit Einbrüchen.

Ich finde das sehr schön formuliert. Um wachsen zu können, muss ich akzeptieren und loslassen. Das ist für mich ein schwieriger, sehr langwieriger Prozess. Viel Wut und Enttäuschung....


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 2. Mär 2021, 14:28 

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Hallo belladonna
ich habe großes Respekt vor deiner Leistung,vor deinem Mut,vor allem vor dem Mut,den du damit auch anderen machst!
Bleib im heute und mach dir keinen Druck von dem,was im Sommer sein könnte.
Wir wissen das alle nicht und damit sind so viele Bedenken nutzlos.
Sei stolz auf dich,auf deine Familie,nutze Kontakte und lass dich loben,sei stolz,wieder eine Partnerschaft zu leben.
Niemand ist fähiger in der Psychiatrie,als ein Erfahrener,und wenn er noch ein Studium und Fortbildungen schafft,dann steht da ein Mensch,der um Verletzungen und um die schwersten Lebensbrüche weiß.
Ich bin sehr froh,dass du uns teilhaben läßt,das ist immer auch der nötige Anstoß,den das Forum braucht,du hast das sehr treffend und passend vermittelt.
Danke dafür!
anna54


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 6. Mär 2021, 19:42 

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Liebe Anna,

ich danke dir für deine Worte! Das tut gut, das zu lesen.

Inzwischen ist meine dritte Woche an Arbeit vergangen, und ich merke, dass ich noch eine andere Strategie brauche. Ich schlafe schlecht oder gar nicht ein, und nicht durch. Das ist bei meiner Erkrankung fatal.

Am Dienstag habe ich dann Bedarfsmedikamente genommen und hatte so einen Überhang, dass - wenn ich nicht im Homeoffice gewesen wäre - ich nicht hätte arbeiten können. Aber ich bin einfach gar nicht eingeschlafen... und hatte Angst :|
Ich war Mittwoch auch bei meinem Arzt, dann war der nicht da, nur die Krankenschwester hat mit mir gesprochen. Sie hat mir sofort wieder einen Termin in zwei Wochen gegeben und auch gesagt, ich soll mich jederzeit melden, wenn es mir schlechter geht.

Das nervt mich so sehr, dass selbst positive Dinge mich ins schleudern bringen. Ich muss jeden Tag um Stabilität kämpfen, auch das ist meine Realität.

Gestern Abend war mein Freund hier, und er hatte schon friedlich neben mir geschlafen und ich wälze mich und wälze... selbst seine Anwesenheit hat mich nicht beruhigt. Ich habe wieder Bedarfsmedikamente genommen und bin deshalb heute früh - wir wollten gemeinsam frühstücken, denn er musste heute wieder schon früh heim - kaum aus dem Bett gekommen bin. Er hat dann Frühstück geholt und auch gesagt, ich lass dich schlafen, aber ich wollte unbedingt mit ihm frühstücken und Zeit mit ihm verbringen. Er war ziemlich besorgt, ich war ganz weiß im Gesicht und (das hab ich ihm aber verschwiegen), ich bin fast umgekippt.
Er hat mich dann gebeten, weniger Tabletten zu nehmen, aber ich bin dann immer so verzweifelt und will unbedingt schlafen, dass ich mich "abschieße". Ich weiß, das ist nicht gut... aber bei Schlaflosigkeit läuten bei mir alle Alarmglocken, ich hab auch schon monatelang nicht mehr geschlafen, mit sehr schlimmen Folgen.

Heute hab ich dann bis spät Nachmittag im Bett vebracht, gerade surf ich ein bisschen im Internet. Selbst meinen Schlafanzug hab ich noch an. Einzig alleine die Spülmaschine hab ich angeschaltet, aber das brauche ich heute einfach. Morgen muss ich dann ein bisschen aufräumen, waschen, was für die Arbeit erledigen und einen Teil meiner Masterarbeit überarbeiten. Aber Stück für Stück, ich hoffe, ich schaffe morgen auch einen kleinen Spaziergang oder ein kleines Workout.

Ihr seht, bei mir ist nicht alles "gut", auch ich habe zu kämpfen. Ich würde mich freuen, wenn ihr von euren Erfahrungen berichtet.


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 7. Mär 2021, 09:56 

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Liebe Belladonna,

darf ich fragen, was genau dir an der Arbeit zu viel ist? Was ist belastend?
Hast du Strategien, die du ausprobieren möchtest?

Mir hilft im Moment die Bewegung, Sport, draußen sein, mich spüren, aufbauende Podcasts anhören, Zuspruch von anderen Menschen, um mit den beruflichen Anforderungen klar zu kommen.

Und Bedarfsmedikation nur im äußersten Notfall. Meine neue Ärztin hat ganz klar gesagt: So wenig wie möglich, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Benzos nicht mehr wirken.

Es kommen wieder bessere Zeiten...

Viele Grüße, Sul


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 7. Mär 2021, 13:12 

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Liebe(r) Sul,

die Arbeit geht mir leicht von der Hand und macht mir Spaß, die Kollegen sind nett... es ist die Tatsache an sich, dass ich arbeiten muss. Einfach viele neue Eindrücke und ich kann mich nicht den ganzen Tag ausruhen -> zu viel Reizüberflutung.

Ich weiß, dass Benzos und Co nicht gut sind, aber das sind meine Notfallmedikamente schon seit 10 Jahren. Natürlich wirken sie nicht mehr so gut wie am Anfang, deshalb nehme ich mehr... und habe dann einen Überhang.

Ich mach auch andere schöne Dinge, wie das mein Freund mich besucht, aber gleichzeitig ist jede Interaktion viel für mich, auch schöne, positive Dinge. Die Sonne scheint heute so schön, aber ich weiß noch nicht, ob ich mich heraus traue, es könnte zu viel sein. Mir hilft viel Ruhe und Schlaf. Und morgen muss ich ja wieder fit sein.

Liebe Grüße
belladonna


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Genesung 2.0
BeitragVerfasst: 27. Sep 2021, 17:33 

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:hello: Hallo Belladonna,

ich wühle den Thread mal wieder nach oben. :oops:

Ich hoffe Du bist noch hier im Forum und es geht Dir noch gut. :hello:

Ich bin beim Durchlättern im Forum wieder drüber gefallen. Ich hatte ihn schon früher gelesen, als Du ihn gerade geschrieben hast, aber da saß ich noch auf einer anderen Scholle :lol:

Ich finde es auch erstaunlich, mutig und stark von Dir, wie Du Deinen Weg gegangen bist.

Ich hatte mich nach vielen Jahren Kämpfen, Leiden und resignieren und einen hohen Verschleiß an Therapeuten, die eigentlich nicht gut für mich waren, den psychatirschen Instutionen überlassen.

Nach vielen Jahren merkte ich "ein großer Fehler".

Ich nehme jetzt mein Leben wieder selbst in die Hand.

Ich bin verrented. Anfangs fühlte ich mich deswegen schuldig. Doch jetzt finde ich es gut. Ich kann ohne Druck Dinge tun, die mir gut tun. Das Leben frei leben.

Ich bin verheiratet und freunde mich langsam mit dem Leben als "nur" Hausfrau an. Ich engagiere mich eherenamtlich und habe mir mein lang erträumtes Hobby zu gelegt. Ich bin einer Malschule begetreten.

Ich habe Zeit für andere Dinge und auch für mich. Ich hatte einen ziemlich stressigen Job. Dahin will und kann ich nicht zurück und das ist auch gut so.

Das Leben selbst in die Hand nehmen, muss nicht zwangsläufig heißen wieder voll in unsere überbordernde Leistungsgesellschaft einzusteigen.

Wir haben jetzt zwar erheblich weniger Geld. Aber Geld macht nicht glücklich. :)

Liebe Grüße


 
 
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