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BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 16:06 

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Hallo liebe Meridian,

Es tut mir leid, dass du gerade so empfindest! Ja, ich kenne diese Stimmungseinbrüche gut, mittlerweile habe ich gelernt, dass es meistens eine Überreaktion auf vorhergehende Belastungen ist. Ich kenne auch das Erleben, dass man sich in diesen Phasen unwirklich fühlt, als wenn das Leben irgendwie ohne einen passiert, weil nichts durchdringt. Ehrlich gesagt geht es mir ziemlich häufig so, vor allem dieses Fremdheitsempfinden. Aber ich merke auch, dass die Phasen der negativen Gefühle kürzer werden und kann es deswegen besser aushalten bzw. fürsorglicher mit mir umgehen. Ich habe mir überall in meinem Leben kleine Safe Spaces eingebaut, in denen auch im Alltag Raum ist für alle Gefühle, egal ob die Sonne scheint oder nicht. Mir hilft außerdem meine Arbeit sehr, der Kontakt mit anderen gelingt mir gut und die Konzentration holt mich zumindest meistens ganz gut raus. Gelingt nicht immer und manchmal habe ich danach Einbrüche, aber ich bin sehr froh um die Stabilität.

Mir geht es nicht besonders gut, aber ich schlage mich tapfer. Ich bin jetzt zumindest soweit, dass ich mit meiner Therapeutin mal einen Reha Antrag stellen werde, Distanz zu allem ist wohl dringend nötig. Das stellt mich zwar vor ein paar noch schwierige Herausforderungen, aber daran wächst man ja. Ansonsten stehe ich enorm unter Druck (also eher noch der Zustand ohne Gefühle) und sobald mal alles von mir abfällt, merke ich, wie schlecht es mir geht. Dann sind meine Beine plötzlich wie Gummi oder ich kann nur noch ganz langsam laufen. Meistens wird mir sofort sehr übel, Essen ist nach wie vor ein großes Thema. Oder ich dissoziiere sofort. Juhuu. Alles schwierig. Aber ich kämpfe. Mein Vorstellungsgespräch war übrigens immer noch nicht, meine Ansprechpartnerin liegt jetzt mit Beschäftigungsverbot schwanger im Bett und hat sich 100 mal entschuldigt. Ich warte jetzt auf die nächsten Ansprechpartner. Es ist etwas schade, weil ich die erste über Kontakte gut kenne und es sicher etwas leichter geworden wäre. Zusätzlich haben sich jetzt zufällig noch zwei neue Möglichkeiten ergeben, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Aber vielleicht ist ein Jobwechsel ja in meinem Zustand gerade auch völliger Quatsch. I don't know.

Liebe Grüße an alke!


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 16:56 

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Liebe Marleo,

danke für deine Rückmeldung.
Fremdheitsgefühl trifft es ziemlich gut, aber ich versuche es zu akzeptieren, so wie es nun mal gerade ist.....
Dass du dich jetzt mit der Möglichkeit einer Reha auseinandersetzt, finde ich gut.
Manchmal ist die Distanz (auch die räumliche) einfach notwendig, um mal aus dem Funktionsmodus herauszukommen.
Natürlich ist das Funktionieren bis zu einem bestimmten Punkt auch hilfreich, aber ob man selbst
immer noch genau einschätzen kann, wann dieser Punkt erreicht ist..... Ich habe da so meine Zweifel, aufgrund meiner eigenen Erfahrung.
Jedenfalls wird spürbar, wie du gerade kämpfst und du lädst dir sogar noch zusätzliche Herausforderungen auf mit der Idee eines Jobwechsels.
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, das alles zu schaffen, hoffe aber sehr für dich, dass das klappt mit der Reha.

LG, Meridian


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 17:23 

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Ein müdes Hallo in die Runde,
ich bin gerade in so einem Stimmungstief. 6 Wochen Therapiepause gehen am Freitag zuende und damit die Suche nach einer ehrlichen Antwort auf die Frage: Geht es noch oder fahre ich mich gerade vollends gegen die Wand, wenn ich weiter arbeite? Ich mute mir in der Regel zu viel zu und weiß außerdem, dass eine kurze Krankschreibung keine Entspannung bringt, sondern die Stapel auf meinem Schreibtisch erhöht. Gehe ich den Schritt in die Krankschreibung, dann wohl wieder für eine sehr lange Zeit. Leider ist die Wartezeit auf einen stationären Therapieplatz sehr lang ( bis zu 10 Monate). Ich weiß zwar schon welche Klinik es wird und dass ich dort das benötigte Einzelzimmer bekomme, aber ich weiß nicht wann. Höre ich ehrlich in mich hinein oder auf meine Familie ist die Antwort klar. Schlafen, essen, Gedächtnis..... funktionieren mega-schlecht. Alle noch vorhandene Energie stecke ich das Funktionieren im Job, aber mein Akku ist leer und der Absturz vorprogrammiert. Wenn da nicht das schlechte Gewissen gegenüber den Kollegen wäre und der Fakt, dass meine Stelle zunächst unbesetzt bleiben wird, könnte ich bestimmt mit der Situation besser umgehen.... Fragen, Zweifel, Unsicherheiten und der Anspruch an sich selbst bleiben bestehen. Die nächste Therapiestunde wird herausfordernd in jeglicher Hinsicht.
Ich wünsche euch allen einen schönen Abend. Jetzt schnappe ich mir meine Tochter und gehe spazieren mit ihr. Sie will so viel vom letzten ersten Schultag nach den Ferien erzählen und ich bin soooo müde und werde vieles davon schnell wieder vergessen. Das tut mir in meiner Seele weh. Meine Kinder haben zum Glück mittlerweile verstanden, dass es keine böse Absicht ist, wenn bei mir was untergeht, aber das macht es nicht besser.


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 17:56 

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Liebe Meridian,

Ich kämpfe, ja, aber ich glaube, dass ich meine Ressourcen mittlerweile ganz gut einschätzen kann. Ich werde aber in den nächsten Tagen evtl auf der Arbeit meine nächste Auszeit mal ankündigen, es hat sich bewährt, mit meinen Kollegen darüber in einen offenen Austausch zu gehen, sodass wir die Fehlzeiten gut einplanen können, sodass es für alle passt. Ich bin mir einfach sehr bewusst, dass ich meine berufliche Existenz nur sichern kann, indem ich so lösungsorientiert wie möglich vorgehe. Tatsächlich entsteht meine Belastung auch gerade vor allem im privaten Bereich. Deswegen scheue ich den Jobwechsel auch nicht so sehr. Zumal ich ihn auch gar nicht angestrebt habe, sondern mir fliegen da gerade Gelegenheiten zu, die ich gar nicht habe kommen sehen. Das Problem, welches ich gerade habe, ist, dass ich die orivaten Belastungen gerade nicht reduzieren kann und dass da auch eigentlich gerade Distanz keine Möglichkeit ist. Morgen habe ich wieder Therapiestunde, mal gucken, was mir diesmal um die Ohren fliegt :)

Ich bin eigentlich mittlerweile ganz gut darin, mir im Alltag Pausen aus dem Funktionieren zu erlauben. Meiner Meinung nach ist ja alles noch nicht so schlimm, ich weiß einfach nicht, was dieser Punkt ist, an dem "nichts mehr geht". Ich weiß schon, was meine Therapeutin dazu sagen würde: "Was soll denn Ihrer Meinung nach noch passieren?" ;)

Liebe Grüße von einer trotzigen Marleo :)


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 18:07 

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Liebe SonneundDunkelheit,

Es tut mir so leid, dass du dich mit dieser Entscheidung gerade so belastest!

Vielleicht gibt es ja nicht nur schwarz und weiß? Ich persönlich (aber das ist tatsächlich nur eine ganz persönliche Meinung von einer, die sich selber gerade nicht besonders gut anstellt) finde so lange Krankschreibungen insofern immer schwierig (ohne bestreiten zu wollen, dass sie manchmal nötig sind), weil die Rückkehr in den Job einfach so wahnsinnig schwer ist. Man ist erschlagen vom Berg der Arbeit und fühlt sich, als würde man einen neuen Job antreten. Und wenn ich einen neuen Job antrete, bin ich selbst im gesunden Modus Out of Order für mindestens sechs Monate. Allein bis man alle sozialen Beziehungen wieder stabil aufgebaut hat, dauert es ja ewig.

Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, die Stunden zu reduzieren oder dauerhaft auf eine drei oder vier Tage Woche zu wechseln? Für mich war die vier Tage Woche eine der besten Entscheidungen. Die Aussicht auf einen freien Vormittag in der Woche, der nur mir gehört, trägt mich einigermaßen durch die Woche. Ebenfalls hilft es mir, offen mit meinen Kollegen in den Austausch zu gehen, da zu sein, wenn es nötig ist und mir gleichzeitig selbstbewusst die Pausen zu nehmen, die ich brauche. Irgendwie eine Mischung aus Engagement und Zurückhaltung. Ich habe aber auch ein Team, welches das mitträgt und einen verständnisvollen Chef. Und meine Arbeit ist für mich einfach eine Ressource, das ist ja auch nicht bei jedem so.ich hatte nur gerade die Idee, dass es vielleicht auch erleichternd sein könnte, den Raum der Möglichkeiten nochmal zu erweitern, wenn du sich gerade sowohl mit schwarz als auch mit weiß nicht wohlfühlst.

Aber wie gesagt, das sind alles Ideen von einer, die Mittagspausen nutzt zum Dissoziieren :). Nimm mich also im Zweifel nicht so ernst :)


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 18:11 

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Noch eine kleine Ergänzung: auch wenn es vielleicht anders wirkt: aber was ich nicht mehr mache, ist alle Energie in das Funktionieren im Job zu stecken. Hier hat mir ein bisschen Offensive wirklich gut geholfen. Ich gehe manchmal sehr selbstbewusst um 13 Uhr ')


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 19:08 

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Liebe Marleo, ich nehme dich und deine Zweifel sehr ernst und bin prinzipiell dankbar für jede gute Idee. Es gibt ein paar Zwänge und unverrückbare Tatsachen, die ich jetzt berücksichtigen muss. Ich (und meine Kollegen) müssen Fristen wahren, wann eine Leistung (Bericht für den Kostenträger o.ä.) erbracht werden müssen und bislang führte kein Weg daran vorbei. Leider gibt es viele solcher Fristen.... kein Problem als ich noch belastbar war. Bin ich aber schon seit 5 Jahren nicht mehr. Ich habe nach langem Zögern und auf Anraten meiner Psychiaterin einen Antrag auf EMR gestellt in der Hoffnung auf eine halbe Rente (neben der Depression habe ich noch eine Menge anderer Erkrankungen inklusive einer Schwerbehinderung) und wollte meine Arbeitszeit auf 20h reduzieren. Vor zwei Wochen kam die Ablehnung....nach Aktenlage ohne persönliche Begutachtung. Ich weiß mittlerweile auch dass ein Teil der angegebenen Ärzte nicht einmal angefragt wurden seitens der Rente. Mit Hilfe einer Rechtsanwältin wurde Widerspruch eingelegt und die Verwaltungsakte angefordert. Noch ist sie nicht da. Arbeite ich auf Teufel komm raus weiter, sagt die Rente es gehe doch....
Ich arbeite mit psychisch instabilen jungen Menschen und die benötigen bestenfalls stabile Ansprechpartner. Meine Kollegen sind alle selbst über dem Limit....macht es alles nicht leichter.
Einen Jobwechsel schließe ich momentan für mich aus. Dafür fehlt mir die Energie und zusätzliche soziale Ängste machen es nicht besser. Wir haben das Thema Job schon öfters in der Therapie hin - und her diskutiert. Interessanterweise habe ich mit meiner Therapeutin schon auf der beruflichen Ebene zusammen gearbeitet (da lief meine Therapie schon fast 1 Jahr). Wir hatten einen jungen Menschen jeweils in der Verantwortung, wo es Schnittmengen gab. Die Therapeutin weiß ziemlich genau welchem Stress, welcher Verantwortung..... ich unterliege. Das macht es manchmal nicht einfacher in den Stunden, aber hat den Vorteil, dass ich es nicht schön reden kann und sie die richtigen Fragen stellt, wenn ich mich mal wieder überschätze. Sie kennt den aktuellen Sachstand EMR und Klinikwartezeit noch gar nicht.
Arbeit hat mich immer getragen und deshalb fällt es mir ja auch so schwer eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Meine Chefin ist eine Niete und meine Kollegen selbst über dem Limit. Ich weiß, dass ich die erneute Auszeit brauche, weil ich nur hier zur Ruhe komme. Hatte gehofft schneller einen Platz in der Klinik zu bekommen, aber ist halt nicht so. Ich kann in meiner Stadt auch nicht in die Tagesklinik oder eine andere Klinik.... hier treffe ich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Teilnehmer, die in der Einrichtung lernen, wo ich beschäftigt bin.... alles nicht so einfach.
War jetzt sehr viel Text. Tut mir leid.


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 20:21 

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Liebe SonneundDunkelheit,

Oh je, es tut mir leid! Ich hatte schon so eine Ahnung! Manchmal bin ich leider wie eine Axt im Walde (sagt man das so?).

Also: ich zweifel überhaupt nicht an dir oder deinen Entscheidungen! Im Gegenteil, ich finde, du übernimmt sehr viel Verantwortung für dich, deine Kinder, deine Klienten und deine Kollegen und es tut mir sehr leid, wie du dich scheinbar daran zerreibst und das Gefühl hast, allen nicht gerecht zu werden. Ich glaube, ich kann das sehr gut nachempfinden!

Ich habe den Eindruck, dass du in guter Betreuung bist und ein gutes Netz um dich herum hast und es stand mir überhaupt nicht zu, da blöde Ideen reinzuwerfen bzw. das war auch eigentlich gar nicht meine Intention, sondern eher ein total ungeschickter Versuch, dich etwas zu entlasten. Es tut mir total leid zu hören, dass die EMR abgelehnt wurde. Ich hoffe, dass der Einspruch Wirkung zeigt.

Ich kenne die Zwänge, die die Arbeit bei Sozialträgern macht und auch die Verantwortung, die man im Umgang mit Klienten hat und respektiere deine Sorgfalt, die du den Beziehungen da entgegen bringst. Ich habe vermutlich das Glück, dass ich mich freier organisieren kann und mich häufig auf konzeptionelle Dinge zurückziehen kann, wenn nötig. Aber es passiert mir auch ab und zu, dass ich nicht ganz da bin im Klientenkontakt und das ist bei deiner Zielgruppe sicher noch schwieriger als bei meiner.

Du wohnst in einer kleineren Stadt, oder? Ich verstehe das Dilemma mit der Klinik und den Begegnungen vor Ort, wirklich! Das Thema spielt beispielsweise bei mir und meiner eigentlich nötigen längeren Krankschreibung / Klinikaufenthalt auch eine wichtige Rolle und steht dem.immer wieder im Weg. Mir ist es neulich auch passiert, dass meine Therapeutin und ich den gleichen Klienten hatten und wir begegnen uns auch in anderen Kontexten beruflich. Ich versuche das aber zu vermeiden, das geht für mich nicht, meinen Klienten habe ich auch abgegeben. Aber ich wohne auch in einer großen Stadt mit vielen Optionen.

Bitte lass dich von mir nicht weiter verunsichern und ich wünsche dir, dass du eine gute Entscheidung treffen kannst und der Widerspruch mit der EMR etwas bringt! Und dass deine Therapeutin dich mach der langen Pause gut entlasten kann!

Alles Liebe,

Marleo


 
 
BeitragVerfasst: 6. Sep 2021, 21:02 

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Liebe Marleo,
nein, du warst nicht die Axt im Walde, sondern ich sehe den Wald vor lauter Bäumen manchmal nicht. Du verunsicherst mich auch nicht, sondern das Aufschreiben sortiert. Und ja, ich zerreibe mich, denke zu viel an andere und werde es dennoch nicht jedem recht machen können. Meine Therapeutin meinte mal ich verleugne mich und meine Bedürfnisse dabei.

Ich wohne in einer großen Stadt, aber arbeite auch in einer großen Einrichtung. Ich kann also davon ausgehen, dass in jeder Klinik hier und Umkreis auch Teilnehmen aus meiner Einrichtung sind oder ich mit Mitarbeitern der Kliniken zu tun hatte. Ich bin natürlich nur für einen kleinen Teil unserer Teilnehmer verantwortlich, aber die anderen laufen mir ja trotzdem über den Weg. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass unsere Psychologen, die für die Teilnehmer zuständig sind in der Klinik auftauchen für Gespräche ect.
Das gleiche kann mir mit den Psychiatern/ Therapeuten hier passieren und ich hatte das mit meiner Therapeutin im Erstkontakt auch besprochen. Als wir gemerkt haben, dass wir einen gemeinsamen Klienten zu betreuen haben, war klar, dass die Praxis darauf achtet, dass wir nie am gleichen Tag Termine haben. Abgeben konnte ich ihn nicht. Mittlerweile hat er unsere Einrichtung verlassen....das ist gut so. Es war schon komisch zwischen der beruflichen Rolle ( die ich sehr souverän ausüben kann) und der eher unsicheren und bedürftigen Patientin hin und her zu switchen.
Meine Therapeutin hat eine ziemlich klare Meinung (ähnlich deiner) bezüglich meiner Arbeitsfähigkeit und Grenzen in der Belastbarkeit und sie kann da ziemlich deutlich werden. Sie trägt meine Entscheidungen aber mit auch wenn sie nicht alle gut findet. Wir haben in den vergangenen 1,5 Jahren so manche Schlacht geschlagen und werden hoffentlich noch so manchen Sieg einfahren.
Allen eine gute Nacht!


 
 
BeitragVerfasst: 7. Sep 2021, 19:10 

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Hallo liebe SonneundDunkelheit,

Ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig es ist, zwischen den beiden Rollen zu switchen. Aber irgendwie ist es wohl auch normal, auch deine Therapeutin wird in manchen Momenten schwach und bedürftig sein. Ich bin beruflich auch die strahlendste und souveränste Person (ein Klient beschrieb mich neulich als "Brausetablette, die das Leben bereichert") und in der Therapie... Naja. Ich akzeptiere, dass ich beide Anteile habe und freue mich, dass ich manchmal auch eine Brausetablette bin :)

Meine Therapeutin mischt sich in meine berufliche Belastung gar nicht so stark ein, auch wenn sie gelegentliche Krankschreibungen begrüßt. Sie mischt sich in meine private Situation ein und wird da sehr deutlich. Dadurch entsteht bei mir oft Druck und das ist für mich wesentlich schwerer zu lösen.

Meine Stunde heute war super erkenntnisreich und wichtig (und traurig) und ich habe sie ganz gut gemeistert. Ganz am Ende bin ich allerdings leider so stark dissoziiert, dass sie einen Kollegen dazu holen musste und den Termin nach mir absagen mussten um mich zurückzuholen und wieder ausreichend zu stabilisieren. Ganz schön peinlich und irgendwie habe ich es nicht kommen sehen, wir waren quasi schon bei der Verabschiedung. Davor habe ich es super geschafft, da zu bleiben! Deswegen bin ich jetzt müde und werde früh schlafen.

Schönen Abend euch allen!


 
 
BeitragVerfasst: 11. Sep 2021, 12:56 

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Meridian hat geschrieben:
Hallo Marleo und alle anderen,

ich hatte gerade überlegt, hier zu schreiben, es dann aber wieder verworfen...
Ich wollte euch nämlich fragen, ob ihr auch solche plötzlichen Stimmungseinbrüche kennt, also ohne erkennbaren äußeren Anlass?
Ich habe das nämlich immer mal wieder, auch jetzt gerade
und ich sehe meinen Therapeuten vor mir, der sagt: Und Sie denken nicht, dass Sie da auch wieder rauskommen?....
Doch, irgendwann denke ich das, aber wenn das so plötzlich passiert, bestehe ich nur aus Gefühl
und selbst das, was draußen ist (Spätsommer, Sonne, ich könnte irgendwo im Café sitzen) hat etwas
Unwirkliches, weil es eben so gar nicht meinem momentanen Gefühl entspricht.
Kennt das jemand von euch und wenn ja, wie geht ihr damit um?
@ Marleo:
Wie geht es dir denn zur Zeit und wie hast du dich entschieden in Bezug auf die Klinik?

LG, Meridian


@Meridian

Genau diese Frage stelle ich mir auch.


 
 
BeitragVerfasst: 11. Sep 2021, 14:25 

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@Heiligendamm

Bedeutet das, dass du das auch kennst mit den plötzlichen Stimmungseinbrüchen ohne einen
direkten Auslöser oder verstehe ich deinen Satz falsch?
Falls du das auch kennst, würde mich interessieren, wie du damit umgehst.
Mich begleitet das schon sehr lange, dass die Stimmung von eben auf jetzt kippt und plötzlich alles sehr unsicher wird, sich ein Fremdheitsgefühl einstellt, so als würde ich die Verbindung zu anderen
und auch zu mir selbst verlieren.
Aufgrund der Therapie weiß ich zwar, wo das herkommt, aber erschreckend finde ich es immer noch
und nach wie vor schwierig, damit umzugehen.

LG, Meridian


 
 
BeitragVerfasst: 14. Sep 2021, 06:55 

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@Meridian

Ja, diese Empfindungen kommen mir bekannt vor.
Fühle dann meistens einen Fluchtreflex und verlasse nach Möglichkeit
die Situation.
Es ist eine Art innere Leere, ein Gefühl von Trauer und Verlust.
Ich denke, dass mich bestimmte Auslöser triggern.

Da ich aber grundsätzlich ein defensiver Mensch bin,
kann ich mich damit nicht annähernd arrangieren.

Ich muss noch viel lernen.


 
 
BeitragVerfasst: 16. Sep 2021, 13:30 

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Hallo ihr Lieben,

Wie geht es euch? Ich bin frustriert, ich hänge seit dem Wochenende wieder ganz tief in der nächsten depressiven Episode. Ich hatte eigentlich gehofft, dass das vorbei sei. Aber es ist alles voll zurück. Schlafstörungen, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit und gehen kann ich auch nur noch ganz langsam. Ich kann gar nicht sagen, was der Auslöser war, eigentlich hatte ich ein paar ganz entspannte Wochen. Das ist wohl das blöde an diesen rezidivierenden Störungen. Auf jeden Fall habe ich mich jetzt erstmal krankgemeldet (immerhin für grandiose zwei Tage, hach ja :)) und versuche nicht allzu frustriert darüber zu sein... Es ist echt so gemein. Ich habe so Lust aufs Leben und werde ständig so ausgebremst!

Ich hoffe, es geht euch allen etwas besser als mir!

Liebe Grüße!


 
 
BeitragVerfasst: 16. Sep 2021, 15:45 

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Liebe Marleo,

tu mir leid, dass es dir nicht gut geht zur Zeit.
Dieses Auf und Ab in der Depression ist echt frustrierend. Sie meldet sich gerne dann zurück, wenn man sich gerade entspannt und das Gefühl hat, es geht etwas besser.
Beim Lesen deines Beitrags hatte ich den Gedanken, ob vielleicht deine Psyche dich jetzt auch körperlich ausbremst und so für die notwendige Pause sorgt, die du dir sonst nicht zugestehst.
Das muss so nicht stimmen, aber ich hatte schon den Eindruck, dass du manchmal über deine
Grenzen gehst, weil du denkst, es geht ja noch.
Immerhin hast du dich jetzt erst mal krankgemeldet, das ist sicher eine gute Idee.
Was sagt denn deine Therapeutin dazu?
Weil du gefragt hast:
Mir geht es soweit ganz gut. Ich hatte heute wieder Therapie, vielleicht schreibe ich später noch etwas dazu.
Ich hoffe, du kannst dir jetzt wirklich eine Pause gönnen und dass es dann auch wieder aufwärts geht.
Hast du eigentlich die Reha beantragt?

LG, Meridian


 
 
BeitragVerfasst: 16. Sep 2021, 16:46 

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Hallo Maleo,

mir tut es auch leid, dass es Dir nicht gut geht zur Zeit. Versuche es zu akzeptieren, wenn Du kannst. Ich habe auch ganz lange nicht akzeptieren können und wollte immer weiter machen, bis ich die Nase voll hatte. Ich konnte und ich wollte dann so nicht mehr weiter machen und habe eine wirklich lange Pause gebraucht. Als der Druck weg ging, ging es mir erst mal noch schlechter.
Nach (emotional) angstengenden Stunden und Dissoziation geht es mir jetzt auch noch so, dass es mich aus der Bahn wirft aber nicht mehr so krass.
Es wird besser, auch wenn Du Dir dass jetzt vielleicht nicht vorstellen kannst.

LG Gartenkobold


 
 
BeitragVerfasst: 16. Sep 2021, 17:12 

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Hallo Marleo,
dein Zustand errinnert mich ein wenig an meine letzte Episode. Ich dachte auch immer, es geht noch, habe Grenzen nicht sehen wollen, funktioniert. Du hast ja immer mal wieder von schlechten Phasen geschrieben und trotzdem dich durchgebissen.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich der Körper irgendwann wehrt und zwar so heftig, dass man nicht mehr darüber hinweg gehen kann. Vielleicht ist es jetzt soweit. Du wirst es besser wissen. Mit zwei Tagen AU warst du nicht besonders gnädig mit dir und verlangst dir viel ab. Drücke dir die Daumen, dass du dich in der Kürze der Zeit ein wenig erholen kannst oder zu anderen Erkenntnissen gelangst.
Ich habe für mich entschieden, doch noch einmal länger aus dem Arbeitsleben auszusteigen. Bin jetzt den 4. Tag Zuhause und merke mit jedem Tag mehr wie erschöpft ich eigentlich bin. Kein schönes Gefühl, aber auf Teufel komm raus weitermachen, wäre auf lange Sicht wahrscheinlich noch schädlicher.
Hat eigentlich deine körperbetonte PT (heißt bestimmt anders, aber mir fällt gerade kein besseres Wort ein) begonnen? Was sagt deine Therapeutin zu deinem Gesundheitszustand? Sie hat dich ja immer gut durch schwere Zeiten getragen im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Liebe Grüße an Alle!


 
 
BeitragVerfasst: 16. Sep 2021, 21:22 

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Hallo ihr Lieben,

Ihr seid so toll! So schnell so viele liebe Antworten! Ich nehme mir alle sehr zu Herzen!

Ja, ich weiß, nur zwei Tage AU. Aber insgesamt dann immerhin fünf Tage Zuhause und mit der Option, zu verlängern. Ich habe dieses Jahr schon eine ganze Menge verschiedener Szenarien durch mit Kurzarbeit, dann Kurzarbeit auf 50% und so weiter... Das komplette Zuhause sein hat
mir irgendwie nicht richtig behagt. Mir fehlten soziale Kontakte und die Tagesstruktur.

Ja, ihr habt alle Recht, ich gehe sicher zu oft über meine Grenzen, wobei ich im Großen und Ganzen schon ganz gut achtgebe.alleine schon für meine Kinder. Manchmal gibt es mein Leben irgendwie nicht anders her. Aber ich war sogar gerade drei Tage lang kinderlos und habe mir echt ein Wohlfühlprogramm gegönnt.

Ach, es ist wirklich vertrackt. Ich weiß, was ihr meint. Ich bin selber gerade etwas ratlos, so heftig hatte ich es nicht erwartet. Wobei es auch nicht das erst mal ist. Und da ich ja such das "Vergnügen" einer Double Depression habe, ist das Leben mit Depression für mich irgendwie auch Normalzustand, vielleicht denke ich deswegen oft, dass es halt irgendwie gehen muss.

Meine Therapeutin sagt eigentlich gar nichts zu meinem Gesundheitszustand, glaube ich. Von dem Klinikthema mal abgesehen neulich. Von meinem jetzigen Tief weiß sie aber auch noch gar nichts. Am Montag hatte es sich schon angedeutet, dass es wieder bergab geht, aber da wollte ich nicht drüber sprechen, das hat sie akzeptiert. Und jetzt sehe ich sie erst am Montag wieder. Die Rufbereitschaft haben wir gerade reduziert. Ich kann mich jederzeit melden, aber das brauche ich gerade nicht.

Und nein, noch kein Reha-Antrag. Ich habe mittlerweile tatsächlich fast schon Lust dazu, aber ich kann hier gerade einfach nicht weg. Es geht nicht. Ich wollte sie aber mal fragen, ob wir den Antrag mal stellen und es dauert ja eh eine Weile, glaube ich. Wobei meine Situation hier sicher noch eine Weile kritisch bleiben wird.

@Meridian, schön, dass es dir gut geht! Wenn du Lust hast, schreib doch gerne von deiner Stunde!

@SonneundDunkelheit, ich finde es gut, dass du für dich eine so klare Entscheidung getroffen hast und hoffe, dass du gut zur Ruhe kommen kannst!

Und @Gartenkobold, es ist immer so schön, von dir zu lesen!

Bitte entschuldigt meinen langen Text, in dem es ganz egoistisch fast ausschließlich um mich geht :) bald kann ich sicher wieder mehr auf eich eingehen!

Liebe Grüße!

Die Körpertherapie wurde leider verschoben und beginnt erst nächste Woche.


 
 
BeitragVerfasst: 17. Sep 2021, 20:32 

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Hallo zusammen,

Ich denke irgendwie die ganze Zeit über die Frage von SonneundDunkelheit nach, wie meine Therapeutin meinen Gesundheitszustand bewertet bzw. was sie dazu sagt. Irgendwie kann ich das gar nicht richtig beurteilen. Ich habe das Gefühl, dass sie sehr gelassen ist und die Dinge so wie ich häufig eher mit Humor sieht. Sie sagt, dass ich so reflektiert sei, dass sie sich sicher sei, dass ich die richtigen Dinge tue.

Eher alarmiert ist sie tatsächlich bei den ja eigentlich harmlosen Dissoziationen, weil die so stark sind, dass ich mich damit tatsächlich in Gefahr bringen könnte. Das war ja unter anderem kürzlich auch der Auslöser für das Klinikthema.die Reha sieht sie immer eher unter dem Kuraspekt, also es sich mal ein paar Wochen lang gut gehen zu lassen und grundsätzlich muss sie immer etwas lachen, wenn sie sich mich auf einer stationären Abteilung vorstellt. Aber gleichzeitig ruft sie mich regelmäßig zwei mal am Tag an und so... Ich weiß auch nicht, es wirkt ambivalent. ich werde sie am Montag mal dazu befragen.

Aber machen eure Therapeuten das? Bewerten sie euren Zustand? Ich finde es eigentlich ganz gut, dass meine das nicht tut und mir in meine Entscheidungen nicht rein redet.


 
 
BeitragVerfasst: 17. Sep 2021, 21:50 

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Hallo Marleo,
"reinreden" und "bewerten" sind für mich zwei unterschiedliche Dinge. Meine Therapeutin akzeptiert meine Entscheidungen, aber sie hält mir durchaus einen Spiegel vor und "warnt" mich vor den Gefahren des Funktionsmoduses.
Du hast selbst einige Dinge, die aus meiner Sicht von Außen ambivalent klingen benannt. Sie ruft dich zweimal am Tag selbst am Wochenende an, bringt das Thema Klinik ins Spiel, will dich selbst dorthin bringen .... also bewertet sie letztlich auch deinen Zustand und zieht ihre Rückschlüsse.
Dissoziationen sind für meine Therapeutin ein Warnsignal und dafür haben wir Regeln eben um eine Selbstgefährdung auszuschließen soweit es geht. Sie würde mich aber ganz sicher nicht deshalb täglich anrufen. Hier vertraut sie mir, dass ich mich melde wenn es sein muss.
Wie kann sich deine Therapeutin sicher sein, dass du die richtigen Dinge tust? Dann wären die Anrufe ja nicht erforderlich.
Ich würde mich übrigens auch als sehr reflektiert betrachten (bekomme ich zumindest immer so zurück gespiegelt), aber manchmal ist genau das mein Problem man reflektiert und reflektiert, findet Gründe und Erklärungen und bleibt auf der Kopfebene statt zu fühlen und Dinge an sich heran zu lassen.
Ich bin sehr gespannt, was dir deine Therapeutin am Montag antwortet.
Hoffentlich bist du ein wenig zur Ruhe gekommen in den Tagen der Krankschreibung.
Liebe Grüße an Alle und eine gute Nacht!


 
 
BeitragVerfasst: 18. Sep 2021, 08:57 

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Hallo Marleo,

der Therapeut bewertet meinen Zustand nicht.
Er vertraut darauf, dass ich mich melde, wenn es mir schlecht geht.
Von sich aus anrufen würde er mich sicher nicht (also ähnlich wie bei SonneundDunkelheit)
Zu Beginn der Therapie fand ich es manchmal erstaunlich, dass er mir zutraut, mit schwierigen Situationen und Krisen umzugehen, weil ich dieses Vertrauen in mich selbst nicht hatte, aber es hat mich natürlich auch gestärkt.
Er hat aber klargemacht, dass er handeln würde, wenn er den Eindruck hätte, dass ich mich nicht mehr selbst schützen könnte und selbst da habe ich noch mit ihm diskutiert, wessen Verantwortung das ist.
Schwierige Frage: Wie viel Fürsorglichkeit gibt es in der Therapie und wo fängt die Bevormundung an?
Ich kann deine Zweifel also verstehen und es ist gut, dass du das mit deiner Therapeutin klären willst.
Du hast, glaube ich, einmal geschrieben, dass ihr euch ziemlich nahe steht.
Dann ist das mit der professionellen Distanz noch um einiges schwieriger.
Ich bin auch gespannt, was sie dazu sagt.

LG, Meridian


 
 
BeitragVerfasst: 18. Sep 2021, 19:28 

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Hallo zusammen, danke für eure Antworten! Ich denke tatsächlich noch viel darüber nach, weil mich vor allem die Frage von Meridian, was ist noch Fürsorge und was ist Bevormundung tatsächlich ganz spannend finde. Ich finde es tatsächlich enorm wichtig, dass meine Therapeutin meinen Zustand nicht kommentiert sondern die Verantwortung komplett bei mir lässt. Ich glaube, alles andere fände ich tatsächlich irgendwie übergriffig. Dass sie den Prozess begleitet hingegen finde ich in Ordnung und natürlich checkt sie damit auch immer ihre Grenzen ab, das ist mir schon klar. Ich glaube, so kann ich mir mittlerweile diese Ambivalenz erklären, dass sie es nicht kommentiert, aber in ihrem Rahmen begleitet. Und doch, ich denke (hoffe?) schon, dass sie mich wirklich für reflektiert hält :)

Ich bin übers Wochenende mit den Kindern aus der Stadt gefahren ins Haus von Freunden, in dem sich am Wochenende oft alle versammeln. Hier ist es immer schön, viel los und morgen früh gehen wir Pilze sammeln im Wald! Hier kann ich mich gut erholen!

Ich finde es übrigens tatsächlich ganz interessant, wie unterschiedlich die Therapeuten die Dissoziationen beurteilen und daraus dann ganz unterschiedliche Schlüsse ziehen. Meine nennt sie einfach immer einen Lösungsversuch, den wir (also ich) gerade noch brauchen, weil es alles noch zu schwer ist. Dadurch ist es natürlich viel weniger dramatisch, als wenn es als Warnzeichen eingestuft wird. Da wird dann glaube ich auch noch mal das Dilemma des Ganzen deutlich... Letztendlich ist in der Therapie immer auch vieles wissenschaftlich noch unklar und irgendwie subjektive Deutung und auch von persönlichen Meinungen des Therapeuten geprägt. Deswegen ist es mir glaube ich auch so enorm wichtig, dass meine Therapie genau diese professionelle Distanz der Bewertung auch einhält. Ich fürchte, ich weiß auch schon, was meine Therapeutin auf meine Frage antworten wird, nämlich: "Wie würden SIE denn ihren Zustand beurteilen?" Und im Grunde ist das die einzige richtige Antwort, finde ich...

Aber es ist und bleibt auf beiden Seiten ein Balanceakt. Und bevor ich hier gerade wie ein trotziges Kind erscheine, das bin ich nicht! Ich mache mir große Sorgen und beobachte mich ziemlich genau und bin bei weitem nicht so viel im "Kopf durch die Wand" Modus unterwegs, wie es vielleicht manchmal wirkt!


 
 
BeitragVerfasst: 19. Sep 2021, 09:02 

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Liebe Marleo,

genau so würde mein Therapeut wohl die Frage beantworten :)
Und keine Angst, du erscheinst (zumindest mir) nicht wie ein trotziges Kind.
Es gehört doch zum Therapieprozess, sich all diese Fragen zu stellen, darüber nachzudenken und auch mal unterschiedlich zu beantworten, je nachdem, wo man mit seinen Themen und Problemen gerade steht.
Zu den Dissoziationen:
Auch da sieht es mein Therapeut ähnlich, nämlich sehr gelassen.
Er hat sie ganz lange gar nicht thematisiert und als ich ihn einmal darauf angesprochen habe, sagte er nur: Sie schützen sich damit.
Mir hat das geholfen, besser zu verstehen, dass viele Verhaltensweisen im Grunde genommen Lösungsversuche sind.
Natürlich ist auch in der Gelassenheit des Therapeuten eine Bewertung enthalten, aber eben eine, die sich nur in seiner Haltung zu bestimmten Themen und Fragen ausdrückt und die
mir immer die Freiheit (und die Verantwortung) lässt, für mich zu entscheiden, was ich damit mache.
Ich wünsche dir noch einen erholsamen Sonntag, das klingt gut mit dem Wald und Pilze sammeln. Viel Spaß dabei!

LG, Meridian


 
 
BeitragVerfasst: 20. Sep 2021, 21:22 

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Hallo liebe Meridian,

Lieben Dank für deine Nachricht! Ich war so beschäftigt, ich habe es gar nicht geschafft zu antworten!

Ich bin heute in der Therapie gar nicht dazu gekommen, die Frage zu stellen. Wir haben uns so in einer Aufstellung festgebissen, dass wir völlig die Zeit vergessen haben und total überzogen haben. Zwischendurch hat meine Therapeutin sogar angefangen mich zu duzen, ohne das zu merken. Distanz ist irgendwie ein Thema bei uns. Aber sie kriegt immer wieder sie Kurve zurück zu einem guten Prozess. Ich glaube, die Frage war auch nicht besonders wichtig für mich, es war mehr die theoretische Auseinandersetzung damit, die mich beschäftigt hat.

Mir geht es leider immer noch nicht besonders gut. Ich fahre mit Tränen in den Augen ins Büro und mit Tränen in den Augen zurück, das liegt aber nicht an der Arbeit. Ich hatte auch am Ende der Stunde nochmal ein längeres und ernstes Gespräch mit meiner Therapeutin über Grenzen und sie hat nochmal ihr "Angebot" wiederholt, mich in die Klinik zu begleiten. Ich habe jetzt wieder eine Rufbereitschaft. Das ist irgendwie Mist.

Ansonsten habe ich eine schöne, aber auch anstrengende Woche vor mir. Irgendwie haben gerade alle Geburtstag. Heute war ich auf einem Geburtstag und dann habe ich Donnerstag, Freitag und Samstag Abend eine Party. Am Sonntag hat dann mein Sohn Geburtstag und meine Woche endet dann mit einem Kindergeburtstag. Mal gucken, wie es mir dann am Montag geht. Ergänzend dazu kommen noch meine Eltern zu Besuch und irgendwie noch 100 andere Dinge. Ich weiß, dass das alles zu viel ist, vor allem wenn ich eh schon in einem kritischen Zustand bin, aber ganz ehrlich, ich frage mich, wie andere ihr Leben mit weniger Terminen hinkriegen?

Liebe Grüße an euch alle von einer traurigen Marleo.


 
 
BeitragVerfasst: 24. Sep 2021, 13:17 

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Hallo ihr Lieben,

Ich wollte mal schnell berichten, dass ich heute bei meiner ersten Sitzung der Körper- / Traumatherapie war. Ich wusste nicht genau, was mich erwartet und war etwas skeptisch, inwieweit Massage helfen soll. Aber ich bin krass beeindruckt. Wir haben im Grunde eine Stunde lang atmen geübt und es hat so wahnsinnig gut geholfen, die Anspannung zu reduzieren und es sind ne Menge Gefühle hochgekommen, ganz ohne reden. Ich habe mich danach tatsächlich etwas schummrig gefühlt durch das ganze Atmen, aber es war wirklich toll! Ich halte es für eine sehr sinnvolle Ergänzung zur Psychotherapie. Meine Therapeutin sagt mir zwar auch immer, dass ich mehr atmen soll, aber ich brauchte tatsächlich die körperliche Unterstützung, um das hinzukriegen!

Ansonsten geht es mir immer noch schlecht, ich musste auf der Arbeit nochmal pausieren. Das Wochenende mit den vielen Feiern und Elternbesuch lastet etwas auf mir. Mal gucken, wie es mir am Montag geht!

Liebe Grüße in die Runde,

Marleo


 
 
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