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BeitragVerfasst: 7. Jul 2021, 19:39 

Registriert: 9. Apr 2020, 13:07
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Ich hatte neulich ein Gespräch mit meiner Therapeutin, bei der es um meine Suizidgedanken ging.

Sie meinte, dass es auch persönlich für sie schlimm wäre, wenn ich das tun würde.

Mich treibt seitdem die Frage um: Ist das wirklich so? Oder lernen nicht gerade Therapeuten, sich abzugrenzen? Dann reden sie mit anderen darüber und nach einer Woche oder so ist das ausgeblendet.

Und was soll ich dann davon halten, wenn sie sowas sagt, aber in Wahrheit wurde es "nur gesagt", ohne dass was dran ist?


 
 
BeitragVerfasst: 7. Jul 2021, 21:27 

Registriert: 13. Mär 2021, 15:17
Beiträge: 148
 
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Hallo Agentcooper,

ich arbeite ehrenamtlich sehr viel mit akut suizidalen Personen und ich kann dir versichern, dass einen das Thema Suizid immer berührt und natürlich etwas mit einem macht.

Abgrenzung ist ein wichtiges therapeutische Werkzeug, das zum Einen dem Schutz und der Selbstfürsorge des Therapeuten gilt, gleichzeitig aber auch wichtig ist für den Klienten. Würde der Therapeut in allen Emotionen voll mitschwingen, könnte er den Therapieprozess nicht mehr steuern sondern wäre in der gleichen Dynamik wie der Klient. Damit ist niemandem geholfen. Einfach gesagt: Empathie ist wichtig und Gleichgültigkeit gefahrlich, gleichzeitig muss einer "den kühlen Kopf bewahren".

Ich bin mir sicher, dass du deiner Therapeutin vertrauen kannst.


 
 
BeitragVerfasst: 8. Jul 2021, 17:32 

Registriert: 29. Sep 2020, 07:05
Beiträge: 394
 
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Hallo agentcooper,

natürlich lernen Therapeuten sich abzugrenzen. Aber trotz allem sind und bleiben sie Menschen. Und damit haben sie auch Gefühle. Ich denke nicht, daß es "nur gesagt" wurde, ich denke, sie meinte es ehrlich.

Alles Gute,
Suchende


 
 
BeitragVerfasst: 9. Jul 2021, 10:47 

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Ganz bestimmt ist das richtig. Wenn Therapeuten nichts empfinden würden, müssten sie sich ja nicht abgrenzen ;-) Umgekehrt heisst es ja auch: Sie würde sich persönlich freuen, wenn du am Leben bliebest und dich und das Leben langsam aber sicher wieder mögen und lieben würdest.

Und deine Therapeutin fand es offenbar wichtig, dich das wissen zu lassen, dass sie nicht ein eisiger Klotz hinter einer Wand von Abgrenzungsstrategien ist, sondern dass sie ihre Empfindungen zwar professionell managt, aber dass sie dich auch auf einer emotionalen ebene wahrnimmt und tatsächlich eine Bezihung zu dir hat - eine therapeutische eBziehung, so nennt man das ja, aber eine Beziehung zwischen Menschen.


Man bringt ja auch seinem Thera Emotionen entgegen, oder nicht...? hoffentlich Vetrauen und Sympathie...? und bringt seine eigenen Wahrnehmungen der Person mit rein....

Ich hatte einmal eine Therapeutin, die war 1,80 groß, schlank, kompetent, intelligent und elegant, nur gerüngfügig älter als ich und trug tolle Lederschaftstiefel - und danach eine gemütliche Ältere mit sackartigen Kleidern und einer Unfrisur, die viel Wärme und eine gewisse Mütterlichkeit ausstrahlte. Und die Erste, da musste ich immer ein bisschen über den Neid hinwegkommen und das Gefühl dass sie gar nicht verstehen könnte, wie es mr geht, wo sie doch so blendend aussieht... und bei der zweiten war ich immer ein bisschen irritiert, wenn sie etwas forderte, statt nur mütterlich zu sein.... das ist wichtig und tut gut...

Viele Grüße
BB


 
 
BeitragVerfasst: 9. Jul 2021, 22:39 

Registriert: 16. Mai 2016, 21:12
Beiträge: 4141
 
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Hallo agent cooper,

ich kann dein Misstrauen schon nachvollziehen (auch in deinem anderen Thread mit dem Geburtstag), frage mich auch manchmal, ob manches nicht einfach nur so gesagt wurde, aber ich denke nicht, dass deine Therapeutin deinen Suizid einfach so wegstecken würde nach dem Motto "Hach, hab ich wieder jemandem nicht helfen können. Ach, aber nicht so schlimm, kommt halt ein neuer Klient. Wie praktisch, dass es genügend Menschen mit Problemen gibt. Dann gibt es immer Nachschub, falls mal einer draufgeht..."
So denkt ein normaler Mensch mit etwas Mitgefühl ja nicht und auch wenn sie sich abgrenzen muss, so ist ein Suizid immer schockierend und auch sie wird sich fragen, ob sie irgendwas falsch gemacht hat oder hätte anders machen können. Sie hat ja auch eine gewisse Verantwortung. Vielleicht haut das nicht so rein wie wenn es jemand aus der engsten Familie ist, weil man da ja noch eine engere Beziehung hat. Aber kalt lässt das wahrscheinlich keinen.
In meinem Abi-Jahrgang hat sich auch einer das Leben genommen. Ich saß zwar mit ihm in einem Kurs, wir hatten nie was miteinander zu tun, wollte ich auch nicht, denn er war mir nicht sympathisch, hat die Lehrer provoziert, den Unterricht aufgehalten usw. Und eines Tages war er tot. Ich war auf seiner Beerdigung, das ist 15 Jahre her und ich denke heute immer noch manchmal an ihn. Das nur mal als Beispiel, wie lange so etwas nachwirken kann und das obwohl wir nichts persönlich miteinander zu tun hatten.

Wie würdest du denn reagieren, wenn du der Therapeut wärst und du kämst in diese Situation? Oder du bist der Klient und deine Therapeutin würde sich das Leben nehmen?

Ich hatte mit einem Betreuer mal ein Gespräch darüber, dass er ja dafür bezahlt wird, dass er seine Zeit mit mir verbringt. Woher soll ich dann wissen, ob er mich dann auch mag und gerne mit mir arbeitet. Er meinte dann: Wenn das nicht so wäre, würde er nicht mit mir arbeiten! Er könnte sich auch einen anderen Klienten suchen. Klar, da kann man wieder sagen, er ist ja auch auf das Gehalt angewiesen, also muss er ja irgendwelche Klienten nehmen und es gab halt niemanden außer mich usw.
Aber: Gerade bei Therapeuten ist es ja so, dass die sich im Prinzip aussuchen können, mit wem sie arbeiten möchten. Die Wartelisten sind lang, die Nachfrage riesig. Also ganz so schlimm kann sie dich nicht finden ;)

Vielleicht helfen dir diese Gedanken ja ein bisschen weiter.

Liebe Grüße,
DieNeue


 
 
BeitragVerfasst: 13. Jul 2021, 11:47 

Registriert: 9. Apr 2020, 13:07
Beiträge: 115
 
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Vielen Dank für die interessanten Einblicke. Das hat mir sehr geholfen!


 
 
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