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BeitragVerfasst: 13. Jul 2021, 11:45 

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Hallo Leute,

ich habe leider unfreiwillig das Profil meiner Therapeutin auf einer einschlägigen Datingplattform gesehen und dort leider zu viele Informationen aufgeschnappt, die ich lieber sofort wieder löschen würde aus meinem Gedächtnis. Alter, kurzer Beschreibungstext, Wohnort etc. zählen dazu - und auch ein bisschen was leicht fragwürdiges, das mich nachdenken lässt.

Ich habe auch Angst, dass sie mich ebenfalls schon mal auf dieser Plattform gesehen haben könnte ...

Wie soll ich mich nun eurer Meinung nach verhalten? Ich habe nicht gezielt nach diesem Profil gesucht, es wurde mir einfach angezeigt!

Soll ich die Therapie beenden? Ich mein, ich hatte schon vorher Probleme mich abzugrenzen. Wenn ja, wie soll ich es ihr sagen?


Zuletzt geändert von agentcooper am 20. Jul 2021, 17:08, insgesamt 2-mal geändert.

 
 
BeitragVerfasst: 13. Jul 2021, 19:55 

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Hallo,

ich würde es einfach ansprechen, denn du bist ja schon davon beeinflusst.
Vielleicht wird es ein interessantes Gespräch, oder das Gespräch geht in eine Richtung, die dir weiter helfen kann. Wenn sie professionell ist, wird sie damit umgehen können. Und ich denke auch, dass im heutigen Internetzeitalter eher als früher solche Anzeigen auch dem Patienten unter die Augen kommen können. Das ist eigentlich jedem klar.
Die Therapie abbrechen muss man deshalb nicht gleich, es sei denn es stehen da Sachen, wo man dran zweifeln kann, ob derjenige in seinem Beruf gut aufgehoben ist.

So würde ich das sehen. Ich würde es ansprechen und dann weiter sehen.

Gruß Gertrud


 
 
BeitragVerfasst: 13. Jul 2021, 20:50 

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Wie soll ich denn sowas ansprechen? Es ist einfach nur peinlich für mich.

Ich weiß jetzt diese Dinge, die ich vorher nicht wusste und eigentlich auch nicht wissen wollte. Hinzu kommt, dass ich eh schon zu viel für sie empfinde, zu sehr das Gefühl habe, abhängig zu sein (das ist auch Thema noch). Und jetzt auch noch das.

Ich habe jetzt noch mehr Angst, dass ich sie in einer bestimmten Gegend real auch mal antreffe - womöglich dann auch noch, wenn sie jemanden datet oder so. Da ich ja jetzt diese Infos im Hinterkopf habe.


 
 
BeitragVerfasst: 14. Jul 2021, 12:11 

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Hallo agentcooper,

es ist verständlich, dass du Scheu hast, es anzusprechen... Dennoch: es stört meiner Meinung nach den weiteren Therapieprozess, wenn du nicht weißt, wie du mit deinen unfreiwillig erfahrenen Informationen umgehen sollst.

Ich würde versuchen, sachlich zu schildern, was geschehen ist und dass dich das jetzt verunsichert.

Es ist nicht deine Verantwortung, so an "sensible" Informationen gekommen zu sein (und könnte sogar auch ein wichtiger Hinweis für deine Therapeutin sein, dass sie sich u. U. bewusst wird, dass auch andere ihre Daten/Texte einsehen können).

Ich denke, wenn man darüber spricht, verliert das Ganze ggf. seine Relevanz und seinen Schrecken. Ungeschehen kann man es sowieso nicht, aber man kann ggf. lernen, damit umzugehen.

Alles Gute dir.
VG Mime

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Wir müssen lernen, die Menschen weniger auf das, was sie tun und unterlassen, als auf das, was sie erleiden, anzusehen.
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BeitragVerfasst: 14. Jul 2021, 12:21 

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Ja, allerdings weiß ich nicht, ob ich die Therapie so mit ihr fortsetzen kann. Mein Bild, meine Vorstellung von ihr hat sich dadurch ja zum Teil verändert.


 
 
BeitragVerfasst: 14. Jul 2021, 12:52 

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Hallo agentcooper,
das kann ich durchaus verstehen.
Andererseits muss es ja so oder so geklärt werden.
Und es wäre sicher auch hilfreich für deine Therapeutin, wenn sie die wahren Gründe deiner Zweifel (Therapie weiter möglich, ja/nein???) erfahren würde. Dann kannst du immer noch alleine für dich oder zusammen mit der Therapeutin entscheiden, ob eine Beendigung der Therapie bei ihr besser wäre oder nicht. Vielleicht könnte sie dir bei einem Therapeutenwechsel auch behilflich sein usw.
Es kommt halt darauf an, inwieweit du dich traust, das alles anzusprechen.
Ich denke aber, dass Verschweigen keine Lösung ist. Oder gibt es etwas Konkretes, das du befürchtest, wenn du es ansprichst?
VG Mime

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BeitragVerfasst: 14. Jul 2021, 23:21 

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Ich habe es angesprochen. Ich bin sehr unsicher darüber, was sie nun über mich denkt und was die Konsequenzen sind. Sie machte den Eindruck, dass sie weiterarbeiten will und den Zusammenhang auch zu meiner Vergangenheit sieht. Aber vielleicht sieht die Supervisorin das ja anders.

Ich bin komplett überfordert mit der Situation. Vielleicht war es ein Fehler, das so offen anzusprechen.


 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 07:22 

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Hallo agentcooper,

ich denke nicht, daß es ein Fehler war!
Was wäre die alternative gewesen?
Eine Therapie, die weniger erfolgreich ist, weil ungeklärtes zwischen Euch ist und die Therapeutin keine Ahnung hat, was das ungeklärte ist? Damit wäre es schwer eine Therapie zu machen.
Ein Therapieabbruch. Dann müsstest Du Dir einen neuen Therapeuten suchen und von vorne anfangen, mit weniger Stunden.

Was Deine Therapeutin von Dir denkt?
Ich weiß es nicht. Aber ich denke, daß sie nichts schlechtes denkt. Du bist auf einer Plattform angemeldet, auf der auch sie angemeldet ist. Das ist doch nichts schlechtes.

Versuche Dein Gedankenkreisen über dieses Thema zu minimieren. Falls es nicht klappt, schreibe Deiner Therapeutin eine E-Mail mit Deinen Befürchtungen. Dann kann sie Dir antworten und Dir so die Zeit bis zur nächsten Stunden erleichtern.

Alles Gute,
Suchende


 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 09:43 

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Hallo agentcooper,

es tut mir leid, dass du dich verunsichert fühlst. Ich finde es richtig und mutig von dir, dass du die Sache angesprochen hast und sehe es ähnlich wie "Suchende2" im vorigen Post - auf Dauer wäre das Verschweigen sicher keine gute Alternative gewesen. Wenn derartige Dinge unausgesprochen bleiben stört es das Vertrauensverhältnis und die gemeinsame Arbeit irgendwann massiv, dann habt ihr beide auch nichts davon (du nicht als Patient und sie nicht als Therapeutin, weil sie mit ihrer Arbeit ggf. nicht weiterkommt - wenn sie spürt, dass eure Arbeit etwas Unausgesprochenes belastet, das ihre Person betrifft).

Ich glaube ja, dass sie deine Überwindung, etwas dir Unangenehmes anzusprechen, deine offene Kommunikation und deine Ehrlichkeit so auffassen wird, dass dir das hoch anzurechnen ist. Das traut sich bestimmt nicht jeder.

Ich habe auch mal bei meinem Facharzt etwas sehr Persönliches ansprechen müssen (und habe mir hinterher ganz ähnliche Gedanken gemacht wie du: Was wird er jetzt von mir denken? Habe ich da nicht seine persönliche Grenze überschritten? usw. usw.). Aber: seitdem ich es angemerkt habe, hat er sich insoweit darauf eingestellt und Abhilfe dessen geschaffen, was mir vorher Probleme bereitet hat. Insofern: es kann auch hilfreich sein, mal komplett über seinen eigenen Schatten zu springen und Unangenehmes zu benennen, auch wenn es einem selbst etwas peinlich ist, etwas Persönliches anzusprechen.

Das erfordert einerseits Mut und andererseits deutet es auch auf einen Vertrauensvorschuss gegenüber dem Behandler wie z. B. auch bei deiner Therapeutin, dass mein Gegenüber mit einer Anmerkung gut/professionell umgehen wird.

Ich denke auch, dass das ein Aufhänger sein kann, mit dem man - wie du es andeutest - Vorkommnisse der eigenen Vergangenheit besprechen/aufarbeiten kann.

Falls die Supervisorin das anders sieht oder es sich herausstellen sollte, dass ein Weiterführen der Therapie ggf. anderswo besser wäre, hast du mit deinem Ansprechen meiner Meinung nach dennoch äußerst verantwortungsbewusst gehandelt. Es hat in meinen Augen sogar auch etwas mit Fürsorge zu tun, dass du die Therapeutin darauf hingewiesen hast (es geht ja auch ein Stück weit um sie, ihre Privatsphäre usw.).

Ich denke eher, dass du ein Stück weit stolz auf dich sein kannst, dass du dich getraut hast, es anzusprechen. Wenn ich Therapeutin wäre, würde ich denken: "Das war aber mutig, das würde nicht Patient schaffen".

Insofern: Wenn es dich arg beschäftigt, könntest du wie "Suchende2" es schon schrieb, deine Gedanken, Befürchtungen in einer E-Mail verfassen (manchmal hilft es, einfach mal alles niederzuschreiben - du musst sie ja nicht wegschicken, wenn du den Eindruck hast, dass du das besser beim nächsten Gespräch ansprichst anstatt zu schreiben; oder du schickst sie weg und schaust, wie die Reaktion deiner Therapeutin sein wird).

Alles Gute dir, ich wünsche dir sehr, dass sich die Unsicherheit langsam abbaut und ich hoffe, dass es auch irgendwann mal in deinen Gedanken so anfühlt, dass du das Richtige getan hast.

VG Mime

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BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 10:17 

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Vielen Dank für eure Anregungen.

Ich habe nach der letzten Sitzung eine kurze SMS geschrieben, wo ich noch etwas ausgeführt habe. Leider habe ich keine E-Mail-Adresse von ihr und ich traue mich nicht, danach zu fragen, weil ich sie nicht außerhalb des Termins belästigen will. Ich bin ja vermutlich jetzt schon zu viel Aufwand. Das Bedürfnis, eine Mail zu schicken, wäre aber da. Ich habe auch jetzt schon wieder viel aufgeschrieben und glaube, es wäre durchaus leichter für mich, das abzuschicken, als es ihr im Gespräch zu sagen und evtl. erstmal eine erste schriftliche Reaktion abzuwarten. Für kommende Woche habe ich vorsichtshalber abgesagt, da ich die Pause brauche.

Mich quälen einfach diese Gedanken, die damit zusammenhängen, sie ausgerechnet auf dieser (oberflächlichen) Plattform gesehen zu haben, wo Menschen quasi mit einem Wisch aussortiert werden und es eher um Aussehen und ONS geht. (Ja, ich selbst bin nicht stolz darauf, da angemeldet gewesen zu sein. Zumal es eh nie was brachte. Und ich bin der Überzeugung, sie wäre auch eine, die mich mit einem Wisch nach links auf den virtuellen Müllhaufen schmeißen würde) Ich habe sie einfach anders eingeschätzt und will am liebsten gar nicht wissen, dass sie da unterwegs ist. Meine Vorstellung von ihr hat sich leider etwas zum Negativen geändert - auch, weil in den Infos halt was drinstand, was sie in meinen Augen schon etwas weniger vertrauenswürdig da stehen lässt. Hinzu kommt, dass ich ja ohnehin schon eifersüchtig auf die Menschen bin, die mehr Zeit mit ihr verbringen dürfen.

Und wenn es künftig um Dating-Themen bei mir geht, würde ich all das immer im Hinterkopf haben. Dass sie mir einen Tipp gibt oder mit mir was bespricht und ich dann denke: Ahja, sie weiß ja, wovon sie spricht, so ist das also gelaufen o.ä.

Das Schlimmste daran finde ich, dass sie das Problem gar nicht richtig versteht. Zumindest war das eine ihrer ersten Reaktionen: Dass es unangenehm für mich ist, ja. Aber was das an ihrer Person und der Therapie ändert, das konnte sie nicht verstehen. Ich habe es vielleicht nicht gut genug erklärt, ob die nachträgliche SMS was daran geändert hat, weiß ich nicht. Als Antwort bekam ich nur, dass sie alles mit der Supervisorin besprechen wird und sich für meine Offenheit bedankt. Ich wünsche mir, sie könnte sich besser in meine Lage hineinversetzen. Oder es noch mehr versuchen.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich weiter mit ihr zusammenarbeiten kann. Gleichzeitig weiß ich, wie wichtig diese ganze Thematik für die Therapie sein kann, da ich durchaus Zusammenhänge zur Vergangenheit erkenne und ich darunter sehr leide. Und dass ich ohne Therapieplatz von heute auf morgen verloren wäre. Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich mich in diese Lage gebracht habe. Hätte ich die App einfach nicht wieder installiert. Oder vielleicht hätte ich schon früher die Reißleine bei ihr ziehen sollen, da ich mich ja offensichtlich nicht mehr gut genug abgrenzen kann und mich meine Gefühle zu ihr mittlerweile komplett überfordern.

Mich würde interessieren, wie ihr an meiner Stelle umgehen mit der Thematik umgehen würdet. Also angenommen, euch passiert dasselbe mit eurer Therapeutin.


 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 12:14 

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agentcooper, ich wünsche Dir so sehr mehr Vertrauen in Dich selbst, dann kannst Du auch anderen Menschen besser vertrauen.
Ich kann mich Mime nur anschließen.

Ich möchte nochmals auf Deine Bedenken mit der E-Mail zurückkommen.
Ich habe die E-Mail-Adresse meiner Therapeutin. Als ich mich 1 Woche lang wegen einer Sache verrückt gemacht habe, hat sie mich gefragt, warum ich Ihr keine Mail geschrieben hätte. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen! Meine Therapeutin ist kompetent genug (und Deine auch!), um zu entscheiden, wann sie eine Mail oder SMS liest und wann sie antwortet. Das ist der Verantwortungsbereich Deiner Therapeutin und nicht Deiner. Von daher kannst Du schreiben. Wenn es ihr zuviel werden sollte, würde sie mit Dir zusammen nach einer Lösung suchen.

Kannst Du noch Deinen Termin nächste Woche reaktivieren?
Ich denke, Du solltest Dich nicht unnötig lange mit Deinen Gedanken zu diesem Thema alleine beschäftigen.
Du kannst bei dem Termin ja dann anstatt zu sprechen, erstmal Deiner Therapeutin das geschriebene geben (falls Du es ihr nicht schon vorher zusendest).

Ich wünsche Dir alles Gute,
Suchende


 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 12:24 

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Hallo Suchende(2), danke für deine Wünsche und deine Beiträge. Ich weiß, das zu schätzen!

Ich habe gestern ja erst eine SMS kurz nach dem Termin geschrieben (und es wurde geantwortet), deswegen weiß ich nicht genau, wie ich klug vorgehen soll, ohne sie zu nerven. Ich habe mich auch da schon dafür entschuldigt, mich erneut außerhalb der Sitzung gemeldet zu haben. Darauf ist sie nicht eingegangen.
Wenn ich ihr vorab meine etwas längeren Notizen/Gedanken schicken wollen würde, bräuchte ich erstmal ihre Mail-Adresse, die ich aber über SMS erfragen müsste. :oops:
Eine SMS müsste ich jedoch anderseits ohnehin auch schreiben, wenn ich den Termin reaktivieren wollen würde. :?


Zuletzt geändert von agentcooper am 15. Jul 2021, 12:35, insgesamt 1-mal geändert.

 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 12:35 

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Hallo agentcooper,

ein anderer Gedanke wäre, ggf. einen Telefonkontakt herzustellen, um den Termin zu reaktivieren (vielleicht hat sie Bürozeiten oder einen Anrufbeantworter, auf den du sprechen könntest). Wenn du nicht nach einer E-Mailadresse fragen möchtest und die eine Möglichkeit hast, deine Gedankengänge auszudrucken: Briefumschlag, Praxisadresse und 80 cent-Briefmarke drauf, dann ginge es auch ganz analog per Post ;).

Zu deinem anderen Post schreibe ich gleich noch etwas gesondert.

VG Mime

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BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 12:37 
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Hallo agentcooper,

mich treibt beim Mitlesen gerade ein bisschen die Sorge um, dass sich Ihre Thematik durch das längerfristige Diskutieren darüber hier im Diskussionsforum "verschlimmbessert". Vielleicht hilft Ihnen der Gedanke, dass fast jeder Mitmensch ganz verschiedene Rollen hat: beruflich, familiär, privat... Und dann würde ich einen gedanklichen Schlussstrich empfehlen.

Beste Grüße
Anne Blume


 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 12:59 

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Das heißt, ich sollte besser doch nicht schreiben?

Da sie auch nicht auf meine vorherige Entschuldigung eingegangen ist, dass ich mich erneut melde, denke ich, dass sie das nicht will.


 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 13:05 

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Teil 2 meiner Antwort:

Hallo agentcooper,

aus der ersten Antwort lese ich u. a. Selbstvorwürfe heraus wegen der App usw. Auch wenn ich diese Apps nicht weiter kenne bzw. nutze: Es ist doch nichts Verwerfliches daran, etwas auszuprobieren, und wenn man feststellt, dass es für einen nicht das Richtige ist, sich wieder abzumelden.

Was die Person deiner Therapeutin betrifft: Nun, es ist ein Unterschied, ob sie als Privatmensch agiert oder in ihrem Beruf als Therapeutin. Wenn es eine Plattform ist, die wenig Erfolg und wertschätzenden Umgang verspricht (das tun solche Apps aber wohl nie), dann ist es vielleicht nicht passend für dich.
Über die Beweggründe deiner Therapeutin kannst du ohne gesicherte Info von ihr nur spekulieren - da wäre ich vorsichtig oder gedanklich kreativ: Vielleicht hat sie sich ja nur angemeldet, um mal festzustellen, wie solche Apps funktionieren (klar, das hätte sie dann auch unter einem Fake-Profil tun können usw); vielleicht ist sie auf Partnersuche, vielleicht tut sie es einer Freundin zuliebe usw. usw.

Ich kann nachvollziehen, dass sich deine Sicht auf sie als Person geändert hat. Dennoch: auch wenn wir uns in unserer erkrankten Situation oftmals nicht liebenswert und minderwertig vorkommen, würde ich versuchen, die Gedanken wegzuschieben, ob sie dich mit einem Wisch aussortiert hätte oder nicht. Das ist und bleibt ihre Privatsache.

Wir machen uns immer Gedanken, wie wir auf andere Personen wirken, auch auf unsere Behandler. Man möchte (unterbewusst) oftmals aktzeptiert, gemocht werden von unserem Gegenüber und (das ist menschlich) dass er/sie keine schlechte Meinung von uns hat.

Vielleicht spielt das aktuell alles ein bisschen zusammen. Lange Rede, kurzer Sinn: ich verstehe ein bisschen das Durcheinander in dir (würde mir ähnlich gehen).

Dass du den Eindruck bekommen hast, dass sie dich gar nicht richtig versteht, ist schade. Andererseits kann es sein, dass deine Therapeutin genauso überrascht war wie du, dass du sie gesehen hast, und dass sie auf den "professionellen Modus" umgeschwenkt ist - nicht alles so an sich heranzulassen (und erst mal mit der Supervision sprechen, wie man damit am besten umgeht).
Ich denke, sie wird nach und nach schon verstehen, dass sich durch dieses Erlebnis deine Denkrichtung etwas geändert hat (dass du sie u. U. etwas anders siehst als zuvor), weil du ihr es erklärt hast. Dass sie sich für deine Offenheit bedankt, bedeutet doch, dass sie es wertschätzt, dass du ihr alles berichtet hast, so gut es eben ging.
Dass sie die gleiche Person ist wie zuvor: da muss ich ihr auch recht geben. Manchmal passiert es, dass wir unsere Behandler auf eine Art "Sockel" stellen und dann feststellen müssen, dass sie eigentlich genauso ein Mensch sind wie du und ich (ebenfalls mit Sorgen, Ängsten, Bedürfnissen usw.).

Ich würde dir vorschlagen, etwas Zeit vergehen zu lassen und zu schauen, was das nächste Gespräch an Erkenntnissen bringt.
Wenn von ihr aus die Therapie weitergehen könnte, du aber weiter und stärker werdend das Gefühl hast, bei der Weiterarbeit mit ihr gehemmt zu sein, würde ich das auf jeden Fall kommunizieren und mit ihr eine Lösung suchen (ggf. bei einem Kollegen die Therapie weitermachen).

Es gibt ja auch Fälle (damit meine ich nicht dich, sondern nur ganz allgemein gesprochen), in denen Patienten gegenüber ihren Behandlern Gefühle entwickeln (z. B. Verliebtheit, Hass, dauerhaftes Misstrauen usw.) - oder umgekehrt - bei denen es besser oder verpflichtend ist, die Therapie zu beenden.

Wenn es wirklich zum Bruch kommen sollte, kann man auch das therapeutisch vorbereiten und einen für beide Seiten würdigen Abschluss zu kommen.

Was ich damit sagen möchte: Noch ist nichts entschieden oder gar verloren - und wenn der "worst case" eintreffen sollte, dass ihr die Behandlung vorzeitig beendet, ist das von außen betrachtet kein Weltuntergang: das kann passieren (auch wenn für einen selbst, wenn man betroffen ist, erst mal alles zusammenbricht, man durcheinander und ratlos ist). Die Zeit hilft, alles in geordnete Bahnen zu bringen, und am besten, in dem man miteinander in Kommunikation bleibt.

Wie gesagt: Ich wünsche dir, dass du dir keine Vorwürfe machst, für das, was geschehen ist und dass du deinen Weg aus dem Durcheinander momentan findest. Ich kann nur wiederholen, dass ich es toll und richtig finde, dass du mit ihr offen gesprochen hast - das ist unglaublich stark!

VG Mime

P.S. Hallo Frau Blume, Sie bringen es einfach besser auf den Punkt als ich (mit den Rollen ;))

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BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 13:12 

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Hallo agentcooper,

mein Post hat sich mit dem von Frau Blume überschnitten.

Nun, es geht wahrscheinlich vor allem darum, dass du nicht tiefer ins Grübeln gerätst mit allem, daher wohl der Gedanke, dass man sich damit anfreunden könnte zu verinnerlichen, dass alle Menschen mehrere Seiten in sich haben (und dass man privat vielleicht anders ist als beruflich - so interpretiere ich das).

Mein abschließender Gedanke wäre: Schlaf vielleicht nochmal eine Nacht drüber und lenke deine Aufmerksamkeit mal auf etwas Schönes, etwas, was dich positiv abklenkt. Wenn du merkst, dass du deine Gedanken immer noch der Therapeutin zukommen lassen möchtest, könntest du ihr deine Zeilen per Post schicken. Und dann kannst du vielleicht gedanklich einen "Haken daran machen" bis zum nächsten Gespräch mit der Therapeutin.

Schau, was dir gut tut und hilft.
VG Mime

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BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 13:41 

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Hallo mime,

danke für deine ausführliche Antwort.

Was ich halt in der Tat feststelle ist, dass mir genau dieser Rollenunterschied "privat - beruflich" jetzt eben schwer fällt. Ich kann mir das natürlich denken, dass jeder Mensch andere Seiten und Rollen hat. Das ist ja auch ganz normal und das werfe ich auch niemanden vor. Allerdings finde ich es schwer, nun solche gewissen Details unfreiwillig zu wissen. Ich kann das nicht mehr auseinander halten.

Und ja, ich grübel zu viel darüber. Es geht mir schlecht dadurch.

Per Post und Telefon ist das bei ihr schwierig, sie hat keine eigene Praxis. Einzige Kontaktaufnahme ginge über SMS. Ich bin mir immer noch unsicher, was das angeht. Einerseits habe ich das Bedürfnis danach, evtl. hilft es ein wenig. Andererseits ist da einfach nach wie vor die große Angst vor Unverständnis und dass ich sie damit nerve. Obwohl es ja wie angesprochen ihre Entscheidung ist, was zu lesen und was nicht.


 
 
BeitragVerfasst: 15. Jul 2021, 14:26 

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Hallo agentcooper,

ich kann verstehen, dass das Auseinanderhalten für dich schwierig ist, vielleicht ist es aber auch eine Chance zu erkennen, dass jeder Mensch vielschichtig ist.

Wann hast du denn den nächsten regulären Termin, wenn du für nächste Woche abgesagt hast? Du könntest deine schriftlich fixierten Gedanken auch einfach zum nächsten Termin mitnehmen. Ich habe meinen Behandlern öfter mal was zu lesen gegeben, wenn ich mündlich zu formulieren nicht in der Lage war.

Damit könntest evtl. ein bisschen gedanklich abschließen mit dem Thema, müsstest sie aber auch nicht per sms kontaktieren, wenn du befürchtest, sie zu nerven damit.

Das Geschehene ist jetzt so, wie es ist. Vielleicht gibst du dem Ganzen ein bisschen Zeit und Ruhe; manchmal lassen sich aus solchen Geschehnissen auch Erkenntnisse über sich selbst erschließen (und die kommen manchmal erst mit Abstand, manchmal auch nicht, das ist dann auch OK oder auch erst viel später in deinem weiteren Therapieoprozess).

Was könnte dir denn jetzt helfen, gedanklich ein bisschen Abstand zu bekommen? Mir hilft gegen Grübeln manchmal Bewegung, manchmal auch kreativ tätig zu werden, oder mich ganz schnöde vor den TV zu setzen, ein YouTube-Video zu schauen (vielleicht gibt es ja ein Interessengebiet von dir, es gibt ja auch praktische Anleitungen oder Sachinfos zu bestimmten Themen) und dergleichen. Vielleicht gibt es auch jemand, den du treffen kannst, um dich mit ihm zum Spaziergang zu treffen (ich habe auch nicht viele Gelegenheiten, aber ab und zu schon). Mir hilft es manchmal auch, Lebendiges zu beobachten: ein Hund, der mir begegnet, ein Vogel im Grünen - irgendetwas, das mich vom Grübeln ablenkt, weil ich meine Aufmerksamkeit darauf lenke.

Ich wünsche dir, dass du gedanklich ein bisschen zur Ruhe kommst und etwas Geduld mit allem und evtl. auch etwas dir selbst (wir möchten oft alles schnell geklärt haben, doch manches braucht eben ein bisschen Zeit ).

VG Mime

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BeitragVerfasst: 16. Jul 2021, 23:13 

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Hallo agentcooper,

für die schwierigsten Themen hilft nur - eine schlichte, einfache Vorgehensweise.

Und die lautet nun mal: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.

In Deinem Fall besteht das Tun darin, Deiner Therapeutin "reinen Wein" einzuschenken - egal, ob mit einer SMS, in einem Gespräch (das allerdings baldmöglichst stattfinden sollte) oder, weil Du ihre eMail-Adresse nicht kennst, mit einem Brief, den Du entweder von der Post zuschickst oder, wenn möglich, ihr in den Briefkasten einwirfst.

Ich verstehe Deine Gedanken, die Du hier beschrieben hast, nur das Hin- und Her-Wälzen dieses Problems von der linken in die rechte Gehirnhälfte und zurück (als Grübeln bezeichnet), das hilft nicht, sondern steigert im Zweifel nur Deine Ängste. Und von denen hast Du schon viel mehr als Dir gut tut.

Wage den Schritt heraus aus Deinen Grübeleien, rede mit ihr darüber und entscheide auf Grund dessen, wie sie reagiert, ob Du Deine Therapie bei ihr und mit ihr weitermachen kannst.

LG, Strohi


 
 
BeitragVerfasst: 16. Jul 2021, 23:21 

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P.S.: Die Welt stürzt nicht ein, egal ob Deine Therapeutin auf einer Dating-App unterwegs ist oder ob Du auf einer Dating-App unterwegs bist.
Es könnte ja auch sein, dass dies für Dich und für Deine Therapeutin eine neue Basis, ein neues Fundament für die Therapie wird.
Eine offene und ehrliche Aussprache reisst Dir den Kopf nicht ab, reisst der Therapeutin den Kopf nicht ab, sondern könnte Dir helfen, zu lernen, für Dich und Deine Interessen einzustehen. Es wäre ein Weg heraus, heraus nicht nur aus den die Angst verstärkenden Grübeleien, heraus aus Deiner Situation, aus Deiner Depression.


 
 
BeitragVerfasst: 17. Jul 2021, 11:20 

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Vielen Dank noch einmal für eure Beiträge.

Ich habe die letzten Tage viel aufgeschrieben, ca. 4 Seiten (teilweise aber in Stichpunkten).

Da ich ihr erst kurz nach dem Termin eine SMS geschrieben habe und ihre Antwort so kurz war, ist es evtl. besser, nicht zu schreiben. Das will sie doch bestimmt gar nicht und ich will ihr nicht zur Last fallen.

Also nehme ich den Text wohl einfach mit zum Termin. Ich habe zurzeit einfach sehr große Angst vor den Konsequenzen. Was denkt sie über mich, muss sie mich abgeben, etc.
Vielleicht kann sie den Text dann im Nachgang im Detail lesen, wenn sie will. Es wäre mir schon wichtig, dass sie das liest, um mich besser zu verstehen.

Ich habe starke Schuldgefühle, weil ich derzeit so viel Arbeit bin und es ja auch so persönlich wird bisweilen, da ich mich viel auf Sie beziehe.


 
 
BeitragVerfasst: 19. Jul 2021, 18:08 

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Vielen Dank noch einmal für eure Antworten hier, ich weiß jede einzelne zu schätzen!

Ich habe noch einiges am WE aufgeschrieben und reflektiert - und auch überlegt, woher diese Gefühle kommen können (Spoiler: aus der Vergangenheit).

Inzwischen habe ich die Mail verschickt.


 
 
BeitragVerfasst: 19. Jul 2021, 22:53 

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Hallo agentcooper,

das finde ich cool, dass du über deinen Schatten gesprungen bist und ihr nochmal geschrieben hast! Voll mutig!
Da kann sie ja jetzt auch nichts dagegen haben, dass du ihr schreibst, wenn sie dir die Mailadresse gegeben hat. Bin gespannt, was bei eurem Gespräch rauskommt.

Liebe Grüße und weiterhin viel Mut!
DieNeue


 
 
BeitragVerfasst: 5. Aug 2021, 16:43 

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Hallo Agentcooper,

mir fällt auf, daß Du häufig denkst Du könntest die Therapeutin nerven. Die Frau erbringt eine Dienstleistung und du bist quasi der "Kunde" sprich Patient. Mach Dir doch nicht so viele Gedanken. Frag sie klar heraus wie Du Dich an sie wenden kannst, wenn außerhalb der Therapie etwas ist oder ob sie das nicht leisten kann. Mit den Dating Apps ist das so eine Sache. Man findet evtl. nicht das Niveau was man sich vorstellt und bleibt dann bei einer bescheidenen App. Ich würde mich bei der App abmelden, weil ich keine Lust hätte mit der Frau gemeinsam angemeldet zu sein. Da wäre mir meine Privatsphäre wichtiger. Ich denke Du hast keine wirklich "schlimmen" Details aus ihrem Leben erfahren, oder?
Alles Gute!


 
 
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