Notfallnummern
 

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BeitragVerfasst: 10. Aug 2021, 20:12 

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Hallo liebes Forum,

ich hoffe hier ein bisschen Rat und Erfahrungen zu finden, aber auch einfach ein bisschen meine Erfahrung von der Seele schreiben zu dürfen.

Ich war seit 6 Jahren bei einem Verhaltenstherapeuten in Therapie. Er hat letzte Woche die Therapie beendet mit der Aussage er habe festgestellt, dass ich wohl Psychoanalyse bräuchte (war in der VT) und ich bin einfach ratlos und vor den Kopf gestoßen.

Er hat mich 6 Jahre behandelt und ist dabei immer sehr am konkreten Konflikt geblieben und hat immer wieder versucht mit mir Lösungen zu finden, allerdings hatte ich immer das Gefühl, dass die tieferliegenden Probleme dadurch außen vor bleiben. Das habe ich auch immer wieder angesprochen.
Leider klappte es einfach nicht da heran zu kommen, weil er dann immer wieder auf die Sachebene ging.

In der Therapie lief ich einigermaßen stabil, habe eine Familie gegründet, gearbeitet und wir kaufen gerade ein Haus. Nun kam aber durch den lockdown letztes Jahr und die Mehrbelastung durch diverse Schicksalsschläge (Todesfall, Unfall, große Themen auf der Arbeit) ein Zusammenbruch inkl Arbeitsunfähigkeit und ich bat ihn um Hilfe und er beendete daraufhin den Prozess. Er hat mir eben die Rückmeldung gegeben dass er meint ich brauche wohl eine andere Therapieform und mir im nächsten Quartal einen Abschlusstermin gegeben. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich vor den Kopf gestoßen:

- wie kann man das in 6 Jahren nicht merken?
- gibt es dabei keine Verantwortung oder gemeinsame Planung wie es weiter geht?
-wie kann ich damit umgehen? Kann ich meinen Akte bekommen, um zu verstehen wie er nach so langer Zeit plötzlich auf so eine Idee kommt?

Lieben Dank fürs lesen und viele Grüsse


 
 
BeitragVerfasst: 10. Aug 2021, 20:54 

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Hallo Frau Tagträumerin,

wie man das 6 Jahre nicht merken kann, dass verstehe ich auch nicht.

Klar seine Empfehlung Du bräuchtest eine Psychoanalyse ist wichtig, doch bist auch Du der Meinung, Du bräuchtest eine Psychoanalyse? Tiefenpsychologische Therapie oder Systemische Therapie wären ja auch noch möglich.

Eigentlich hat der Behandler Verantwortung. Er sollte mit Dir besprechen wie es weitergeht und evtl. eine Empfehlung aussprechen (ok hat er gemacht), evtl. auch einen Kollegen nennen, an den Du Dich wenden kannst.

Er sollte Dir einen Abschluss der Therapie und einen Abschied ermöglichen und sicher stellen, dass Du auch in Zukunft Hilfe erhälst und Du hast ein Recht auf Akteneinsicht in Deine Akte bei ihm (siehe Wikipedia Akteneinsicht in die Patientenakte, dass gilt auch für Psychotherapeutenakten).
Vielleicht könnt ihr alles besprechen und er erklärt Dir, wie er zu der Einsicht gekommen ist, bevor ihr auseinander geht, so dass die Akteneinsicht gar nicht nötig ist.

Mir ist so etwas auch passieren, allerdings nicht nach 6 Jahren, sondern nach 1,5 Jahren VT. Die Bezeichnung war auch nicht gut, da ich mich sehr alleine gelassen fühlte weil die Therapeutin ständig ausfiel. Ein Abschlussgespräch fand nie statt. Eine Nachfolger(in) wurde nicht genannt - den Namen hatte sie vergessen, konnte sich nicht erinnern. Ich sollte Tiefenpsychologische Therapie machen, obwohl ich nicht über meine Kindheit spreche, da dies meine Symptome verstärkt und wenn die Therapeutin dann ständig ausfällt und nicht erreichbar ist... Tiefenpsychologie wohl aus formalen Gründen, weil es einfacher ist durch einen Verfahrenswechsel weitere Stunden bei der KK genehmigt zu bekommen.

Ich habe mich um das "Pausieren" der VT bei der KK bemüht (eigentlich Aufgabe der Therapeutin dazu Stellung zu beziehen, Abmeldung der Therapie bei der KK? Wann?), einen neuen Therapeuten gefunden und die Reststunden auf ihn übertragen lassen und mache nun meine VT weiter.
Die Empfehlung des Therapeuten ist schon wichtig, ebenso wichtig ist aber auch was Du möchtest!

LG Gartenkobold


 
 
BeitragVerfasst: 10. Aug 2021, 22:42 

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Hallo und vielen lieben Dank für deine Antwort. Ich bin mir auch total unsicher ob das wirklich hilfreich ist... Ich kämpfe schon Jahre mit Depressionen und habe immer wieder Krisen die richtig abrutschen und das eben häufig, weil ich mir zu viel vornehme bzw einfach zu viel los ist.

Wie genau hast Du das mit der Kasse denn gemacht? Einfach nur angerufen?
Ich habe sie um eine Leistungsübersicht gebeten, um auch einmal den Überblick zu bekommen, ob da alles okay ist, weil es mir sehr unwohl wurde bezüglich der Abrechnung von Sitzungen...
Weil ich häufig eine sehr große Zeitspanne zwischen den Sitzungen hatte und jetzt wirklich den Abschluss erst im Oktober hätte...

Das finde ich in der Krise schon lang... Und ich hatte auch schon echt seltsame absagen zB dass sein Computersystem ausgefallen sei und deshalb müsse ein Techniker kommen und das ginge nur an meinem Termin oder dass er halt Gruppensuoervision habe und weil das durch Corona ausgefallen sei, habe er jetzt quasi keinerlei freie Zeitfenster mehr für die Monate...

Ja das ist einerseits nachvollziehbar, aber andererseits schlichtweg nicht mein Problem... Und ich hab mich schon fast in einer Rollenumkehr gefühlt...


 
 
BeitragVerfasst: 11. Aug 2021, 08:21 

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Hallo Frau Tagträumerin,

wenn eine Störung vorliegt, dann sollte die Therapie besonders in der Anfangsphase wöchentlich erfolgen, da sie so wirkungsvoll ist.
Das habe ich in 5 Jahren nie erlebt. Es gab immer 4-6 Wochen Abstand zwischen den Sitzungen und die Therapie ist gar nicht in den Prozess gekommen.
Ein Therapeut muss in Krisen erreichbar sein, dass schreibt die Berufsordnung so vor. Auch das habe ich in den letzten Jahren so gut wie nie erlebt.
Klar muss er sich nicht sofort melden, wenn Du um Hilfe bittest, aber innerhalb absehbarer Zeit schon. Was man darunter versteht, keine Ahnung... Mir hätte es gereicht innerhalb einer Woche eine Rückmeldung (SMS, kurze Mail, WhatsApp, Anruf) zu erhalten und wenn es nur gewesen wäre "Tut mir leid, ich bin selber krank, bitte arbeiten Sie ihren Notfallplan ab". Leider hatte ich bis zu vier Wochen keine Rückmeldung und bin daran verzweifelt. Einen Notfallplan haben wir nie erarbeitet, andere Ansprechpartner gab es nicht, bzw. habe ich mir diese dann gesucht als ich festgestellt habe, dass mit der Therapeutin nicht zu rechnen ist (Hausärztin, Psychiaterin). Wenn Du es alleine schaffst spanne Dir ein Sicherheitsnetz aus Freunden, Familie und an letzter Stelle auch professionelle Helfer.

Mit der Stundenübertragung...Wenn eine Therapie nicht mehr in Anspruch genommen wird, darf die KK die verbleibenden Stunden 6 Monate später ersatzlos streichen. Eigentlich ist es Aufgabe des Therapeuten so etwas zu wissen und danach zu handeln...
Bei "meiner" Therapeutin war erst mal 1/2 Jahr Funkstille, ohne dass ein Nachfolger genannt wurde, ohne Abschluss ohne jedwede Versorgung. In diesem 1/2 Jahr habe ich ihr Emails geschrieben, weil eine andere Art der Kontaktaufnahme nicht möglich war. Sie hat wegen Corona dann auch nicht mehr gearbeitet, auch zwischen den beiden LD nicht...
Auf diese Mails hat sie auch erst mal nicht reagiert. Zu den gesetzlichen Dingen bezüglich PT habe ich mich dann über die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) beraten lassen. Die rieten mir vor Ablauf des halben Jahrs auf die KK zuzugehen. Das habe ich schriftlich getan und den Sachverhalt (Therapeutin kommuniziert seit ca. 6 Monaten nicht mehr, Therapie findest nicht statt, Therapiebeziehung war trotz Bemühungen auf beiden Seiten nicht möglich...) geschildert. Weitere Gespräche mit der KK fanden dann telefonisch statt und die VT wurde pausiert. Hilfe beim Finden eines neuen Therapeuten gab es seitens der KK leider auch nicht, außen "Bitte wenden Sie sich an die Terminservicestelle". Ich habe dann die KV-Listen von 3 Städten abgeklappert und mich auf Wartelisten setzen lassen, was sehr schwierig war, da alle Therapeuten voll sind. Dann habe ich gewartet und die Wartelisten-Therapeuten regelmäßig (so wie gewünscht, man möchte ja auch nicht nerven) angerufen. Die Spechstunde bei meinem jetzigen Therapeuten hatte ich genau ein Jahr nach der letzten Sitzung bei meiner alten Therapeutin - es hat 1 Jahr gedauert!
Irgendwann hat sich meine Ex.-Therapeutin dann doch noch gemeldet, auch nachdem ich ihr das ganze Prozedere per Mail geschildert habe und mir ungefähr 3 Monate (also 9 Monate nach der letzten Sitzung) später eine "Bestätigung des Therapieendes und verbleibende Reststunden" zugeschickt. Diesen "Zettel" hat der neue Therapeut noch in der Sprechstunde bei der KK eingereicht. Die Übertragung der 12 Reststunden hat 10 Tage gedauert und es können noch einmal 20 Sitzungen beantragt werden. Er ist auch bereit ein Gutachten zu verfassen.

Es gibt gute Therapeuten, die regelmäßige Sitzungen anbieten. Meine Suche hat 5 Jahre gedauert. Lange aber trotzdem. Nicht aufgeben, da geht was!!

LG Gartenkobold

PS: Trotzdem habe ich das ganze noch nicht verarbeitet und bin traurig und verletzt. Wann das vorbei ist??
Es tut einfach weh, wenn jemand dem man vertraut hat sich so verhält. Hoffentlich helfen mir positive Therapieerfahrungen um damit abzuschließen...


 
 
BeitragVerfasst: 11. Aug 2021, 08:56 

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Ja genau so geht es mir auch. Ich bin unglaublich verletzt und traurig. Er hat mir das Gefühl gegeben nicht tragbar zu sein.

Ich hatte das Glück dass eine Therapeutin, bei der ich den Platz angefragt hatte zurück rief und mir dann sagte, dass das absolut nicht normal ist und allein das hat mir schon geholfen...

Freitag habe ich einen Termin bei meiner Psychiaterin und werde dort hoffentlich überbrückend angebunden...


 
 
BeitragVerfasst: 11. Aug 2021, 10:05 

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Es scheint echt noch Therapeuten zu geben, die anders denken.

Ich traue mich z.B. auch nicht das ganze so detailliert dem anderen Therapeuten zu erzählen und denke, es lehnt mich dann als Patientin ab.

Bevor ich hier schreibe oder die Sache einem anderen Therapeuten erzähle, habe ich erst mal versucht alles mit der Therapeutin persönlich zu besprechen.
Das ging leider auch nicht (keine Zeit, keinen Termin) bzw. solche Ansprüche wie regelmäßig Therapie und Erreichbarkeit in Krisen hätte ich gar nicht zu stellen, so ihre Aussage dazu.

Allerspätestens danach hätte ich von meiner Seite aus die Therapie beenden sollen.

Das habe ich dabei gelernt. Möglichst früh sagen was mich stört, möglichst in Ich-Botschaften (ich fühle mich alleine gelassen, ich benötige Hilfe bei Krisen...immer wieder in der Luft zu hängen ist schwierig für mich...) und wenn das Problem durch ein Gespräch nicht zu lösen ist, dann gehe ich und halte nicht länger aus!

Alles Gute für Dich!

Gartenkobold


 
 
BeitragVerfasst: 11. Aug 2021, 11:25 

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Das klingt auch so, als ob es dir dann nicht mehr gut damit ging.
Ich kenne das auch. Ein massives Bedürfniss gemocht zu werden und dem gegenüber "gerecht" zu werden... Gleichzeitig ist es unglaublich schmerzhaft, wenn man das Gefühl hat, das gegenüber nimmt das für selbstverständlich und entwertet ggf noch... Also so klingt es für mich.

Ich würde jetzt immer viel früher die Reissleine ziehen...


 
 
BeitragVerfasst: 11. Aug 2021, 19:49 

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Hallo,

ich bin sprachlos! Meine bisherigen Therapeuten haben mir IMMER (!) regelmäßige Termine angeboten und waren im Krisenfall auch telefonisch zu erreichen. Leider gibt es schwarze Schafe unter den Therapeuen. Eine Möglichkeit sich zu wehren wäre die zuständige Psychotherapeutenkammer. Eine weitere Möglichkeit wäre der Ethikverein. Manche niedergelassene Psychotherapeuten mögen sich für kleine Götter halten. Das sind sie aber nicht. Und: Nieten gibt es überall!

Ich zitiere aus einem Informationsblatt der PTK Bayern:
"Psychotherapeut/innen haben sich eine Berufsordnung gegeben. Darin haben sie ihre
beruflichen Rechte und Pflichten geregelt. Diese Regeln dienen insbesondere dazu,
 das Vertrauen zwischen Patient/in und Psychotherapeut/in zu fördern,
 die Qualität der psychotherapeutischen Tätigkeit sicherzustellen,
 den Schutz der Patient/innen zu sichern,
 die Freiheit und das Ansehen des Berufs zu wahren und zu fördern. Die Psychotherapeutenkammer Bayern ist gesetzlich dafür zuständig, dass diese Regeln
eingehalten werden. Wenn Sie Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen die beruflichen
Pflichten sehen, können Sie sich an die Berufsaufsicht der PTK Bayern wenden. "

Viele Grüße, Sul


 
 
BeitragVerfasst: 12. Aug 2021, 17:06 

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hallo frau_tagtraeumerin,

das ist echt nicht normal, was dein Therapeut da macht. Zieh dir bitte nicht den Schuh an, dass das an dir persönlich liegt. Du hast x-mal gesagt, dass seine Art der Therapie dir bei deinen Problemen nicht so wirklich hilft, da sollte man als Therapeut nicht erst nach sechs Jahren drauf kommen, dass die Therapieform vielleicht nicht die richtige ist...

Liebe Grüße,
DieNeue


 
 
BeitragVerfasst: 12. Aug 2021, 17:23 

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Hallo frau_tagraeumerin,

bei meiner Krankenkasse kann man in solchen Fällen eine Beratung durch die Krankenkasse erhalten. Ist das für Dich eine Möglichkeit?

Alles Gute,
Suchende


 
 
BeitragVerfasst: 12. Aug 2021, 20:00 

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Hallo ihr lieben,

vielen lieben Dank für die Rückmeldungen. Ich habe tatsächlich noch ein Gespräch mit der Kasse und die bitte das ganze zu verschriftlichen. Werde morgen auch mit meiner Ärztin darüber sprechen und hoffe sie hat einen guten Rat.

Ich weiß gerade nicht ob ich noch Mal in Kontakt gehen sollte oder es einfach lasse, weil es sich gerade irgendwie nicht gut anfühlt... Gleichzeitig finde ich schon dass eine Rückmeldung ja fair wäre oder?
Nur ich habe Angst dass eine Reaktion kommt. :/
Ich weiß nicht ob ich damit umgehen könnte


 
 
BeitragVerfasst: 13. Aug 2021, 07:38 

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Hallo Frau Tagträumerin,

mit meiner Ex.-Therapeutin habe ich die Sache ein Stück weit besprochen, bis sie dann gar nicht mehr gearbeitet hat (sie hörte auf als ich in einer Klinik war...). Meine Sicht der Dinge habe ich ihr mitgeteilt und sie mir ihre Sicht. Es waren zwei komplett verschiedene Sichtweisen. Dabei habe ich einiges gelernt, es war aber auch sehr anstrengend. Ob es mich weiter gebracht hat und ob ich nun besser damit umgehen kann?? Ich kaue immer noch an dem Gespräch, auch noch nach einem Jahr. Für mich war es so besser, als gar nichts gesagt zu haben und einfach wortlos wegzubleiben.

LG Gartenkobold


 
 
BeitragVerfasst: 13. Aug 2021, 09:21 

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Guten Morgen Frau Tagträumerin,

ich hatte, allerdings in einer Beratungssituation, auch mal die Schwierigkeit, den Abbruch der Beratung nicht mehr besprechen zu können. Die Beraterin hat mir jede Möglichkeit genommen, meine Sicht der Dinge und auch ihre Sicht zu klären. Das hat mich mehrere Jahre wirklich start belastet und hat mich auch viel Vertrauen gekostet. Ich konnte das auch erst in meiner aktuellen Therapie mit meiner Therapeutin gut für mich abschließen.

Ich würde (und das ist nur meine Meinung) nochmals versuchen ein Abschlußgespräch zu erhalten. Es bleibt sonst so viel offen, was noch lange belasten kann.

Alles Gute für Dich.

LG
Sonnenschein


 
 
BeitragVerfasst: 17. Aug 2021, 06:43 

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Liebe Sul,

über Deinen Beitrag habe ich ein paar Tage nachgedacht... Die Therapeutin war auch die, zu der Du schon einmal etwas geschrieben hast und zwar das Du einen großen Bogen um Therapeuten machst, die detektivisch nach "Störungen", Symptomen und Problemen suchen.

Im Forum habe ich etwas recherchiert und Philosophin hat 2018 eine Beschwerde gegen ihre Therapeutin bei der zuständigen BTK eingereicht. Im Thread "Wut der Therapeutin - noch im Rahmen?" (17.5.2018) ist beschrieben, wie die Sache ablief...

Ich denke, dass mir ein solches Vorgehen nicht hilft mit der Sache abzuschließen und mich auf meine jetzige Therapie konzentrieren zu können, sondern mich an die Vergangenheit binden wird. Und die Vergangenheit ist nicht mehr zu ändern. Ich kann nur daraus lernen.

Zu einer Beziehung gehören immer zwei. Ich möchte den Anteil an Fehlern der Therapeuten/in nicht unter den Tisch fallen lassen...das war alles ganz und gar nicht ok, was da gelaufen ist...Man sollte als Patient frühzeitig sagen was einen stört am besten sofort und am besten mehrmals. Wenn sich das Problem nicht lösen lässt, dann sollte man von sich aus gehen!

Auch die Frustration und Resignation wegen der fehlenden Problemlösung und Kommunikation und Aussprache sollte man mitteilen. Vielleicht findet sich da ja noch eine Lösung: Supervision, Intervision ein beratender zweiter Therapeut/in... Je nachdem wie weit die Therapie fortgeschrittenen ist und wie wichtig sie ist, auch für den Therapeuten/in. Und wenn das alles nichts bringt ist man ein freier Mensch mit freien Entscheidungen, der auch abbrechen darf.

Danke für Deinen Beitrag, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht!

LG Gartenkobold


 
 
BeitragVerfasst: 17. Aug 2021, 22:25 

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Liebe Gartenkopold,

danke Dir für deine Rückmeldung.

Zu einer Beziehung gehören immer zwei, schreibst Du. Das sehe ich auch so. Aber in einer therapeutischen Beziehung gibt es ein Machtgefälle. Und von einem (oder einer) gutbezahlten Profi dürfen wir ein professionelles Arbeiten erwarten. Und wir dürfen erwarten, dass sich ein Therapeut Hilfe sucht, wenn er mit einer Therapie nicht mehr klarkommt.

Ich kann heute meine Bedürfnisse besser wahrnehmen und mitteilen. Ich kann mich auch wesentlich besser wehren. Ich kann auch (therapeutische) Beziehungen beenden, wenn sie mir schaden. Am Anfang meiner therapeutischen Laufbahn konnte ich dies noch nicht besonders gut. Daher habe ich mich nicht wirklich frei gefühlt. Und war vom professionellen Arbeiten des Therapeutens ein großes Stück weit abhängig.

Mich ärgert es einfach sehr, wenn Therapeuten ihre Macht missbrauchen und so unprofessionell handeln.

Viele Grüße, Sul


 
 
BeitragVerfasst: 18. Aug 2021, 06:03 

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Liebe Sul,

genauso geht es mir auch. Ich habe an den (therapeutischen) Beziehungen festgehalten, weil ich Hilfe brauchte und konnte sie nicht beenden, obwohl sie mir schadeten und besonders schlimm - mir wurde eingeredet ich wäre das Problem, zutiefst gestört und müsste mich grundlegend ändern. Nicht der Therapeut ist überfordert, holt sich keine fachlich Hilfe... Und wehren konnte ich mich nicht und habe sogar daran festhalten, lange.
Geholfen hat mir eine Traumatherapeutin in einer Klinik. Da ging es um Ressourcen und Grenzsetzung - auch gegenüber Therapeuten. Außerdem hat sie mir gesagt "Lassen Sie sich nicht verbiegen". Traumatherapie habe ich als sehr Macht-sensibl erlebt.

Mich macht das auch wütend und traurig, was in der Vergangenheit passiert ist und das es so lange dauerte bis ich einen passenden Therapeuten fand.
Starke Gefühle (Trauer, Wut) lassen mich dissozieren... Nach Dissoziationen muss ich erst mal ein paar Tage schlafen und kann nicht wirklich leben.

Deshalb keine Beschwerde bei der PTK. Nicht für die Therapeuten, sondern für mich, damit ich da ein Stück rauskomme.

Es war schlimm, doch es ist ein Stück weit vorbei. Zeit einen Schritt weiter zu gehen!

Liebe Grüße Gartenkobold


 
 
BeitragVerfasst: 20. Aug 2021, 09:15 

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Liebe Gartenkopold,

mir tut es schon gut zu wissen, dass ich Reche habe, mich wehren kann bzw. könnte. Ich würde mir den Weg über die Psychotherapeutenkammer auch gut überlegen. Und andererseits ärgert es mich immer wieder, dass einzelne "Pfuscher" weiterpfuschen können.

Ich finde mich in vielem, was Du beschreibst, wieder. Mir hat auch eine ambulante ressourcen- und körperorientierte Traumatherapie ein großes Stück weitergeholfen.

Und die Vergangenheit ist nicht veränderbar. Aber über das Heute können wir bestimmen. Und das fühlt sich gut an.

Liebe Grüße, Sul


 
 
BeitragVerfasst: 22. Aug 2021, 09:21 

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Danke für Eure Erfahrungen ihr Lieben,

ich habe tatsächlich erstmal aufgehört mich zu ärgern und zu grämen und suche aktuell nach einer neuen Therapeutin mit der es passt (habe das Gefühl es muss eine Frau sein diesmal). Mittlerweile überlege ich sogar die Therapie selbst zu zahlen weil ich dann viel schneller abbrechen würde, wenn die Qualität nicht stimmt...
Es ist als gesetzlich Versicherte auch total schwierig, einen guten Kassenplatz zu bekommen...
Daher bin ich tatsächlich am überlegen.

Wie habt ihr "die richtigen" gefunden?


 
 
BeitragVerfasst: 22. Aug 2021, 10:50 

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Ausprobieren, auch wenn es unglaublich anstrengend ist. Ich habe eine Excel-Tabelle und die KV-Liste von drei Städten durchtelefoniert. Übrig bleiben 6 Therapeuten/innen bei den ich zur Probatorik oder auf der Warteliste gelandet bin. Bei zweien warte ich noch. Bei einem bin ich jetzt. Zwei habe ich kategorisch aussortiert (zu seltene Termine...sie kommen doch alleine klar... na sicher - und Tschüß! Mache ich nie wieder!). Und über das Fachliche. Ich habe mehrere Diagnosen (auch Achse -II-Störungen) und wer gleich zu Beginn störungsspezifisch an die Sache rangegangen ist ohne mich in Schubladen zu stecken, der ist richtig = der absolute Glücksfall.
Ein Therapeut hat mich aufgrund der Komplexität der Störungen abgelehnt bzw. festgestellt daß ich kein Fall für Therapeuten in der Ausbildung bin und mich an diese nicht weiter vermittelt, was ich fachlich sehr gut finde. Er selbst hatte leider keinen Platz, hat mir aber einen Platz in einer spezialisierten Klinik vermittelt. Unter den 6 Therapeuten war genau eine, die ich als fachlich nicht so gut einschätzen würde (ärztliche Therapeutin) und dort bin ich nicht wieder hin.


 
 
BeitragVerfasst: 22. Aug 2021, 17:29 

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Hallo frau_tagraeumerin,

ich habe mir eine Excel Liste gemacht, über 50 Therapeutinnen angerufen und bei 6 ein Erstgespräch bekommen. Bei einigen stand ich auf der Warteliste.
Die 6. war es dann. Da hat alles gestimmt Bauch und Kopf.

Alles Gute,
Suchende


 
 
BeitragVerfasst: 30. Aug 2021, 16:45 

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Liebe Sul,

ich hatte gerade ein Gespräch mit meinem Therapeuten über die vergangenen Behandlungserfahrungen. Ich glaube er war, durch einen Fragebogen zu vorherigen Therapien, den ich im Vorfeld ausgefüllt habe, echt erschrocken, darüber was in der Vergangenheit passiert ist.
Es tut gut, dass das auch mal anerkannt wird. Eine Therapie bei ihm kommt einer Beschwerde vor der PTK gleich, obwohl ich das als ich den Fragebogen ausgefüllt habe noch gar nicht realisiert hatte.
In der Verarbeitung bin ich ein so Stück weiter gekommen und ja, Du hast Recht, es tut gut, sich ein Stück weit zu wehren.

LG Gartenkobold


 
 
BeitragVerfasst: 20. Sep 2021, 12:13 

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Ihr beiden, ich arbeite momentan als Selbstzahler mit einer Therapeutin zusammen. die ersten Sitzungen taten mir ganz gut und ich fühle mich mehr gesehen. Hoffentlich bleibt es so. Ich habe sie aufgrund sehr interessanter
Methodik (Schematherapeutin) ausgesucht und "überbrücke" so bis zur Klinik...


 
 
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