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 Betreff des Beitrags: Therapie, Medikamente und Alkohol...
BeitragVerfasst: 18. Aug 2021, 22:47 

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Guten Abend zusammen,

ich habe nun schon einige Sitzungen bei meiner Therapeutin hinter mir. Sie ist eigentlich sehr nett und ich glaube auch, dass sie erfahren ist.
Zu Beginn der Sitzung fragt sie meist: Was haben Sie mir heute mitgebracht?

Ja ok, dann fange ich an zu erzählen… berichte von Dingen, die ich mir vorgenommen, sie aber nicht immer konsequent erledigt habe (innerer Schweinehund)… von der Familie, die immer mehr Probleme hat: Eltern, die „alt“ werden, mit allem, was dazu gehört, Geschwister, die über ihre Verhältnisse leben, meiner einer, der allein im Leben steht, Angst vor einer festen Beziehung hat und abends lieber 1-2 Gläser Wein trinkt um besser einzuschlafen und um aus dem Grübeln herauszukommen…

Die Therapeutin zeigt sich verständnisvoll und rät, statt Wein eine „Schlaftablette“ zu nehmen. Rational gesehen nachvollziehbar. Aber so rational ist es für mich nicht. Ich habe sie gefragt, ob es ggf. sinnvoll sei, zur Suchtberatung zu gehen. Sie hält das nicht für nötig.

Nun bin ich in der Wiedereingliederung und stehe an einem Punkt, wo ich fürchte, die Kontrolle zu verlieren, weil ich mit der steigenden Arbeitsbelastung eher mehr „zum Glas“ greife, statt früh ins Bett zu gehen. Gerade war wieder so ein Tag :(
Ich habe das Gefühl, dass meine Therapeutin in mir immer noch das Potenzial sieht, auf eigene Faust „das Ruder herum zu reißen“. Vielleicht auch deswegen, weil ich meinen Job (der Hauptauslöser meiner Depression war) in absehbarer Zeit wechseln kann.

Trotzdem frage ich mich, wie ich (auch im neuen Job) bestehen kann, wenn ich schon bei der Wiedereingliederung das Gefühl habe, überfordert zu sein.
Mir ist klar, dass Alkohol nicht förderlich ist und ich möchte auch davon loskommen. Aber mir fehlen gefühlt die Mittel dazu. Da ich allein lebe, sagt mir abends niemand: Lass es mal sein. Stattdessen schenke ich mir einfach ein Glas Wein ein. Zumindest schlafe ich dann gut ein…. Kann ja nicht verkehrt sein…. (ist es natürlich doch, ich weiß es, trotzdem ändere ich nichts daran!)
Wie komme ich von dieser (gefühlt wohltuenden) Gewohnheit weg und wie kann ich mich wieder mehr auf den Tag mit all seinen Herausforderungen konzentrieren?
Und helfen etwaige "Schlaftabletten" überhaupt, um wirklich besser einzuschlafen und vor allem, auch den nächsten Tag ausgeruht und fit angehen zu können? Nicht, dass ich dann auch tagsüber total müde bin...
Außerdem habe ich null Erfahrung mit einer Suchtberatung und habe keine Vorstellung davon, ob/wie diese hilft. Und ich möchte sie ja eigentlich auch nicht aufsuchen, weil meine Therapeutin meint, es sei nicht nötig (es wäre ja auch ein Eingeständnis, dass ich die Beratung doch BRAUCHE)... Hat jemand auf dem Gebiet schon Erfahrungen gemacht?

Puh, es fällt echt schwer, mich so zu öffnen, denke aber, dass es mir am Ende nur helfen kann... Ich würde mich sehr über Ideen, Tipps und Anregungen von euch freuen :)

Danke vorab und LG

NeulandCa


 
 
BeitragVerfasst: 19. Aug 2021, 08:58 

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Hallo NeulandCa,

herzlich willkommen im Forum.

Als erstes zu Deinen Bedenken eine Suchtberatung aufzusuchen.
Was spricht dagegen? Um eine Suchtberatung aufzusuchen muß man (noch) nicht süchtig sein. Die helfen auch, wenn man sich gefährdet fühlt. Da kann man dann unter Umständen gute Tipps für den Alltag erhalten.
Ich würde sagen, nur Mut, verlieren kannst Du nichts durch ein Beratungsgespräch. Im Besten Fall erhälst Du eine Menge Klarheit.

Nun zu dem Schlafproblem.
Das kennen viele von uns.
Ich würde auf keinen Fall Schlaftabletten nehmen, da man von diesen schnell süchtig wird.
Hast Du schon mal etwas von Schlafhygiene gehört?
Hälst Du diese ein?
Ich habe es zuerst mit pflanzlichen Mitteln versucht, in Absprache mit meinen Ärzten.
Als das nicht den notwendigen Erfolg brachte, habe ich ein unterdosiertes Antidepressivum zum Schlafen verordnet bekommen.
Das hat den Vorteil, daß ich davon nicht abhängig werde und mein Gedankenkreisen besser im Griff zu halten ist.

Wenn Du keinen Wein nachkaufst, kannst Du abends irgendwann keinen mehr trinken. :-)

Was kannst Du Dir abends noch gutes zur Entspannung gönnen?
Kennst Du Entspannungstechniken?
Was tut Dir gut?
Hast Du Hobbies oder Interessen mit denen Du Dich abends beschäftigen kannst?

Alles Gute,
Suchende


 
 
BeitragVerfasst: 20. Aug 2021, 17:48 

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Hallo Suchende,

lieben Dank für Deine Zeilen :)
Zitat:
Ich würde sagen, nur Mut, verlieren kannst Du nichts durch ein Beratungsgespräch

Ich habe gestern tatsächlich mal bei der hiesigen Beratung angerufen und werde mit dem Bearbeiter demnächst ein Einzelgespräch führen (dauert leider etwas, da er erstmal im Urlaub ist). Aber es war schon ermutigend; wir haben ja schon am Telefon einiges ausgetauscht.
Zitat:
Hast Du schon mal etwas von Schlafhygiene gehört?

Ja, leider halte ich mich nicht immer an alles. Finde ich auch schwierig, denn gerade am Wochenende, wenn man unterwegs ist oder Besuch hat, klappt es mit dem pünktlich zu Bett gehen nicht.
Zitat:
Ich habe es zuerst mit pflanzlichen Mitteln versucht, in Absprache mit meinen Ärzten.

Das könnte ich beim nächsten Arzttermin mal ansprechen.
Zitat:
Wenn Du keinen Wein nachkaufst, kannst Du abends irgendwann keinen mehr trinken.

Logisch, aber es hindert mich ja niemand am Nachkaufen (da ist er wieder, der "innere Schweinehund"). Dank Internet muss man dafür ja noch nichtmal in den Supermarkt...
Zitat:
Was kannst Du Dir abends noch gutes zur Entspannung gönnen?
Kennst Du Entspannungstechniken?
Was tut Dir gut?
Hast Du Hobbies oder Interessen mit denen Du Dich abends beschäftigen kannst?

Ich lese abends oft noch etwas oder beschäftige mich mit App-Spielchen.
Entspannungstechniken: Seit 3 Wochen mache ich jeden Tag 10-15 Min Meditation, das klappt ganz gut (habe dafür auch eine App installiert, die mich die verschiedensten Techniken lehrt).
Hobbies habe ich nicht viele, aber die wenigen, die ich habe... mit denen kann ich mich lange beschäftigen :)

Also, nochmal vielen Dank für die Tipps und Wünsche :)

Würde mich sehr über weitere Beiträge von euch freuen.

LG

NeulandCa


 
 
BeitragVerfasst: 20. Aug 2021, 23:46 

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Hallo NeulandCa,

ich möchte mich meiner Vorschreiberin anschließen. Und ich finde es sehr mutig von dir, dass du dich an eine Suchtberatungsstelle gewandt hast. Auch wenn du jetzt länger auf einen Termin warten musst.

Aus einer Gewohnheit wird leicht ein richtiges Problem. Ich habe mich wesentlich leichter getan Alkohol (zu Hause und allein) ganz wegzulassen, anstatt mich immer wieder beherrschen zu müssen. Und ich habe versucht - und mache es immer noch - neue Gewohnheiten zu etablieren wie mehr Sport, Lesen, Kochen, mit Freunden etwas unternehmen. Die Meditations-Apps finde ich auch sehr gut.

Alkohol durch Schlaftabletten zu ersetzen halte ich nicht für besonders sinnvoll.

Vielleicht könntest du dir in der Therapie auch anschauen, welche Gefühle du mit Alkohol betäuben möchtest?

Alkohol mag zwar das Einschlafen fördern, aber die Schlafqualität wird durch Alkohol eher schlechter.

Viele Grüße, Sul


 
 
BeitragVerfasst: 21. Aug 2021, 12:31 

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Hallo Sul,
danke für Deine Zeilen :)

Ja ich bin froh, dass ich mich durchgerungen habe, bei der Beratungsstelle anzurufen. Bin gespannt auf den Termin.

Das mit dem Entdecken und Beibehalten neuer Gewohnheiten versuche ich auch, allerdings fällt es mir meist schwer, mich dauerhaft auf etwas Neues einzulassen. Ich habe dabei den Eindruck, dass es mich eher anstrengt, statt dass es mir gut tut bzw. Spaß macht (das ist insbesondere bei sportlichen Dingen so!).
Kochen, Lesen, mit Freunden etwas unternehmen, das klappt schon eher....

Hm, welche Gefühle ich mit Alkohol betäuben möchte? So krass würde ich es vielleicht nicht sehen.
Aber ich glaube, da ich schon tagsüber häufig die Arbeit gedanklich mit nach Hause genommen und darüber gegrübelt habe, wollte ich das einfach "aus dem Kopf" haben (und nicht die halbe Nacht wachliegen und weitergrübeln). Als ich dann krankgeschrieben war und dieser Grund wegfiel, habe ich trotzdem nicht ganz aufgehört und den Alkohol einfach weiter als "gute Einschlafhilfe" gesehen. Eigentlich komisch... aber das ist vielleicht ein Zeichen, dass eine gewisse Sucht bereits da ist.

LG

NeulandCa


 
 
BeitragVerfasst: 21. Aug 2021, 13:44 

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Hallo NeulandCa,
du scheinst den Alkohol zum Abschalten zu dir zu nehmen.
Abschalten kann man anders, mit anderen Sachen. Was würde bei dir denn gut dazu passen?
Es sind oft relativ einfache Sachen wie Spazieren, Sport, Musik, Lachen mit Freunden (oder auch ohne), kuscheln... Bei manchen ist es der Garten. Es sollte nur nicht in viel Stress oder Leistung ausarten.
Gruß


 
 
BeitragVerfasst: 23. Aug 2021, 22:14 

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Hallo Gertrud,
ja, Du hast Recht. Es ist ein gewisses Abschalten.
Vielleicht auch deshalb, weil ich mit anderen Aktivitäten nicht diesen scheinbaren "Besser-Fühlen-Effekt" erziele.
Sport powert mich aus, trotzdem bleiben die "Arbeits-Grübel-Gedanken" (auch über Nacht).
Musik ist klasse, aber nimmt mir auch nicht das Grübeln...
Spazieren gehen (vor allem bei schönem Wetter) hilft da schon eher.
Mit Freunden etwas unternehmen war ja die letzten 1 1/2 Jahre nur eingeschränkt möglich, aber auch das versuche ich wieder zu intensivieren.
Ansonsten gehe ich meinen Hobbies nach (aber auch die befreien nicht effektiv vom "Grübeln danach")
Ich weiß nicht, wie ich das besser beschreiben könnte.
Jedenfalls vielen Dank für Deine Tipps :)

LG

NeulandCa


 
 
BeitragVerfasst: 23. Aug 2021, 23:30 

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Hallo NeulandCa,
wenn du schon mitbekommst, dass und wann du so viel grübelst, bist du schon ein Stück weit gekommen.
Ich selber bin keine Meisterin, das Grübeln abzustellen und drehe mich auch sehr oft im Kreis.
Vielleicht fällt jemandem etwas ein dazu. Manche machen ja ein Stopp, oder reservieren sich Zeiten für dunkle Gedanken, damit diese nicht überhand nehmen.
Ich denke allerdings auch, dass der Alkohol das Grübeln verschärfen kann. Da kommt mir die Frage, was die bessere Alternative ist: Nur-Grübeln oder Alkohol.
Gruß Gertrud


 
 
BeitragVerfasst: 24. Aug 2021, 07:23 

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Hallo NeulandCa,

ich finde es sehr gut, daß Du bei einer Beratungsstelle angerufen hast.
Bei mir hilft das unterdosierte Mirtazapin abends gegen das Grübeln.
Das ist für mich nur eine Zwischenlösung. Auf Dauer möchte ich daß auch ohne Medikamente in den Griff bekommen.

Alles Gute,
Suchende


 
 
BeitragVerfasst: 24. Aug 2021, 22:29 

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Hallo ihr beiden,

ich habe jetzt seit gut 1 Monat ein neues Medikament verschrieben bekommen (Bupropion), so langsam scheint es zu wirken. Ich fühle mich damit schon etwas besser und vor allem tagsüber agiler.
Es stellt aber nicht das "Grübeln" ab...
@Gertrud: Interessanter Gedanke, dass Akohol das Grübeln verstärken kann. Gefühlt hilft er mir ja, einzuschlafen (ohne zu grübeln) aber ggf. verstärkt sich das Grübeln dann wieder tagsüber, wenn ich wach bin?
@Suchende: Vielleicht hilft mir Mirtazapin weiter, werde es mal beim Doc ansprechen. Aber genau wie Du hoffe ich, bald auch wieder ohne Medikamente auszukommen.

Danke euch und habt eine schöne Woche :)

LG

NeulandCa


 
 
BeitragVerfasst: 25. Aug 2021, 12:03 

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Hallo NeulandCa,
mit den Medikamenten kenne ich mich eher weniger aus.
Wie der Alkohol auf die Stimmung wirken kann, wird dir jeder bestätigen, der am Tag nach einer Feier einen kräftigen Kater hat.
Gruß Gertrud


 
 
BeitragVerfasst: 28. Aug 2021, 23:18 

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Hallo Gertrud,

einen "Kater" habe ich bisher noch nicht gehabt... aber ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist... keine Ahnung :)

Heute habe ich die Marke von 30 Meditationen (1x tgl.) geschafft (10 Minuten pro Tag klappt ganz gut).
Es hilft ein Stück, mich mit meiner Wiedereingliederung anzufreunden. Die gehe ich halbwegs gelassen an, auch wenn ich schon nach 4-5 Stunden merke, wie schwer es mir fällt, meinen "alten Rhythmus" wieder zu finden. Je nachdem, was dann am Tag passiert, bin ich danach einfach nur platt, antriebslos und erschöpft oder ich kann mich immerhin noch zu ein paar "alltäglichen Dingen" aufraffen. Schön ist beides nicht.

Ich frage mich, wie ich den "normalen Arbeitsalltag" schaffen soll, wenn ich mich schon nach 4-5 Stunden im Grenzbereich des Machbaren befinde.
Meine Therapeutin sagte dazu: gehen sie es ganz langsam an, akzeptieren sie es, einige Dinge nicht zu schaffen (vor allem, wenn diese Dinge nach dem Wechsel des Arbeitsbereichs sowieso nicht mehr relevant sind). Sagt sich so leicht...

LG

NeulandCa


 
 
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