Notfallnummern
 

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BeitragVerfasst: 27. Sep 2020, 07:37 

Registriert: 20. Sep 2020, 08:41
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Hallo,

Ich bin neu hier, aber lese schon seit einigen Tagen mit. Das hilft bereits sehr. Die Ähnlichkeiten der Beschreibungen sind verblüffend und meist flüstere ich nur "ich auch" ...
Ich bin hier, weil auch meine kleine heile Welt ganz langsam in Stücke gebrochen ist und meine mentale Stabilität aufgerieben wird.

Ich bin auch hier, weil ich für meine Erwartungen einen Realitätscheck brauche...

Mein Mann hat die Symptome einer Depression und weigert sich seit Jahren, diesen ins Gesicht zu sehen: er kann für Wochen gefühllos und aggressiv sein, dann erträgt er kaum Lärm; in letzter Zeit kam die ausschließlich negative Weltsicht dazu, er entschuldigt sich nie (da es nichts gibt, für was er sich entschuldigen müsste); er geht seit Jahren nicht mehr aus dem Haus (nur zum Einkaufen), keinen Sport, er geht super spät ins Bett und ist dann müde, dazu Rückenschmerzen und manchmal Gedächtnisprobleme. Er trägt finanziell nicht zum Haushalt bei; Hausabzahlen, Kosten für Kinder, Reparaturen, das ist alles meins; er macht in den letzten Jahren noch etwas Hausarbeit und kocht. Für sich selbst hat er angefangen nach unserem Umzug nach Deutschland wieder online zu arbeiten (da ich mich geweigert habe, weiter für seine Sachen zu bezahlen, ich habe das für 3 Jahre nach dem Umzug gemacht); das Geld bleibt aber bei ihm, da ich mehr verdiene. Er hat Gefühl von Familieneinsatz, außer Kochen, fast verloren. Wir hatten das früher.

Ich konnte am Anfang nicht sagen, was mit ihm nicht stimmte, ich dachte es könne auch Alzheimer oder eine Psychose sein.

Das Problem ist, er hat nie Hilfe in Anspruch nehmen können, denn "mit mir ist alles in Ordnung". Diese Einstellung zieht sich durch seine Familie, wo Krankheit etwas war, was Eltern bloßstellen könnte (das war halt so in Grossbrittanien der 60er Jahre). Wenn es uns, d.h mir und den Kindern also schlecht geht, wird das meistens mit seiner Einschätzung abgetan, dass das nicht stimmt und wir nicht krank sind, es sei denn, es ist Fieber oder ein gebrochener Arm. Das macht das Leben eher pragmatisch, aber ist nicht unbedingt immer schlecht. Er ist übrigens kein Arzt.

Aber er bräuchte Hilfe. Unsere Beziehung ist auf Grundeis, da ich mich innerlich von ihm loslösen musste, um stabil zu bleiben. Er lehnt jede Hilfe ab. Ich habe mit seiner Familie nie offen darüber gesprochen. Es ist für andere deutlich wahrnehmbar, mich sprechen ab und zu die Nachbarn an, und ich weiß nicht, was ich dann sagen soll. Ich hatte einen Schimmer Hoffnung, dass sich Depressionen mit Behandlung doch managen lassen würden. Ich habe ihn wirklich sehr geliebt.

Ich hatte bisher Angst vor der räumlichen Trennung, weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, die Kinder vielleicht nicht zu sehen. Vielleicht will er sich deshalb auch nicht diagnostizieren lassen. Doch sonst habe ich viele Dinge bereits im voraus regeln können, um selbständig zu bleiben.

Wie habt ihr überhaupt geschafft, dass die Depression als Problem von Eurem Partner akzeptiert wurde?

Ich bin manchmal so müde, und da mich die Streiterei so anstrengt, lasse ich es meist bleiben. Aber ich kann und will so nicht mehr ...


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: "Mit mir ist alles in Ordnung"
BeitragVerfasst: 27. Sep 2020, 08:29 

Registriert: 25. Dez 2019, 12:33
Beiträge: 189
 
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Hallo Cest_la_vie,

herzlich willkommen im Forum!!!

Du hast nach Realitätscheck gefragt. Ich möchte ein paar Denkanstöße geben.
Wenn dein Mann solange keine Hilfe in Anspruch genommen hat, warum sollte er seine Einstellung ändern? Ist ja auch sehr bequem für ihn. Aber hast du offen über deine Situation und Überlegungen gesprochen? Über die Möglichkeit einer Trennung? Was meint er dazu?
Warum hast du die Befürchtung, du könntest deine Kinder nicht mehr sehen?
Nimmst du Hilfe in Anspruch?

Viele Grüße, Sul


 
 
BeitragVerfasst: 27. Sep 2020, 21:22 

Registriert: 20. Sep 2020, 08:41
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Hallo Sul,

vielen Dank für Deine Gedanken. Es ist erst in den letzten Monate⁷n für mich klar geworden, dass die Symptome einer Depression zuzuordnen sind. Vorher wusste ich nur, dass etwas nicht stimmt.

Unsere Beziehung wurde seit Jahren monotoner und hatte etwas puppenhaftes an sich. Seine Freundlichkeit war fast mechanisch und man konnte immer mehr den Groll darunter erkennen. Es gab keine Zärtlichkeit oder Behutsankeit mehr und die physische Belastung wurde fast unerträglich für mich. Zum Schluss, musste ich ins Krankenhaus wegen Herzproblemen. Das war vor zwei Jahren. Um diese Zeit herum und sogar schon vorher, wollte ich einen Ehevertrag. Das war die Konsequenz aus vergeblichen Versuchen zu einer Eheberatung zu gehen (er blockt), gebrochenen Versprechen, sich Arbeit zu suchen, einfach mit meinen Problemen nie an der Reihe zu sein (er hat mir nur erklärt, meine Probleme wären keine). Kurz und gut, als ich damit Ernst gemacht habe (ein Vertrag oder er sucht sich Arbeit), hat er die Beziehung offiziell beendet und ich musste ihn auszahlen. Die Kinder würden gleichermaßen von uns betreut, aber wir würden vorerst zusammen leben. Es war meine kleine Hölle, aber ich bereue diesen Schritt nicht. Ich bin durch diese Phase durch und habe einen Teil meiner Freiheit zurück. Wenn ich will, muss er ausziehen, und das gibt mir Kontrolle.

Von daher scheuche ich die ganze Familie vom Sofa in den Wald am Sonntag. Aber ich bestimme nur, dass es raus, nicht wohin es geht. Meist funktioniert das.

Nur geht das nicht mit einem Arztbesuch.
Er ist wirklich krank und seine Depression vergiftet uns alle langsam. Ungeachtet von uns als Paar, brauchen die Kinder ihren Vater.

Weisst Du was ich meine? Und manchmal habe ich diesen blödsinnigen Schimmer Hoffnung, es würde sich etwas ändern wenn er zum Arzt gehen würde... Die Hoffnung stirbt halt immer zuletzt ...


 
 
BeitragVerfasst: 5. Okt 2020, 12:29 

Registriert: 20. Apr 2020, 12:28
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Hallo

Ich habe erst vor kurzem hier in diesem Fourm Hilfe gesucht bezüglich meiner depressiven Mutter und ich erhielt wirklich ausgezeichneten Rat, das Forum hier ist goldwert. Natürlich ist deine Geschicht nicht vergleichbar mit meiner, aber eines haben wir gemeinsam und zwar haben wir Menschen um uns herum, welche depressiv sind. Meine Mutter nimmt aber noch am Leben teil, dein Mann überhaupt nicht.

Als ich mir deine Geschicht durchgelesen habe, spürte ich deine Verzweiflung und deine Hilflosigkeit, du sprichst von Vergiftung und auch das kann ich so gut nachvollziehen. Dazu kommt, dass dein Partner anscheinend über Wochen gefühllos und aggressiv ist. Dein Mann tut mir wirklich leid, er führt ein Leben in Dunkeheit und lässt sich wohl nicht helfen. Selbstvertändlich ist sein Verhatlen überhaupt nicht normal und dazu kommt, dass er anscheinend arbeitslos ist. Dein Mann gehört in eine Klinik, in fachmännische Betreuung aber dies lässt er nicht zu.

Er ist der Vater deiner Kinder, der Mann, den du geheiratet hast und natürlich ist von diesem Mann überhaupt nichts mehr übrig, eigentlich ist er ein Fremder, denn in einen solchen Menschen hättest du dich schon gar nicht verlieben können.

Deine Kinder benötigen ihren Vater aber das ist nicht mehr ihr Vater, das ist eine Hülle die noch sichtbar ist aber mehr ist da nicht, drinnen ist es leer und schwarz. Wäre ich dich, würde ich mich selber in fachmännische Hände begeben, du brauchst dringend Unterstützung für deine Seele.

Du musst das nicht alleine durchstehen. Ich weiss nicht, ob ich bei ihm bleiben würde oder ob ih mich nicht trennen würde. Irgendwann kommt einfach der Tag X wo man eine Türe sieht und man weiss, dass man diese Türe ohne den Partner betreten wird. Das ist nicht mehr der Mann den du an deiner Seite hattest, er ist einem wohl mehr fremd als einem nah.

Ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass du für dich nun eine Lösung findest, so dass dein Leben weitergehne kann. Sein Leben wird sich wohl leider nicht mehr verändern.


 
 
BeitragVerfasst: 13. Okt 2020, 07:47 

Registriert: 20. Sep 2020, 08:41
Beiträge: 7
 
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Liebe Unwissend,

vielen Dank für Deine Anteilnahme, Deinen Rat und Deine Freundlichkeit. Mein Mann ist nicht so anteillos am Leben, wie es scheint. Er arbeitet manchmal (wenn auch nur online) und er kommt auch mit in den Urlaub. Er kann kochen und kommt auch mit raus.

Ich merke, wie ich mein Leben vollkommen pragmatisch ausrichten muss, um klar zu kommen. Urlaube richte ich jetzt so ein, dass noch jemand mitkommt ( z.B. mein Vater). Da gibt es schon so einen Funken Selbstachtung in ihm, wo er sich zusammenreißt und wir Dinge zusammen unternehmen können, obwohl er todmüde ist. Aber soziale Kontakte tun gut, mir übrigens auch, da ich sonst durchdrehe oder mit den Kindern abends zu Bett gehe.

Vielleicht klappt das ja auch bei Deiner Mama. Freunde (Freundeabende) oder Verwandte anschleppen, die Nachbarn zu einer schnellen Tasse Tee einladen. Ich werde da sehr erfinderisch, und es ist fast immer nett. Jedenfalls netter, als wenn sie nicht da wären.

Ich muss sehr auf meine physische und seelische Gesundheit aufpassen, ich hoffe Du passt auch auf! Bei mir, Vitamin D3 und Darmbakterien pflegen (kein Witz, ich nehme Kijimea) hilft bei mir gut, dazu Sport.

Irgendwann will ich nicht mehr, das weiß ich auch. Ich finde es nur unfair, in die Situation getrieben zu werden, wo ich über das Wohlergehen meines Mannes entscheide, wenn ich gehe. Es ist nie gesagt worden, aber das Gefühl stellt sich bei mir auch ein. Ich habe auch bereits mehrmals im Forum gelesen, dass Partner bleiben, weil sie wissen, dass der andere sonst vollkommen abstürzt. Das ist schon ein enormer psychischer Druck. Er muss also wieder laufen lernen ... Was ist mit Deiner Mama, was wirst Du tun im Alter?
Kannst Du Krankenpflege beantragen?

Ein lieben Gruss an Dich!


 
 
BeitragVerfasst: 14. Okt 2020, 07:03 

Registriert: 20. Sep 2020, 08:41
Beiträge: 7
 
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Liebe Unwissend,
noch ein kurzer Nachtrag. Mir ist aufgefallen, dass das Verhalten und die ganze Art meines Partner's sich wirklich verbessern, sobald wir in einer neuen sozialen Umgebung mit "Familie" sind. Es ist so, als ob mein Mann dann noch eine andere Rolle ausfüllen könnte, die andere in ihm sehen und erwarten. Geht das nur mir so?

Liebe Grüsse!


 
 
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