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 Betreff des Beitrags: Krankheit und Depression
BeitragVerfasst: 18. Aug 2021, 18:27 

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Hallo,

seit längerer Zeit lese ich hier im Forum mit und habe dabei vieles erfahren und dazugelernt. Bei meiner eigenen Geschichte komme ich aber nicht weiter, ich versuche mal, sie mal möglichst kurz zusammenfassen.

Vor ungefähr 17 Jahren habe ich (m, heute Mitte 40) über den Job eine etwa gleichaltrige Frau kennengelernt. Wir haben zwei Jahre lang zusammen gearbeitet und auch in der Freizeit ab und zu etwas unternommen. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, von ihr kam einmal der Ausdruck „Seelenverwandte“, der die Verbindung zwischen uns glaube ich ganz gut beschrieb.

Ihr wurde gekündigt, sie klagte dagegen und hat danach eine Ausbildung nachgeholt. In den folgenden Jahren ist der lose Kontakt recht plötzlich abgebrochen. Zu ihrer Mutter gab es noch eine Verbindung, sie lebte im Ausland bei ihrer zweiten Tochter, vor fünf Jahren hatte ich die beiden zuletzt besucht.

Die ganzen Jahre über habe ihr immer mal wieder zum Geburtstag geschrieben, meist mit nur sehr knappen Reaktionen. Bis Herbst 2019. Da fragte sie nach, wer da eigentlich gratulierte. Ab da begann wieder ein regelmäßiger Schriftwechsel, bei dem sie mir irgendwann vorgeschlagen hat, sich doch mal auf einen Kaffee zu treffen. Ziemlich zeitgleich meldete sich nach längerer Zeit auch die Mutter bei mir, sie würde kurzfristig zurück zu ihrer Tochter kommen.

In den kommenden Wochen erfuhr ich, teilweise über Andeutungen, dass es dieser Freundin gesundheitlich schlecht geht, sie einmal vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht wurde und es wohl nur um Minuten gegangen sei, die über Leben und Tod entschieden hätten. Fakt ist, sie leidet an einer chronischen und soweit ich weiß unheilbaren Krankheit, die Auswirkungen auf die Sehkraft hat, wegen der sie Anfang 2020 zur Reha musste. Ich habe ihr angeboten, sie hinzufahren und wieder abzuholen. Während ihres Aufenthalts haben wir regelmäßig geschrieben. Sie hat dort eine meiner Ansicht nach unmögliche Beurteilung einer „Psychologin“ erhalten, wegen dieser haben wir dann auch einmal telefoniert. Dass es ihr psychisch nicht gut geht, habe ich gemerkt, als sie bei einem Besuch sowohl als wir angekommen sind als auch bei der Abfahrt heftig geweint hat.

Bei der Heimfahrt hat sie sich sehr auf ihre gewohnte Umgebung und ihre beiden Katzen gefreut, die ganze Fahrt über ging es eigentlich nur darum, was sie jetzt tun müsse usw. Nach sechs Stunden Fahrt bei sehr bescheidenen Straßenverhältnisse habe ich dann ihre Einladung/Aufforderung abgelehnt, noch auf einen Kaffee mit hereinzukommen. Ab diesem Zeitpunkt war es, als ob ein Schalter umgelegt worden wären. Nichts Persönliches mehr, nur noch oberflächliches, lustige Bilder, oft ohne Kommentar. Ihre Mutter hat mir von extremen Stimmungsschwankungen erzählt, die teilweise ziemlich eskaliert sind. Jeder Vorschlag, doch mal für ein paar Minuten mit raus zu kommen oder mal nen Kaffee zu trinken wurde entweder abgelehnt oder ignoriert.

Einmal haben wir uns dann noch im Sommer 2020 gesehen. Sehr früh an einem Sonntag musste sie dringend mit ihrer Katze zum Tierarzt und ich war wohl der einzige „Fahrtüchtige“, der ihr eingefallen ist. Nach zwei Stunden habe ich sie dann mit einer eingeschläferten Katze nachhause gebracht, entsprechend schlecht war sie drauf. Ich blieb zwar noch kurz, sie saß aber nur völlig aufgelöst und weinend in der Ecke. Woran ich mich noch erinnere ist, dass sie im Wartezimmer gesagt hat, „das alles“ hätte nichts mit mir zu tun.

Kurz danach ist dann auch noch die letzte ihrer Katzen gestorben, das war nochmal ein Schlag für sie. Sie müsse sich erst an die Stille gewöhnen, und daran, dass sie jetzt für niemanden mehr verantwortlich wäre.

Persönliches erfahre ich von ihr seit über einem Jahr nichts mehr, manchmal mehrere Wochen lang überhaupt keine Nachricht. Wenn ich mal wieder für mich so weit bin, den Kontakt abbrechen zu können, kommt wieder eine kurze meist belanglose Nachricht von ihr und ich hänge gedanklich wieder voll drin.

Da es hier um Depressionen geht: Sie hat während der Reha die Empfehlung bekommen, Dinge aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Wegen der beginnenden Corona-Einschränkungen war ein Termin nicht sofort zu bekommen und das Thema für sie erledigt.

Dass ich für sie kein Therapeut sein kann, ist mir klar, dafür gäbe es Spezialisten. Aber nach der ganzen Vorgeschichte will ich den Kontakt nicht abbrechen. Nur sehe ich im Moment leider überhaupt keinen Weg, an sie heranzukommen.

Liebe Grüße


 
 
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