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 Betreff des Beitrags: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 30. Mai 2021, 20:35 

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Hallo Zusammen,
Ich bin neu hier und suche ein wenig Austausch und eure Erfahrungen.
Bereits letztes Jahr im November wurde ich von meinem Hausarzt wegen psychischer Beschwerden zwei Wochen krank geschrieben. Danach war ich hier und da mal wieder krank. Genauer betrachtet habe ich solche Tage/Phasen/Wochen/Monate bereits seitdem ich Abitur gemacht habe und auch schon während meines Studiums.

Ich fühle mich zu nichts mehr in der Lage. Aufzustehen und den Tag zu meistern ist für mich fast unmöglich. Wenn ich mich durch den Tag gequält habe dann nur mit mehreren Panikattaken und Tränenausbrüchen.

Seit November bin ich auf der Suche nach einem Psychotherapeuten, leider vergebens, das macht die Situation nicht besser.

Seit Monaten ist es noch schlimmer geworden. Nun wurde ich letzte Woche erneut für zwei Wochen „aus dem Verkehr“ gezogen und habe eine Überweisung zum Neurologen erhalten zur Diagnose und Therapie von Depressionen. Dort einen Termin zu bekommen war hier in der Stadt unmöglich. Das frühste wäre Ende des Jahres. Dank der kassenärztlichen Vereinigung habe ich nun für nächste Woche Montag einen Termin in der Nachbarstadt erhalten. Bereits Dienstag müsste ich wieder Arbeiten..

Ich habe so Angst, was erwartet mich dort? Wie soll ich einen Tag später bereits wieder arbeiten gehen??? Einfach abwarten? Nochmal zum Hausarzt?

Ich bin während der Arbeit die letzten Wochen mehrfach in Tränen ausgebrochen. Bei meinen Kollegen und meinem Chef ist längst angekommen dass mit mir „etwas nicht stimmt“...

Es sind so viele Fragen in meinem Kopf und die Krankschreibung und die „Auszeit“ von der mein Hausarzt sprach helfen mir nicht wirklich.. ich brauche definitiv Hilfe und habe Angst dass ich diese wieder nicht bekomme und mich wieder Monate lang durchkämpfe bis es gar nicht mehr geht. Ich habe so eine Angst dass ich meinen Job verliere aber viel mehr dass ich mein wahres ich nicht wiederbekomme.. meine Beziehung leidet auch schon sehr unter meiner Situation.. auch wenn mein Partner der einfühlsamste und verständnisvollste Mensch der Welt ist.. ich weiß dass ihn die Situation belastet.

Ich hoffe ihr könnt mir ein wenig die Angst nehmen. Ich weiß nicht was mich beim Neurologen oder als Nächstes erwartet und ob eine weitere Krankschreibung ohne Aussicht auf Therapie überhaupt Sinn macht?

Ich danke euch schonmal!!

Viele Grüße


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 07:59 

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Hallo Line,

ich finde es toll von Dir, dass Du Dich mit Deinen Dich quälenden Gedanken hier meldest und offen um die Hilfe bittest, die Du brauchst.

Natürlich weiss ich nicht, wie Dein Chef bzw. Dein Arbeitgeber reagiert - ich kenne ihn ja nicht. Aber beantworte Dir mal selbst - oder mir hier im Portal - die Frage, warum Du Deinen Job, Deine Arbeit verlieren solltest.
Sofern in Deinem Arbeitsumfeld bereits angekommen ist, dass - wie Du es beschrieben hast - mit Dir etwas nicht stimmt, dann könnte es für Dich ein bisschen einfacher sein; sprich Deinen Chef darauf an, im Sinne von "Sie haben ja sicher mitbekommen, dass es mir zur Zeit nicht gut, sondern schlecht geht", und sage ihm dann, dass Du deswegen in ärztlicher Behandlung bist, um die Ursache abzuklären und Möglichkeiten zu suchen, die Dir helfen, diese Situation in den Griff zu bekommen.

Ein guter Chef wird eine solche Information, die ihm zeigt, dass Du "dran" bist, dass Du diese Situation ändern möchtest, sicher schätzen, auch wenn er nicht gleich "in Jubel ausbricht".

Im Übrigen, so wie Du es geschildert hast, kann Dir eine einfache Krankschreibung, eine "Auszeit" ja auch nicht wirklich helfen. Du bist ja nicht körperlicher krank oder einfach gestresst, so dass eine Auszeit, ein Ausruhen, ein zur Ruhe kommen, nicht helfen kann; im Gegenteil, die "äusserliche" Ruhe bringt Dein "inneres" Gedankenkarusell, Deine "Endlos"-Grübelei erst so richtig in Fahrt.

Versuche in den nächsten Tagen - das Wetter soll ja gut werden - täglich ein wenig spazieren zu gehen, mach in der "gewonnenen" Zeit etwas, das Du schon länger machen wolltest, was Dir Spass, Freude und auch Ablenkung bringen könnte.
Wenn Du möchtest, kannst Du auch gerne immer einen Zettel, einen Block und einen Schreibstift bei Dir haben, um Dir Deine Gedanken - so "ungeordnet" sie Dir auch vorkommen mögen - zu notieren; Gedanken und Gefühle aufzuschreiben, kann das Hirn entlasten, weil Aufgeschriebenes nicht verloren gehen kann.
Gerne kannst Du auch - jedoch nicht (sehr viel) länger als 30 Minuten am Tag - aufschreiben, welche Fragen Du dem Neurologen stellen möchtest, was Du ihm über Dich, Deine bisherige Entwicklung, Deine Sorgen und Nöte sagen möchtest. Meine Erfahrung sagt mir, dass es Ärzte sehr schätzen, wenn man vorbereitet zu ihnen kommt.

Angst vor dem Neurologen musst Du nicht wirklich haben; ich vermute auch, dass Deine "befürchtenden" Gedanken kommen, weil dies für Dich wahrscheinlich eine neue, ungewohnte Situation ist, die ganz selbstverständlich Sorgen und Ängste auslösen. Versuche (z.B. indem Du es Dir in den nächsten Tagen selbst, entweder leise und "in Dir" oder laut, vorsagst, dass Du zu dem Arzt gehst, weil er Dir helfen möchte) Deinen "Furcht"-Gedanken etwas entgegen zu setzen, und sei es nur ein entschiedenes "Ja, ich will!".

Bei dem Gespräch mit dem Neurologen spreche dann wirklich alles an, was Dich bewegt, besorgt, was Dir Angst macht; wenn ein Gespräch nicht reicht, bitte ihn um einen zeitnahen Folgetermin.

Sollte es Dir am darauffolgenden Dienstag schlecht gehen (was ich mir ehrlich gesagt deshalb nicht so recht vorstellen kann, weil das Gespräch über Sorgen und Nöte beim Neurologen entlastet - die Gedanken kreisen nicht mehr nur in Dir, sondern sie haben eine Art Ventil gefunden, das für Entlastung sorgen kann), kannst Du immer noch bei Deinem Chef anrufen und sagen, Du müsstest nochmals zum Hausarzt, weil es Dir noch nicht sehr viel besser gehe (durch Deine Ankündigung, siehe oben:"... sprich Deinen Chef darauf an ....", wird er nicht überrascht von einer solchen Information sein).

Ich wünsche Dir Gutes und Liebes, melde Dich, wenn Dir danach ist, strohi


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 09:41 

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Hallo Strohi,

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast mir zu antworten und danke für deine Tips. Ich komme gerade von meinem Hausarzt und habe mit ihm soeben nochmal gesprochen. Er hat mir ein Medikament verschrieben welches mich ein wenig antreiben soll und mir wieder mehr Antrieb schenken soll. Natürlich soll ich das Ganze nächste Woche mit dem Neurologen nochmals besprechen. Für den Tag darauf soll ich ebenfalls nochmals vorbei schauen um dann gemeinsam zu entscheiden ob ich bereit bin am Folgetag wieder zu arbeiten und um bzu besprechen wie mein Termin verlaufen ist. Ich bin froh dass mein Hausarzt so einfühlsam mit mir umgeht und ein Auge auf mich hält.

Ich kann mein Medikament leider erst heute Mittag abholen und bin somit gezwungen heute nochmal das Haus zu verlassen. Das ist gut, dann bin ich nicht in meinen Gedanken zuhause versunken und habe eine „Aufgabe“.

Die Nacht war jedoch schlimm und ich bin sehr müde. Die Autofahrt war die Hölle ich überlege tatsächlich das Medikament Zufuß abzuholen, auch wenn ich dann insgesamt zwei Stunden unterwegs sein werde. Ich denke das würde mir gut tun. Nur leider nehme ich mir immer Dinge vor und am Ende des Tages siegt die Antriebslosigkeit.

Manchmal habe ich das Gefühl ich bin einfach faul. Ich weiß jedoch, dass ich das eben nicht bin und nie war und die Sehnsucht nach dem alten Ich ist so groß :(

Gestern hab ich es erst um 17 Uhr geschafft mir die Zähne zu putzen und mich zu duschen. Es gibtt auch Wochen da schaffe ich es nur einmal unter die Dusche. Ich bin ein junges Mädel und lasse mich immer mehr gehen. Das tut weh mir selbst dabei zuzuschauen wie ich mich und mein Leben immer mehr aufgebe.

Viele Grüße

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 10:24 

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Hallo Line,

ich bin zwar kein junges Mädel - sondern das Gegenteil davon: ein älterer Mann -, aber die Phasen kenne ich - obwohl mir meine Körperpflege immer sehr, sehr wichtig war (denn: "was sollen denn die Anderen von mir denken?", und "nur ja nicht Anderen mit Körper-/Haargeruch auf die Nerven gehen"; als Vorsitzender des Betriebsrats stand ich auch nicht eher so unscheinbar in einer Ecke, sondern war, obwohl ich das selbst nicht wollte und es mich auch genervt hat, "herausgehoben"), habe ich in der ersten Zeit, in der ich arbeitsunfähig krank zu Hause war, auch nur geduscht, wenn meine Frau mit dem Umweltamt wegen Geruchsbelästigung gedroht hat.

Das zeigt aber auch, nach meiner Erfahrung jedenfalls, dass Du nicht faul bist, sondern dass es Dir nicht gut geht, dass Dir (krankheitsbedingt) der Antrieb fehlt.

Ja, vielleicht ist es gut, Deine Medikamente zu Fuß abzuholen (das ist etwas, was ich zwar im Kopf habe, aber es noch nicht umgesetzt bringe, nämlich, dass Bewegung gut tut, hilft und wichtig ist). Vielleicht kannst Du ja eine Wegstrecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen? Oder Du findest unterwegs einen schönen Platz, wo Du kurz mal ausruhen kannst. Oder Dein Partner kann Dich mit dem Auto abholen?

Im Übrigen, weil Du von der Sehnsucht nach dem alten Ich schreibst und Du auch, in Deinem ersten Beitrag geschrieben hast, Du befürchtest, Dein wahres Ich nicht mehr zurück zu bekommen: Dein Ich wird Dir im Rahmen der Behandlung, die jetzt - abhängig von der Diagnose des Neurologen - vielleicht auf Dich zukommt, ganz sicher niemand wegnehmen; es wird in der Behandlung - sei es mit Medikamenten, sei es mit Psychotherapie, sei es in einer Reha oder einer anderen Klinik - nichts getan und nichts gemacht, was Du nicht möchtest; und selbst wenn Du alle Dir von Deinen zukünftigen Behandlern vorgeschlagenen Schritte gehst, wird das Deinen Wesenskern, Dein (wahres) Ich nicht verbiegen.
Bei diesen Behandlungen wirst Du nur dazu angeleitet, Deine Entwicklung zu betrachten und ggfs festzustellen, ob es etwas gegeben hat, dass Dein Ich krank gemacht hat (irgendwoher müssen die Symptome ja kommen).

Also, nur Mut, wenig Angst, viele Fragen stellen, die Antworten aufnehmen, über sie nachdenken und dann das machen, von dem Du meinst, dass es gut für Dich ist.

Viel Erfolg dabei, strohi

P.S. würde mich freuen, wenn wir uns ab und zu schreiben.


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 10:44 

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Hallo Line,

ich bin zwar auch schon etwas älter und arbeite schon lange nicht mehr.
Mit mir und den Profis hat es auch nie so wirklich funtkioniert.

Da du aber schreibst, 2 Stunden zu Fuß zu gehen für das Medikament: Wenn du so sportlich bist...
Solche Entfernungen regele ich manchmal so, dass ich eine Strecke mit dem Bus fahre und die andere Strecke dann zu Fuß gehe. Irgendwo hole ich mir zwischendurch etwas Stärkung für den Weg oder sitze auch mal irgendwo.
Eigentlich dürfte das von der Entfernung her auch eine prima Strecke für das Fahrrad sein. Viele, die zu oft Auto fahren, schätzen es, da auch mal auf dem Rad zu sitzen und den Fahrtwind mit der Bewegung und ohne Käfig drumrum die Welt zu fühlen. Die wirkten meistens beim Erzählen schon irgendwie belebter.

Schönen Tag und guten Fuß- oder Radweg wünsche ich.
Gertrud


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 13:22 

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Hallo zusammen,
Danke Gertrud für deine nette Nachricht.

Ich muss jetzt leider einmal meinen Frust abladen.
Mein Plan zur Apotheke zu gehen wurde leider durchkreuzt durch einen Anruf der Neurologie Praxis bei der ich nun dachte dass ich einen Termin hätte. Welchen ich am Telefon auch zusagen wollte. Nun rief man mich an dass ich einen Psychiater benötige und keinen Neurologen.
Mein Hausarzt hat mich jedoch an einen Neurologen überwiesen und auch genau das steht auf der Überweisung: „neurologische Diagnostik“

Ich habe bei mir in der Stadt nur Absagen erhalten und von vielen Neurologen genau das selbe gehört „Depressionen behandeln wir nicht“.
Genau deshalb habe ich ja den Weg über die KV gewählt. Dies war scheinbar auch nicht richtig. Was mache ich denn falsch?

Ich kann nicht mehr. Ich bin wieder nur am weinen und fühle mich so hilflos. Ich war so gut gestimmt nach dem Termin heute und euren Antworten und dachte mir wird nun endlich geholfen. Seit November nur Absagen bei Psychologen und nun das selbe Spiel bei den Neurologen.

Ich weiß so langsam nicht mehr weiter. Wird einem denn nicht geholfen?

Habt ihr eine Idee was ich nun tun soll?

Viele Grüße

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 13:55 

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Hallo Line,

soweit ich das von hier aus sehen kann, also, nachdem was Du geschrieben hast, hast Du keinen Fehler gemacht.

Die Frage ist tatsächlich, was denn Dein Hausarzt nun abgeklärt wissen möchte; wenn er tatsächlich wie Du ja geschrieben hast, "neurologische Diagnostik" angegeben hat, wusste er es nicht oder er hat einen Fehler gemacht.

"Fehler gemacht": er hätte bspw. "Verdacht auf Depression" oder Ähnliches auf die Überweisung schreiben müssen, und Dich nicht zum Neurologen, sondern zu einem Psychiater überweisen müssen.
"Er hat es vielleicht nicht gewusst": Früher (ich weiss nicht, bis wann das so war) gab es eine kombinierte Ausbildung Neurologie/Psychiatrie, diese Fachärzte mussten sich mit Beidem auseinander setzen und beschäftigen; heute sind diese Studiengänge getrennt, es gibt entweder Neurologen oder Psychiater (ich vermute, das hängt mit der Spezialisierung zusammen); wahrscheinlich ist diese Änderung "an ihm vorbei gegangen", er ist ja auch nur Mensch und hat als Hausarzt mit allen Krankheiten von A bis Z zu tun.

Also, kein Grund, dass Du an Dir zweifelst, auch kein Grund, dass Du "Böses oder Niederträchtiges" vermutest - es ist wahrscheinlich nur ein Fehler passiert.

Du kennst vielleicht den Spruch: "Nobody is perfect", der gilt hier, immer und auch überall.

Ich an Deiner Stelle würde nun das Telefon in die Hand nehmen, beim Hausarzt anrufen (oder, wenn er gut erreichbar ist, hingehen) und der Mitarbeiterin am Empfangstresen die Sache schildern und um eine Überweisung zu einem Psychiater bitten. Und vielleicht ist sie (die Mitarbeiterin dort) so nett und ruft für Dich bei einem Psychiater an, um einen baldigen Termin zu vereinbaren.

Glaub' mir, solche Fehler kommen vor, nicht nur bei Dir, bei Deinen Terminen, u. Deinen Angelegenheiten. Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren. Die einen Fehler sind gravierend, weil sie nicht mehr zu beheben sind, die anderen sind ärgerlich, aber "kein Beinbruch", sondern schnell zu korrigieren.

Also, einige Male tief durchatmen, dann schauen, wann Dein Hausarzt seine Praxis geöffnet hat und danach dort anrufen oder hingehen.

Liebe Grüsse,
Strohi

P.S.: Tief durchatmen hilft oft, vor allem, wenn man dabei das Einatmen und das Ausatmen bewusst macht, es sich bildlich vorstellt, wie die Luft ein- und wieder ausgeatmet wird, und wenn man im Körper spürt, wie sich der Brustbereich und die Bauchdecke hebt und senkt. Am Besten mehrmals tief durchatmen.


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 14:39 

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Hallo Strohi,

Wenn man seit 8 Monaten ein und ausatmet und versucht zu meditieren und Yoga zu machen damit es einem wenigstens irgendwie besser geht und immer nur hin und her geschickt wird und immer wieder abgelehnt wird, dann geht das nunmal irgendwann an die Substanz. Deshalb übernimmt mein Freund mittlerweile solche Anrufe, nun ist er aber heute in der Firma.

Für mich ist es eine Qual überhaupt aus dem Haus zu gehen. Einen Anruf zu tätigen oder überhaupt irgendwas zu tun. Wie gesagt, selbst die Körperpflege leider im Moment.

Es macht meine Situation nunmal nicht leichter, aber so wie es aussieht muss ich nun in den sauren Apfel beißen und morgen wieder zu meinem Hausarzt der mir heute schon gesagt hatte, dass er momentan total ausgebucht sei (was unteranderem daran liegt, dass in der Praxis auch corona Impfungen stattfinden)

Ich überlege manchmal tatsächlich mich beim psychiatrischen Notdienst zu melden, bei mir in der Stadt gibt es dort eine Notfallambulanz. Doch ich denke immer „Ich bin kein Notfall“ denn zu Suizidgedanken ist es zum Glück bisher nie gekommen. Außerdem ist die Angst zu groß was dann passiert.

Danke für den Austausch. Das fängt mich wirklich etwas auf. Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Viele Grüße

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 14:52 

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Hallo Line,

das ist ja nicht so gut gelaufen.

ich sehe das mit den Neurologen und Psychiatern etwas anders, weil ich in den Praxen immer sehe, dass die Fachärzte beide Fachrichtungen können. Von daher ist es oft wurscht, was auf der Überweisung steht.
Vielleicht kannst du es ja so sehen, dass aufgrund des Anrufes dir ein unnötiger Weg erspart wurde, der zum "falschen" Arzt.

Kannst du oder dein Freund den Hausarzt per Mail oder Kontaktformular der Homepage erreichen, oder dein Freund in der Praxis einen Brief einwerfen? Ich denke, wir sind noch im dritten Quartal und die richtige Überweisung kann man auch auf diesem Weg bekommen. Vielleicht schicken sie die per Post zu.

Ich weiß ja nicht, wo du wohnst. Vielleicht wäre der Weg in eine Ambulanz einer Klinik nicht so verkehrt. Bei mir ist das fast um die Ecke, und ich habe das auch schon genutzt. Da behalten wollen sie die Leute heute nicht mehr so schnell wie früher. Vielleicht wäre für dich allerdings ein geplanter stationärer oder teilstationärer Aufenthalt nicht das schlechteste.

Man sieht, dir fällt alles sehr schwer, und da ist Corona nochmal umso blöder.

Gruß Gertrud


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 15:04 

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Hallo Gertrud,

Danke für deine Nachricht.
Ich hatte nach dem Telefonat auch das Gefühl dass ich nicht gerne in diese Praxis gegangen wäre, die Frau am Telefon war wirklich sehr unfreundlich.
Ich weiß ja selbst nicht was los ist mit mir, oder welche Schritte ich zu gehen habe und habe nur das vorgelesen was auf der Überweisung steht und einen Neurologen aufgesucht, so wie mein Hausarzt es gesagt hat. Dann wirklich sehr unfreundlich gesagt zu bekommen „Also Depressionen und Neurologie das kann nicht sein sie brauchen einen Psychiater, bitte denken sie dran den Termin im KV Portal abzusagen“ .. naja ich weiß nicht.

Die Neurologen in meiner Stadt haben mir/meinem Freund wenigstens Adressen genannt oder uns an Kollegen verwiesen.

Ich werde morgen nochmal dort vorsprechen oder anrufen.
Über die Website meines Hausarztes kann man leider nur Termine vereinbaren eine E-Mail Adresse gibt es nicht. Werde einfach direkt darum bitten dass ich die Ärztin am Telefon sprechen kann. So kann ich die Überweisung vielleicht wenigstens einfach nur abholen.

Was passiert denn in solch einer Klinik? Wird einem dort denn dann für eine weitere Behandlung geholfen? Ich meine ich habe ja nichtmal eine Diagnose. Langsam hab ich das Gefühl ich bin verrückt. Ich möchte ja auch nicht zur Last fallen oder jemanden den Platz „wegnehmen“ der ihn vielleicht noch eher braucht als ich.

Viele Grüße

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 15:04 

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Hallo Gertrud,

Danke für deine Nachricht.
Ich hatte nach dem Telefonat auch das Gefühl dass ich nicht gerne in diese Praxis gegangen wäre, die Frau am Telefon war wirklich sehr unfreundlich.
Ich weiß ja selbst nicht was los ist mit mir, oder welche Schritte ich zu gehen habe und habe nur das vorgelesen was auf der Überweisung steht und einen Neurologen aufgesucht, so wie mein Hausarzt es gesagt hat. Dann wirklich sehr unfreundlich gesagt zu bekommen „Also Depressionen und Neurologie das kann nicht sein sie brauchen einen Psychiater, bitte denken sie dran den Termin im KV Portal abzusagen“ .. naja ich weiß nicht.

Die Neurologen in meiner Stadt haben mir/meinem Freund wenigstens Adressen genannt oder uns an Kollegen verwiesen.

Ich werde morgen nochmal dort vorsprechen oder anrufen.
Über die Website meines Hausarztes kann man leider nur Termine vereinbaren eine E-Mail Adresse gibt es nicht. Werde einfach direkt darum bitten dass ich die Ärztin am Telefon sprechen kann. So kann ich die Überweisung vielleicht wenigstens einfach nur abholen.

Was passiert denn in solch einer Klinik? Wird einem dort denn dann für eine weitere Behandlung geholfen? Ich meine ich habe ja nichtmal eine Diagnose. Langsam hab ich das Gefühl ich bin verrückt. Ich möchte ja auch nicht zur Last fallen oder jemanden den Platz „wegnehmen“ der ihn vielleicht noch eher braucht als ich.

Viele Grüße

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 15:24 

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Hallo Line,

ich möchte mich weder Dir aufdrängen noch möchte ich Dich zu etwas drängen; unter dieser Voraussetzung bitte ich Dich, diesen Auszug aus einem längeren Text zu lesen:

"Eine akute Krise beinhaltet den Verlust des inneren Gleichgewichts, den Menschen verspüren, wenn sie mit Situationen oder Lebensumständen konfrontiert werden, die sie momentan nicht bewältigen können, weil die gewohnten Verhaltensstrategien nicht greifen oder zusammenbrechen. In so einer Situation sind oft das Denken und das Fühlen gestört. Die Gedanken drehen sich im Kreis, sind zerstreut und können nicht sinnvoll zu Ende gebracht werden. Manchmal sind die eigenen Gefühle nur schwer wahrnehmbar. Andererseits können sie auch so intensiv auftreten, dass sie schwer zu kontrollieren sind und beispielsweise Angst, Wut, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit oder Trauer als übermächtig und bedrohlich erscheinen."

Du siehst, dass hier nicht von Suizid die Rede ist, "nur" davon, dass eine akute Krise gegeben ist; lese bitte mal ein Stückchen weiter:

"Sobald in einer entsprechenden Situation unmittelbare Selbst- oder Fremdgefährdung (insbesondere Suizidgefährdung) besteht, sollte man nicht zögern, sofort einen psychiatrischen Notdienst, den Rettungsdienst (112) oder die Polizei zu verständigen."

Du siehst, dass man sich "in einer entsprechenden Situation", also in einer akuten Krise, mit den Genannten in Verbindung setzen kann bzw. soll ... nicht nur, aber auch auf jeden Fall dann (das sagt das Wort "insbesondere"), wenn Suizidgedanken da sind.

Beide Textstellen stehen da: https://www.neurologen-und-psychiater-i ... che-krise/" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

Der Weg, an den Du selbst schon gedacht hast (psychiatrischer Notdienst), steht Dir also offen. - Nur , beschreiten, gehen musst Du ihn.

Zu Deiner Befürchtung "was dann passiert": Die werden mit Dir dort vermutlich so schnell wie möglich und so ausführlich wie nötig reden und auf Dich eingehen; vielleicht bekommst Du ein Medikament verordnet, das Dir gefühlsmässig eine Brücke baut zwischen jetzt und dem (noch zu vereinbarenden) Gespräch mit dem Psychiater; wahrscheinlich werden sie Dich auch dahingehend unterstützen, dass dieser Termin schneller stattfindet als wenn Du als "normale Patientin" anrufst und um einen Termin nachfragst. Mehr wird dort nicht passieren - ein Notdienst macht Krisenintervention, soll heissen "Erste Hilfe für die Seele", anders gesagt: so, wie die Rettungssanitäter das Unfallopfer an der Unfallstelle nicht operieren oder sonstwie behandeln (sondern nur die Vitalfunktionen des Körpers stabilisieren und ihn dann zur Behandlung in's Krankenhaus bringen), genauso geht's bei der Krisenintervention im psychiatrischen Notdienst zu.

Also, keine Sorgen machen, sondern anrufen und um Hilfe bitten.

Es geschieht auch dort nichts gegen Deinen erklärten Willen.

Es wäre nur wichtig, dass Du während der Wartezeit, also bis ein Notdienst-Team kommt
- Deinen Partner informierst, damit er nicht "aus allen Wolken fällt", wenn er heim kommt und Du nicht da bist bzw. er vom Notdienst angerufen wird, und
- Du Deinen Krankenkassen-Ausweis und die Liste mit den Medikamenten, die Du zur Zeit alle einnimmst, bereit hälst.

Viel Erfolg, und alles Liebe und Gute. Strohi


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 15:37 

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Hallo Line,

im Prinzip kann ich dem Strohi nur zustimmen.

ich kenne es von mir, dass ich manches etwas verzerrt wahrnehme oder als etwas unsensibel empfinde.
Den Arztmarathon mag ich auch gar nicht.

Was den Sprechstundentermin in der Klinik angeht, kenne ich das so, dass das so ähnlich wie in der Arztsprechstunde abgeht. Man spricht einen Arzt, die Formalitäten also Abrechnung wird erledigt. Ich bekam ein Medikament mit und sollte dann wieder zum behandelnden Arzt (der hatte gerade Urlaub).
Mit einer Bekannten war ich mal in einer Klinik als Begleitung, als es ihr nicht so gut ging. Dort sprach ein Arzt oder Psychologe länger mit ihr, was ihr sehr gut tat. Ich war derweil im Wartebereich. Sie bekam wohl auch ein Medikament mit und den Vorschlag, demnächst in Ruhe in eine Klinik zu gehen. Beides ist schon länger her, dürfte heute aber nicht viel anders ablaufen.

Falls es dir ganz schlecht gehen sollte, kannst du auch die oben irgendwo hier verlinkten Notrufnummern wählen. Mit meinem Laptop sehe ich die rechts oben in roter Schrift im roten Kasten.

Schönen Abend dir.
Gertrud


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 16:01 

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Danke Strohi, danke Gertrud.
Ich glaube ich sehe gerade wirklich nur schwarz und weiß und rede mir ein dass die ganze Welt gegen mich ist.
Ihr habt mir die Option Klinik wirklich etwas sympatsicher machen können und mir auch die Angst genommen, dass ich kein „Notfall“ bin.

Ich werde mich jetzt versuchen mit Sport auszupowern und auf meinen Freund warten. Er kann mich nach solch einem Tag immer gut auffangen und mir „den Kopf waschen“, dass ich wieder etwas klarer denken kann.

Mal sehen, was die Woche noch auf mich zukommt und was schließlich die Lösung für mich sein wird.

Viele Grüße

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 20:22 

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Hallo Line,
das klingt ja schon mal ganz gut, und du weißt ja im Prinzip, was dir gut tut.
Und dein Freund scheint echt klasse zu sein.
Wenn was ist, melde dich wieder, es hat meistens irgendwer Zeit.
Gruß Gertrud


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2021, 21:50 

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Hallo Line,

ein Aspekt einer Depression kann sein, dass die Verarbeitung im Hirn ganz oder teilweise nicht mehr stimmt (dass sie ganz nicht mehr stimmt ist allerdings auf wenige besondere Ausnahmefälle beschränkt), und das heisst, dass die Wahrnehmung stärker oder leichter verzerrt ist, dass die Weiterleitung in den Hirnarealen vielleicht nicht mehr genau hinhaut und dass demzufolge dann auch das Verhalten merkwürdig werden kann.

Lesestoff dazu: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kogniti ... sychologie)

ABER: Keine Angst, nach allem, was die Grundlagenforschung bislang weiss, sind das vorübergehende Phänomene.

Ausserdem möchte ich nur vorsichtshalber darauf hinweisen, dass alle "Hausmittel", über die man liest und die auch von Therapeut:innen und in Reha-Kliniken empfohlen werden - wie z.B. sich eine Tagesstruktur ("Stundenplan") zu geben, sich bewegen, sich mit Dingen beschäftigen, die Spass und Freude machen usw. - nur vorübergehende Hilfsmittel sind (die übergangsweise ohne Zweifel helfen), die jedoch nicht dauerhaft nachhaltig das Problem/die Probleme lösen (so ähnlich wie: wer Probleme im Bein hat, kann sich mit Krücken helfen, muss aber trotzdem durch Ärzte die Ursachen finden und durch Therapie das Problem/die Probleme möglichst beseitigen lassen).

Soll heissen, will sagen: wenn es sich herausstellen sollte, dass Deine Symptome von einer Depression herkommen, wirst Du Dich mit Dir und Deinem bisherigen Leben beschäftigen und auseinandersetzen müssen, um soweit wid möglich "geheilt" zu werden.

Im Übrigen gilt, was Gertrud geschrieben hat: Wenn was ist, melde Dich wieder.

Liebe Grüsse, Strohi


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 11. Jun 2021, 13:09 

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Hallo Gertrud, Hallo Strohi,

Ich wollte mich einmal melden nachdem ihr mich so lieb aufgefangen habt.
Tatsächlich hat sich meine Suche nach einem Termin beim Neurologen tatsächlich erstmal weiterhin nicht als erfolgreich herausgestellt und ich habe auf den nächsten Termin bei meinem Hausarzt warten wollen. Das ganze ist die Tage davor richtig schlimm geworden. Ich bin zusammengebrochen, lag auf dem Boden, weinend und wollte nicht mehr aufstehen.

Meine Ärztin hat mich gebeten mich im Krankenhaus vorzustellen.
Dort werde ich nächsten Donnerstag stationär aufgenommen. Ein kleiner Lichtblick. Ich bin nervös jedoch auch beruhigt, dass es weitergeht.

Dass ich immernoch krank geschrieben bin ist mir mittlerweile egal, irgendwie ist mir alles egal, obwohl ich mir den ganzen Tag den Kopf zerbreche. Heute sind mein Freund und ich mit Freunden verabredet, nach Ewigkeiten werde ich wieder unter Menschen sein die mir früher so viel Freude bereitet haben und ich liege immernoch im Schlafanzug auf der Couch und weiß nicht wie ich das schaffen soll. Aber ich werd es meinem Freund zu Liebe machen, ich hoffe einfach es wird mir gut tun.

Ich hoffe euch geht es gut und freue mich von euch zu hören.

Viele Grüße

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 11. Jun 2021, 16:36 

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Hallo liebe Line,

danke für Deine Zeilen.

Den Weg einer Krankenhaus-Einweisung halte ich für richtig. Und Deine Nervosität kann ich gut nachvollziehen, mir ging es auch so. Es war damals meine allererste Reha, ich hatte keine Ahnung, wie das alles abläuft, schon gar nicht in einer Reha mit lauter psychisch Kranken. Weil die Klinik damit Erfahrungen hat, wurden wir - es 25 Mitpatientinnen und Mitpatienten, die mit mir angereist waren in eine Klinik, die insgesamt rund 100 Betten hatte - sehr gut aufgefangen, beruhigt und eingeführt. Verlass' Dich einfach darauf und vertraue auch darauf, dass die schon wissen, was sie tun; die machen das öfter.

Und dann lass' Dich, so gut es geht und so weit es Dir möglich ist, auf das dortige Programm ein - es geht allen Deinen Mitpatientinnen und Mitpatienten so ähnlich wie Dir, mehr oder weniger intensiv/stark, und das Klinikpersonal ist dazu da, Dir und Euch zu helfen.

Ich freue mich schon heute, von Dir nach dem Ende der Reha zu lesen, wie es gewesen ist, wie Du es empfunden hast. Ich wünsche Dir auf jeden Fall guten Erfolg; "Erfolg" kann auch sein, etwas nicht zu machen, mit etwas nicht klarzukommen, wichtig ist dann nur, damit umzugehen, sich zu fragen, warum konnte ich bei etwas nicht mitmachen, welche Fragen sollte ich noch stellen, welche Antworten sollte ich noch bekommen, um damit klar kommen zu können.

Für heute Abend wünsche ich Dir viel Spaß und viel Vergnügen.

Liebe Grüße
Strohi


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 19. Jun 2021, 20:58 

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Hallo Strohi,

Danke für deine liebe Antwort.
Ich war nicht in einer psychiatrischen Einrichtung, sondern in einem normalen Krankenhaus. Dort wurde ich neurologisch untersucht, MRT, Nervenmessung, Lumbalpunktion, Blutabnahme etc.

Schön war das wirklich nicht. Ich wurde zudem mit Cortison behandelt und habe weitere Antidepressiva verschrieben bekommen und Betablocker zur Behandlung meiner Migräne. Organisch konnte nichts festgestellt werden und die Diagnose ist nun stressbedingte Migräne mit Aura und eine Depression. Nun habe ich das Gefühl wieder am Anfang zu stehen und muss am Montag wieder zu meinem Hausarzt. Mein Chef hat sich heute bei mir gemeldet und quasi gefragt ob man jetzt wisse was ich habe..

Ich habe erstmal ausweichend geantwortet. Die Tabletten machen mich so müde und ich habe das Gefühl nach dem Krankenhausaufenthalt und den ganzen Tests geht es mir nun noch schlechter als zuvor…

Ich fühle mich wie eine Versagerin die ihr Leben einfach nicht auf die Reihe bekommt. Ich weiß so langsam nicht mehr weiter. Ich hoffe meine Hausärztin hat Montag eine Idee.

Eine Diagnose habe ich nun, ob es damit leichter ist einen Therapeuten oder einen Termin beim Psychiater zu bekommen bezweifle ich jedoch.

Ich frage mich ob ich nicht einfach so weiter machen sollte wie zuvor bevor mir auch noch mein Job flöten geht und ich ins Krankengeld rutsche. Finanziell würde mir das zwar nichts ausmachen, jedoch habe ich Angst davor was das für meine Zukunft bedeutet. Ich bin schließlich erst 25 Jahre alt und weiß nicht ob ich so je wieder ins Unternehmen zurück kann. Ich habe das Gefühl die Probleme werden nur immer größer und es ist keine Lösung in Sicht.


Viele Grüße


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 20. Jun 2021, 09:09 

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Hallo Line,

alles habe ich jetzt nicht gelesen, sorry wenn ich etwas doppelt schreibe, da Du nun eine klare Diagnose hast, wird es schon einfacher sein zumindest einen Termin für ein Vorgespräch bei einem Therapeuten zu bekommen. Bei mir wurden die psychischen Störungen zwei Jahre nicht richtig diagnostiziert, in der Zeit hatte ich vier Vorgespräche und 7 Therapiesitzungen in 11 Monaten (Kurzzeittherapie 1) und bei all dem kam keine klare Diagnose und keine zielgerichtet Therapie raus.
Irgendwann habe ich einen Termin bei einer Psychiaterin bekommen, diese stelle die Diagnosen und hat mir eine Überweisung zum Therapeuten gegeben, auf der die Diagnosen vermerkt waren. Bei meinen Anrufen zu den Zeiten, in denen Therapeuten telefonisch erreichbar sind, habe ich dann gesagt ich war bei Fr. X, sie stellte Diagnose Y und Z, ich habe eine Überweisung für Psychotherapie und auf einmal ging es!!!
Durch Corona ist es mit den Therapieplätzen wirklich schwierig, aber ein Vorgespräch sollte möglichst sein. Lass Dir von der Hausärztin eine Überweisung ausstellen, auf der Deine Diagnose vermerkt sind. Wenn Du einen Brief zu der Diagnostik des Krankenhauses hast, nimm ihn mit zur Sprechstunde des Therapeuten. Falls Du keinen hast, frage Deine Hausärztin danach. Sie sollte ihn haben und muss Dir eine Kopie aushändigen.
In der Sprechstunde kann auch festgestellt werden ob Du dringlichen Therapiebedarf hast oder Akuttherapie benötigst. Da gibt es ein Formular dazu das PTV11 (mal googlen). Bitte den Therapeuten darum Dir diese Formular auszustellen, frage nett nach dringlicher Therapie, also ob es das für notwendig hält. Einige Therapeuten kennen die Möglichkeiten dieses Formulars nicht. Wenn Du das Ptv11 mit dem Vermerk Pt dringlich erforderlich oder Akuttherapie erforderlich bekommen hast, dann kann Dir ein Therapieplatz über die Therminservicestelle (TSS auch mal googlen) vermittelt werden. Es gibt auch psychiatrischen Institusambulanzen für die, die keinen Therapieplatz haben -> mal beim Hausarzt fragen und Überweisung ausstellen lassen, Brief mitnehmen...
Dann kann Dir Deine Hausärztin auch eine Überweisung mit Dringlichkeitscode (das ist so ein Aufkleber, der da unten auf den Zettel geklebt wird) zum Psychiater ausstellen. Über die TSS solltest Du einen Termin beim Psychiater innerhalb von 2 Wochen erhalten. Du kannst Dir Zeit und Arzt/Therapeut nicht aussuchen, bei allem was über die TSS läuft, aber es ist erst mal eine Form von Hilfe wenn man welche benötigt. Den Psychiater/ den Therapeuten kannst Du auch nach einer geeigneten Akutklinik fragen und die Ärzte können Dir einen Einweisungsschein ausstellen. Mit der Arbeit... für mich war irgendwann klar, das meine Gesundheit an erster Stelle steht.

Gute Besserung!
Gartenkobold


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 20. Jun 2021, 10:10 

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Hallo Line,

Du kannst auch einfach so beim Portal der KV (TSS), da wo Du den Neurologentermin bekommen hast, die 116117, anrufen und einen Termin in einer Psychotherapeutischen Sprechstunde vereinbaren. Für diese Terminvereinbarung benötigst Du KEINE Überweisung, weder von Hausarzt noch vom Facharzt und somit auch keinen Dringlichkeitscode (den benötigst Du beim Facharzt wie ein Neurologe und Psychiater). Die TSS muss Dir einen Termin zur Sprechstunde vermitteln (im meinem Bundesland geht das 2x, generell geht es so häufig wie Du möchtest nur musst Du Dir den Therapeuten dann selber suchen -> Kv- Liste und dort Psychologischer Psychotherapeut eingeben). Zu diesem Sprechstundentermin würde ich den neurologischen Brief mitnehmen und dann kann Dir auch das Ptv11 ausgestellt werden.
Wenn man nicht klar kommt und erst mal keinen Therapieplatz bekommt, kann man auch Ergotherapeutin machen.
Ich habe eine Stunde die Woche und die Verordnung habe ich von meiner Psychiaterin erhalten. Es können 40 h im Jahr verordnet werden und es gibt auf psychische Erkrankungen spezialisierte Ergotherapeuten - die man leider auch erst mal finden muss.
Mit meiner Ergotherapeutin mache ich so etwas wie Tagespläne, Spannungsregulation, seelische Grundbedürfnisse erfüllen und auch Körperpflege. Da hatte/habe ich auch ein Problem mit. Ich war abends immer so müde, dass ich mir manchmal die Zähne nicht geputzt habe usw. Durch die durch AD verursachte Mundtrockenheit (kann, muss nicht auftreten) bekommt man natürlich noch schneller Karies... Also Zähne putzen, Duschen, Essen, Einkaufen, gesunde Ernährung, sich um ein Tier kümmern usw. das macht man natürlich selber, aber man kann die Probleme, die man dabei hat ansprechen und daran arbeiten mit Plänen, Blohnungen... und so die Zeit zur Therapie und Klinik überbrücken. Momentan mache ich Ergo und gehe in nächster Zeit in eine Tagesklinik (Tk). Die Tk gibt es auch noch, um Pt machen zu können und eine Tagesroutine aufzubauen. Man ist dort tagüber und geht abends nach Hause.
Bei allen Therapien - was Du nicht möchtest - das musst Du nicht.
Wenn Klinik oder Tk nicht zu Dir passen, darfst Du Dich selbst entlassen und gehen. Eine Reha, darf man unter Umständen nicht abbrechen.
Du könntest Dir auch eine Selbsthilfe-Gruppe suchen, da die Beschränkungen wegen dem Bier-Virus mittlerweile fast komplett aufgehoben wurden. Die Mittglieder der Sh-Gruppe kennen sich mit den ganzen Themen (Klinik, Therapie...) meist gut aus und man kann sich auch mal gegenseitig anrufen wenn es einem schlecht geht und man Hilfe benötigt.

Alles Gute für Dich!
Gartenkobold


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 27. Jul 2021, 18:36 

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Hallo Zusammen,

Ich wollte mich hier nochmal bedanken und berichten wie es mir ergangen ist. Ich habe durch meine Schwiegermutter in Spee recht zügig einen Termin bei einer Psychiaterin erhalten und ebenfalls überraschender Weise einen Termin bei einem Psychologen.

Mit der Psychiaterin komme ich sehr gut aus, sie nimmt sich Zeit und wir haben jetzt seit zwei Wochen meine Medikamente erhöht und das verschafft mir doch deutlich mehr Energie! Mein Freund hatte nun zwei Wochen Urlaub und ich konnte mal ein paar Tage abschalten, manchmal habe ich mich noch etwas übernommen, aber ich glaube mittlerweile merke ich wenn mein Körper mir das signalisiert. Aber mal wieder in ein Restaurant zu gehen und unter Leute zu kommen hat mir gut getan, eine große Veränderung beim Friseur gab es auch! Ich war zwei Jahre nicht beim Friseur … das war toll!

Der Psychotherapeut ist leider gar nicht mein Fall, er raucht in seiner „Praxis“, die wohl eher einer schmuddeligen Einzimmerwohnung gleicht.
Ich habe teilweise gut mit ihm sprechen können, habe aber das Gefühl er verlangt zu viel von mir. Ich verstehe mich selbst nicht und er sagt ich solle mich mal „anstrengen“. Ich befinde mich jedoch noch in den probatischen Sitzungen und schaue es mir weiter an.. ich denke aber, dass ich mir eher jemand anderes suchen werde. Ich möchte keine Therapie „verschenken“.

Zudem bin ich weiterhin krank geschrieben, manchmal fühle ich mich schuldig, gerade weil es die letzten zwei Wochen mehr gute Tage als schlechte gab. Da fragt man sich ob man nicht doch arbeiten gehen sollte. Von der Krankenkasse habe ich leider nichts mehr gehört nachdem ich meine Bankdaten hinterlegt habe… ich hoffe bald kommt das Geld, das macht mir wirklich Sorgen…


Und die beste Nachricht kommt zum Schluss; ich stehe auf einer Warteliste für die Tagesklinik in meiner Stadt und ich bin zwar total nervös aber ich lege so viel Hoffnung in die Zeit die ich dort verbringen werde. Die Leute in den ersten Gesprächen waren alle so freundlich und ich habe auch Patienten vor Ort getroffen die alle super offen waren!

Ich habe auf der Arbeit bereits gesagt was Sache ist und werde definitiv bis ich die Therapie in der Tagesklinik antrete und durch bin nicht wieder zur Arbeit gehen. Es war echt hart für mich das alles zu akzeptieren. Ich musste mir selbst erlauben jetzt diese „Auszeit“ zu nehmen und die Aufmerksamkeit nur mir selbst zu schenken.

Ich hoffe ich stehe die Wartezeit gut durch!

Viele Grüsse

Line


 
 
 Betreff des Beitrags: Re: Wie geht es jetzt weiter?
BeitragVerfasst: 29. Jul 2021, 12:46 

Registriert: 16. Dez 2020, 20:24
Beiträge: 154
 
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@Line

Ich kann mich sehr gut in deinem Text wiederfinden.
Mach dir keine falschen Vorwürfe.
Du bist auf dem richtigen Weg, wenn du für dich arbeitest, an dich selbst denkst.
Eine "Auszeit" ist hilfreich, ich weiß es.
Deine falsche Scham kenne ich auch zur Genüge, ein furchtbarer Zustand.
Bleib stark, habe viel Geduld.


 
 
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