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 Betreff des Beitrags: Arbeit - wie mit Erkrankung umgehen?
BeitragVerfasst: 20. Sep 2021, 12:06 

Registriert: 9. Aug 2021, 08:15
Beiträge: 21
 
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Hallo liebes Forum,

ich bin schon seit Jahren immer wieder im Kampf mit Depressionen und hatte mich jetzt lange gut im Griff (10 Jahre ohne größere Klinikaufenthalte etc. ).
Die letzte schlimme Phase hat mich beruflich vom Werbebereich ins Sozialwesen wechseln lassen und ich habe ein Studium in diesem Bereich gemacht. Das war eine sehr schöne und spannende Zeit.
Anschliessend begann ich zu arbeiten und habe mittlerweile eine Familie gegründet. Irgendwie bin ich auf der Arbeit aber nie "so richtig" angekommen...
Ich habe meine Erkrankung eigentlich immer verheimlicht und war medikamentös gut eingestellt, allerdings habe ich auch immer wieder unter der Belastung meiner Arbeit gelitten (sowohl Schichtdienst als auch psychisch sehr massive Situationen).
Daher habe ich immer nur in Teilzeit gearbeitet...
Nun ist es mit einem kleinen Kind und Corona extrem schwer geworden und ich bin mittlerweile Krankgeschrieben... Meine Chefin und ich sind in Kontakt und sie sagte mir, dass ich die Zeit für mich zur Stabilisierung nutzen soll und dann würde mein Arbeitsvertrag eh aufgrund von Befristung auslaufen...
Ich solle bis dahin einfach krank bleiben...
Das hat mich sehr getroffen und traurig gemacht, weil ich meine Arbeit liebe... Auch wenn sie unglaublich anstrengend ist...

Ich frage mich, wie es weiter gehen soll. Werde bald in einer Tagesklinik behandelt, aber möchte im Anschluss wieder eine Stelle suchen...
Wie kann ich mit der Erkrankung umgehen?
Welche Erfahrungen habt ihr mit einem offenen Umgang damit?

Ich habe häufig den Eindruck, wenn man sich offen als erkrankt zeigt, wird man nicht mehr so für voll genommen und der Arbeitgeber will einen nur noch los werden... Aktuell habe ich viel Verantwortung in der Arbeit und ich habe Angst, dass ich, sollte ich offen mit der Erkrankung umgehen, nie wieder so eine Position bekomme...

Hat vielleicht jemand Erfahrungen damit?


 
 
BeitragVerfasst: 4. Okt 2021, 17:15 

Registriert: 1. Sep 2020, 08:16
Beiträge: 2
 
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Liebe frau_tagtraeumerin,

zwar kann ich leider auch keine Erfahrungen mit einem offenen Umgang mit der Erkranung in der Arbeitswelt teilen, aber bin momentan auch in der Situation, dass ich mich frage und grüble, welche Auswirkungen ein offener Umgang mit Depressionen im Arbeitsumfeld haben könnte.

Nachdem mein letzter befristeter Job nicht verlängert werden konnte hatte ich andere gesundheitliche Probleme (zusätzlich rezidivierende Depression) die inzwischen wieder in Ordnung sind und bin wieder auf Jobsuche.

Bisher habe ich die Depressionen im Arbeitskontext auch immer verheimlicht, auch wenn ich generell lieber ehrlich wäre und es traurig finde, dass es sich anfühlt, als müsste man das heutzutage noch verheimlichen. Nachdem ich bisher immer nur befristete Anstellungen hatte und auch vermute, dass man mich für weniger arbeitsfähig/leistungsfähig halten würde, wenn ich von der Erkrankung erzähle, traue ich mich natürlich noch weniger offen damit umzugehen (als wenn ich z.B. in einer unbefristeten Festanstellung wäre). Deine Sorge, keine sonderlich verantwortungsvolle Position mehr zu bekommen, kann ich auch nachvollziehen.
Vielleicht findet sich ja noch jemand mit Erfahrungen in diesem Bereich und möchte sich hier austauschen?

Ich wünsch dir erstmal alles Gute für die Tagesklinik!


 
 
BeitragVerfasst: 4. Okt 2021, 20:00 

Registriert: 13. Mär 2021, 15:17
Beiträge: 148
 
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Hallo Frau Tagträumerin,

Ich kann aus zwei Perspektiven antworten, vielleicht ist das hilfreich. Ich arbeite zum Einen in der Personalabteilung eines großen Konzerns und berate / coache dort regelmäßig Führungskräfte, begleite aber auch oft "schwierige" Mitarbeiterfälle. Zum anderen bin ich selber schwer an Depressionen erkrankt, gehe aber trotzdem weiterhin arbeiten, zumindest die meiste Zeit. Zwei kleine Kinder habe ich auch.

Ob und wie offen man mit dem Thema umgehen sollte, hängt natürlich auch von der Arbeitskultur und dem Kontakt zum Arbeitgeber ab. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mehr auf das wie ankommt als auf das ob. Schwierig wird es immer dann, wenn Mitarbeiter ihre Erkrankung wie ein Schutzschild hochhalten, Vorwürfe gegen den Arbeitgeber erheben, aus dem Kontakt gehen, unkooperativ werden und in Krankschreibungen "verschwinden". Positive Erfahrungen habe ich gemacht, wenn Mitarbeiter offen sind, aber gemeinsam mit uns nach Lösungen suchen, erzählen, was sie unternehmen, damit es ihnen besser geht, kooperativ, transparent und vorwurfsfrei agieren.

Meine eigene Strategie sah immer so aus: ich habe das Wort Depressionen nie in den Mund genommen. Ich habe mich langsam herangetastet, aber irgendwann schon gesagt, dass ich aif meine Grenzen achten muss, dass ich belastet bin, dass ich aufpassen muss, dass es nicht zu viel wird. Fehlzeiten halte ich meist kurz (1-2 Tage, manchmal eine Woche) und versuche sie so zu legen, dass das Team nicht leidet, wenn möglich. Gleichzeitig bin ich aber auch voll da, wenn ich da bin und lasse meine Erkrankung dann zuhause. Für meinen Arbeitgeber war es auch ein wichtiges Zeichen,dass ich meine Arbeitszeit reduziert habe, so konnte er sehrn, dass ich meinen Teil zur Genesung beitrage.

Ich würde im Leben nicht bei potenziell neuen Arbeitgebern davon erzählen. Ich würde mir aber auch gut überlegen, welchen Job ich annehme, also nur die, in denen ich meiner Verantwortung auch gerecht werden kann und das sind gerade nicht alle.


 
 
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